Chemnitz im dreißigjährigen Krieg

Vorgeschichte des Unheils
Mit

Das Unheil naht
Sachsen hatte bisher auf der Seite des Kaisers gestanden. Nun aber fielen die Schweden unter Gustav Adolf im Norden Deutschlands ein. Der sächsische Kurfürst befürchtete nun, auf der falschen Seite zu stehen und wechselte 1631 die Seiten zugunsten der Schweden. Die 20.000 sächsischen Soldaten vereinigten sich danach mit der schwedischen Armee, die unaufhaltsam nach Süden vorrückte. Wallenstein wurde daraufhin vom Kaiser reaktiviert, um gegen diese Macht anzutreten. Wallenstein stampfte daraufhin innerhalb von drei Monaten ein Heer aus dem Boden und zog nach Norden gegen Gustav Adolf. Infolge seines Vormarsch wichen die Schweden nach Österreich aus. Das bewog Wallenstein in Richtung Sachsen zu ziehen, um die rückwärtigen Linien abzuschneiden. Vor allem aber sollte Sachsen für den Abfall vom Kaiser bestraft werden. So kam 1632 der Krieg nach Sachsen.

Am 1. August des Jahres 1632 erteilte Wallenstein seinem Feldmarschall Heinrich Holck den Auftrag in Sachsen "eine Diversion zu machen, das Land mit Plünden, Brennen, Viehwegtreiben und sonsten zu ruinieren und dadurch den Kurfürsten zur Räson zu bringen, weil Ihre kaiserliche Majestät er in der Güte sich nicht bequemen wolle." Er befahl Holck nach Sachsen "um das Land nachhaltig zu verwüsten, damit der Kurfüsrt nachgeben und wieder zum gemeinsamen Waffengang mit dem Kaiser zurückfinde. Da die Schweden die Gefahr erkannten, daß Sachsen wieder von Ihnen abfallen könnte, kehrten sie um und rückten selbst in Sachsen ein. So befanden sich nun bald beide Streitmächte auf sächsischen Gebiet.

Im August 1632 überschritt Holck mit etwa 20.000 Mann die sächsische Grenze und besetzten und plünderte rasch die naheliegende Städte wie Zwickau, Schwarzenberg und Annaberg. Danach schwärmten die Truppen aus und brachten Tod und Verderben nach ganz Sachsen. Die sächsicehn Soldaten waren kopflos und das Land nicht auf eine Verdeitigung eingestellt, so daß es leichte Beute für die Armeen wurde. Einzig Dresden konnte sich aufrund seiner Befestigung erfolgreich wehren.


Der Krieg erreicht Chemnitz
Am Anfang schien Chemnitz Glück zu haben. Alle Städte, ganz gleich ob westlich oder südlich gelegen, wurden von Holcks Truppen heimgesucht. Am 10.August erfährt der Oberjägermeister Heinrich von Carlowitz aus Rabenstein die Meldung, daß sich feindliche Truppen nähern. Daraufhin läßt er die umliegenden Ämter benachrichtigen und befiehlt alles waffenfähige Volk nach Chemnitz. Bald erreichten die feindlichen Truppen die weiteren Vororte von Chemnitz, wie etwa Rabenstein, Gablenz, Euba, Neukirchen, Kappel, Ebersdorf und andere. Dort wurde geraubt und geplündert und die Häuser niedergebrannt.

In Chemnitz verfiel man daraufhin in Aufregung, denn die in der Stadt stationierten Defensionäre - eine Art Landwehr, die in Sachsen für die Verteidigung zuständig war - hatten die Stadt verlassen, da der Rat Ihren Unterhalt abgeleht hatte. Die Stadt war damit faktisch wehrlos. Der vom Kurfüsten eingesetzte Befehlshaber, Landjägermeister von Carlowitz, trat nun vor den Rat und die Bürgerschaft und verlangte, den Graben und die Tore in den Verdeitigungszustand zu versetzen, Wachen aufziehen zu lassen und vor allem Vorräte an Lebensmitteln heranschaffen zu lassen. Er ordnete an, sich "bis aufs Blut zu wehren und die Stadt nicht zu übergeben." Auch verlangte er, ihm die Schlüssel zu den Stadttoren - diese wurden von verschiedenen Ratsherren aufbewahrt - zu übergeben.

