Carl Heinrich Stülpner
"In jedem Menschen liegt der Keim zu guten und bösen, zu erhabenen und niedrigen Handlungen verborgen. Erziehung, frühe Leitung, Beyspiele, Gelegenheiten und Zufälle, tragen nun das Ihre dazu bey, es zu bestimmen, welchen Trieben der Mensch folgen, welchen neigungen er sich überlassen und welche Handlungsweise er annehmen soll. - "
Friedrich von Sydow in "Carl Stülpner - ein berüchtigter Wildschütz im sächsischen Erzgebirge"

Historisches Chemnitz - Carls Stülpner
Carl Stülpner mit 77 Jahren - Zeichnung von Friedrich Trochold

Karl Stülpner - der Sohn unserer Wälder, der Wilddieb, der Rebell, der Volksheld, das Idol. Ein jeder bei uns im Erzgebirge kennt diesen Mann, der so legendenumwoben ist. Ich aber habe wohl eine einzigartige Beziehung zu ihm, da es wohl so ist, daß meine Familie väterlicherseits und damit ich selbst zu den Nachkommen gehöre.

Lassen wir das aber hier einmal unbeleuchtet, denn hauptsächlich möchte ich mich auf das Leben Stülpners ohne die begleitenden Fabelgeschichten konzentrieren und zum anderen vor allem seine Beziehung zur Stadt Chemnitz beleuchten.

Am 30. September 1762 nachmittags gegen vier Uhr erblickt der kleine Carl das Licht dieser Welt. Schon mit sechzehn Jahren soll er als Troßsoldat am Kriegsgeschehen teilgenommen haben.

In Chemnitz
Entgegen mancher Meinung ist Stülpner tatsächlich in Chemnitz gewesen. Er verpflichtete sich am 18. November 1799 bei der 7. Kompagnie des Regiments Maximilian in Chemnitz zu acht Jahren und tritt seinen Dienst im Januar 1780 an. Vier Jahre später erfolgte seine Versetzung als Grenadier nach Zschopau. Dort kommt es aber zu handfesten Auseinandersetzungen mit dem dortigen Jägerburschen Ziegler und so kommt Stülpner als Arrestant zurück nach Chemnitz, wo er 32 Wochen Stabsarrest verbüßt.

Soldat und Wanderung
Als die Gefangenen bei Manöverübungen 1785 in Mühlhausen an der Elbe mitgenommen werden, desertiert Stülpner am 3. Juli auf dem Heimmarsch und flieht in die ihm vertrauten böhmischen Wälder. Anschließend wanderte er nach Ungarn, Östereich und die Schweiz. Nach Scharfenstein zurück, schließt er sich mit weiteren Wilddieben zusammen und wird deren Anführer. Später geht er jedoch wieder zu den Soldaten und dient in Spandau. 1793 wird Stülpner bei Kaiserslautern verwundet und desertiert erneut.

Historisches Chemnitz - Carl Stülpner

Tod
Nach einer langen Wanderung entkräftet, bricht Stülpner am 5. Oktober 1839 auf einer Landstraße in der Nähe von Lauta bei Marienberg zusammen. Er wird in verschiedene Pflegefamilien gegeben und verstirbt entkräftet am 24. September 1841 in Scharfenstein und wird in Großolbersdorf begraben.

Zeitlicher Abriss
1762 Geburt
1780 Dienst in Chemnitz
1785 Desertation
1793 Verwundung
1839 Zusammenbruch
1841 Tod

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