Doch die Ratsherren zögerten. Da nun auch die vom Kurfürsten angeforderten 500 Musketiere nicht geschickt wurden, entschloß sich von Carlowitz zu handeln: Er ließ die Bevölkerung mit Trommeln zusammenrufen und teilte sie zur Verteidigung ein. Auch inspizierte er die Tore und Mauern und mußte feststellen, daß sie nicht mehr einwandfrei waren. Auch fehlten Kanonen völlig und Handfeuerwaffen waren nur wenig vorhanden. Doch die Lage wurde jeden Tag ernster. Aus Lichtenwalde und Erdmannsdorf wurden Plünderungen gemeldet. Aber trotz dieser bösen Aussichten konnte von Carlowitz - obwohl er ständig energischer auftrat - den Rat der Stadt Chemnitz nicht dazu bewegen, die Verteidigungsbemühungen zu unterstützen. Wohl war man der Meinung, kampflos besser aus der Misere davonzukommen. Diese Sorglosigkeit und Nachlässigkeit schlugen auch wieder auf die Bürgerschaft zurück, so daß es de facto von Carlowitz nicht gelang, Chemnitz verteidigungsfähig zu machen. Die Stadt war wehrlos und ohne Pulvervorräte.

Das Unheil kam näher. Am 16. August wüteten Truppen in Altchemnitz, zogen aber dann glücklicherweise nach Lichtenwalde weiter. Am 18. August litt Markersdorf, Helbersdorf und Kappel und wurde verwüstet. Bald danach waren die Truppen bereits in den direkten Vorstädten. Dort fiel ihnen unter anderem die Nikolaikirche, die Nikolaischule, die Scharfrichterei und die Mühle zum Opfer und wurden niedergebrannt. Nun wurde es ernst für Chemnitz.


Kämpfe und Besetzung
Um das Ärgste abwehren zu können, versuchten 150 bewaffnete Chemnitzer Bürger - vor allem Handwerker und Knechte - am Johannistor einen Ausfall, wurden aber von den kaiserlichen Truppen zurückgedrängt. 14 Bürger ließen dabei ihr Leben. Daraufhin setzte am 19. August eine allgemeine Fluchtbewegung aus der Stadt ein, der sich wohl auch von Carlowitz angeschlossen hat. Auch hohe Beamte, wie etwa der Amtschösser Drechsler verließ sein Amt und seine Stadt um sich in Sicherheit zu bringen. Ob die Flucht aufs Land die Rettung für die Menschen brachte, mag wohl auch bezweifelt werden. In Chemnitz jedenfalls kehrte daraufhin für einige Tage eine trügerische Ruhe ein. Aber schon kurz darauf standen wieder kaiserliche Truppen unter dem Oberst Walter Buttler (1600-1634) vor den Toren und steckten in den Vorwerken Scheunen und Häuser in Brand. Ein Bürgerssohn wurde vor dem Klostertor erschossen. Menschen, die daraufhin aus Chemnitz zu fliehen versuchten, wurden mißhandelt und niedergestochen.

Oberst Buttler befahl die beiden Bürgermeister Pfeifer und Horn vor das Johannistor und verlangte die Übergabe der Stadt. Die Bürgermeister baten sich Bedenkzeit aus. Das war eine gute Entscheidung, denn glücklicherweise nahte aus Freiberg ein sächsicher Hauptmann mit Hilfstruppen, der die kaiserlichen Truppen angriff. Daraufhin brach in der Johannisvorstadt ein blutiges Gefecht aus, in dessen Folge die Truppe des Oberst Buttler geschlagen und verstreut wurde.

Drei Kompanien blieben daraufhin in Chemnitz stationiert und am 30. August kam überraschend noch eine Schwadron kurfürstlicher Reiter nach Chemnitz, die jedoch nach einer Stunde nach Freiberg weiterritten. Da die Lage ruhig blieb, rückten die drei Kompagnien jedoch am 23. September 1632 nach Freiberg ab, das gerade bedroht wurde. Doch der Krieg kam zurück. Bereits am folgenden Tag, dem 24. September wurden den abrückenden Truppen alarmierende Berichte nachgeschickt, worauf Hauptmann Rudolph von Rabil mit einer Kompagnie Musketiere nach Chemnitz zurückkehrte. Dies war auch nötig.


>Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Am 25. September 1632 wird Chemnitz von den kaiserlichen Truppen feindlich "angeblasen", also zur Übergabe aufgefordert.

Ende September kam Holck selbst nach Chemnitz und nahm im Chemnitzer Schloß Quartier. Am 25. September ließ er einen Trompeter die Stadt "anblasen", also zur Übergabe auffordern. Der Trompeter wurde mit verbundenen Augen in die Stadt gelassen, wo ihm von Hauptmann von Rabil mitgeteilt wurde, daß die Stadt sich keinesfalls ergeben werde. Daraufhin ließ wurde Kappel und Ebersdorf niedergebrannt und vom Kaßberg aus wurde die Stadt pausenlos mit mehreren Batterien Kanonen beschossen. Mindestens einhundert Kugeln trafen die Stadt. Nochmals wurde mittels eines Emmisärs Holcks der Stadt deutlich gemacht, die Tore zu öffnen, da man sonst keine Gnade walten lassen wollte. Auch sei der Feldherr Gallas mit weitern 10 Regimentern bei Zwickau eingetroffen. Doch der Rat zögerte noch. So begann die Kanonade von Neuem. Nun ließ Holck das Röhrwasser abgraben und traf Vorbereitungen zu einer dauerhaften Belagerung.

Nun wurde es den Stadtvätern doch Angst und sie ersuchten den verteidigenden kursächsichen Hauptmann von Rabil, er solle versuchen, eine Einigung mit den Belageren zu treffen. Nach langen Zögern willigte von Rabil schließlich ein und man entsandte einen Emmisär zu Holck, der diesem mitteilte, daß die Stadt bereit zur Übergabe an die holckschen Truppen sei. Am 29. September erfolgte die Übergabe dann. Dem Hauptmann von Rabil und seine Soldaten ließ man am Nachmittag ohne Feuerwaffen aus der Stadt abziehen. Holck und die kaiserlichen Truppen rückten daraufhin über das Nikolaitor in die Stadt ein und besetzten sie.

Sofort nach dem Einzug begannen die Plünderungen, Vergewaltigungen und Folterungen. Holck wollte von der Stadt 11.000 Taler Kriegsgeld. Um dies zu beschaffen, mußten die reichen Bürger ihre Geschmeide abgeben. Allein 1.800 Taler schoß der Hauptmann von Vitzthum vor. Die Besetzung von Chemnitz dauerte noch bis zum 11. Oktober, bis Holcks Truppen die Stadt wieder in Richtung Freiberg verließen.


Wallensteins Heerlager
Am 16. November fand die berühmte Schlachtbei Lützen statt, bei der der der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen Wallenstein empfindlich geschlagen wurde. Am Tag danach, am 17. November, trafen Wallensteins Truppen nach und nach in Chemnitz ein. Zuerst kamen etwa 200 Reiter, die sich am Niklas- und am Klostertor einquartierten. Dann aber drängte das Hauptheer über die Leipziger Straße herein. Die Stadt wurde völlig überfüllt, überall verstopften etwa 600 Wagen und über 4.000 Pferde die Gassen. Die unzähligen Soldaten und Offiziere wurden in Stadthäusern einquartiert - "viele gemeine Leute mußten Grafen und Herren speisen."

Zwei Tage später, am 19. November 1632 traf dann der Herzog von Friedland, Wallenstein mit seinem gesamten Stab und Gefolge in Chemnitz ein. Mit dabei waren neben Holck - den die Chemnitzer in böser Erinnerung hatten - auch Gallas und Piccolomini. Der Leichnam des bei Lützen gefallenen Heinrich von Pappenheim wurde in der Johannisgasse beim Haus von Matthes Heinrich auf einem Wagen aufgebahrt. Wallenstein bezog bei Magister Martin Schauens Quartier. "Es ging hier alles mäusestille zu, also, daß auch auf der Schildwache niemand ein lautes Wort reden durfte."


Besetzung durch kaiserliche Truppen
Am 23. November verließ Wallenstein mit seinem Troß Chemnitz wieder. Kaum war der Befehlshaber aus der Stadt, wurde diese - wie Tage zuvor Penig - von der Soldateska geplündert, die Menschen ermordert und die Häuser angezündet. Zu aller Not brach auch noch die Pest und gleichzeitig eine Hungersnot in Chemnitz aus. Dann kamen auch noch erneut kaiserliche Truppen unter dem Kommandeur Andreas de Contrares - einem "recht kontrarischen, widerwärtigen, halsstarrigen und tyrannischen Manne" - nach Chemnitz und forderten sogleich 4.000 Taler Kriegsgeld. Da die Beischaffung des Geldes nicht einfach war und sich verzögerte, nahm de Contrares wohlhabende Bürger im Rathaus mehrere Tage als Geiseln.

Nun rückten auch noch schwedische Truppen unter dem Kommando von Bernhard von Sachsen-Weimar heran, was de Contrares dazu veranlasste, die Chemnitzer Vorstädte niederzubrennen. Nur dem Umstand der Windstille war es zuverdanken, daß die Flammen nicht auf die Stadt übergriffen, sonst hätte die Stadtbevölkerung "wie in einem Fischtiegel im Feuer mit auffliegen müssen".

Die unterzähligen kaiserlichen Truppen verteidigten sich gegen die Schweden, die vom Kaßberg und vom Schloßberg mit Kanonen auf die Stadt schossen. Besonders schwer wurden dabei die Häuser an der Brüdergasse nahe dem Franziskanerkloster beschädigt. Nachdem es den Belageren am 19. November 1632 gelingt, eine Bresche in die Stadtmauer in der Nähe des Pfortentores zu schiessen, wird das Gelände des ehemaligen Franziskanerklosters am darauffolgenden Tag von den Schweden erstürmt. Zwar gelingt es de Contrares, die Breschen immer wieder zu schließen, aber er ist in der Unterzahl. Die Belagerung zieht sich noch bis zum 1. Dezember 1632 hin, dann räumen die Kaiserlichen die Stadt. 230 Chemnitzer Bürger kamen in diesen Belagerungswochen ums Leben. Die Toten wurden zuerst zu einer Brandstatt in der Herrengasse geschafft, wo sie noch mehrere Tage lagen, bevor eine Beerdigung möglich war. Auch war die Innenstadt, die Stadtmauer und einige Stadttore stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß in der kommenden Zeit der Verkehr nur noch über Johannis- und Nikolaitor möglich ist.


Besetzung durch die Schweden
Nun ziehen die "befreundeten" Schweden in Chemnitz ein. Herzog Bernhard von Weimar-Sachsen bezieht ebenso wie vor her Wallenstein bei Magister Schauens Quartier. Zwar versuchen die Schweden zuerst, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Zwei Soldaten sollten sogar wegen Raubes auf dem Markt gehängt werden. Im Großen und Ganzen benehmen sich aber die "befreundeten" Schweden nicht anders als die kaiserlichen Truppen zuvor. Sie fordern Quartier, Essen und Geld. Die Soldaten im Chemnitzer Schloß "haußten dergestalt, daß es nicht menschlich war." Fast alle Möbelstücke, Textilien und Bildnisse, sowie Türen und Fenster gingen verloren oder wurden beschädigt. Nach dem Krieg war das Schloss denn auch so verwüstet, daß es von den Fürsten nicht mehr benutzt wurde. Selbst der Schloßteich und andere Teiche wurden komplett abgefischt. In der Zeit der schwedischen Besatzung starben in Chemnitz übner 540 Menschen. Die am Leben blieben sind "tibuliret, geschmissen, geschlagen und biß aufn Tod geängstigt worden", bis die Schweden die Stadt wieder verließen.

Erneute Besetzung durch Kaiserliche
Doch damit nicht genug. Der inzwischen vom Kaiser Ferdinand II. in den Grafenstand erhobene Holck erhält von Wallenstein den erneuten Befehl: "...Chemnitz, Freiberg und Zwickau brennen zu lassen." Daraufhin tauchen 24 Kompagnien Reiter sowei ein Regiment Kroaten unter dem Kommando des Oberst Uhlfeld vor Chemnitz auf. Am 6. August 1633 6 Uhr früh erscheinen Reiter vor dem Johannistor und blasen die Stadt erneut feindlich an. Die Stadt ist wiederum wehrlos und daher übergeben die Ratsherren vor dem Johannistor die Stadttorschlüssel an Uhlfeld. Kaum ziehen jedoch die kaiserlichen Truppen in Chemnitz ein, beginnen erneut die Folterungen, Vergewaltigungen, Verwüstungen und Brandschatzungen. Die drei Kompagnien ziehen am nächsten Morgen wieder ab, nehmen aber den Stadtschreiber und zwei Ratsherren als Geiseln mit sich. Stunden darauf erscheint Holcks Kroatenregiment - eine brutale Truppe - vor den Mauern, traut sich jedoch nicht in die Stadt, da dort immer noch die Pest schwelt. Gegen 1.000 Taler verzichten sie darauf, die Stadt anzuzünden und ziehen wieder ab. Am 15. August erreicht den Rat der Stadt die Forderung Holcks, gegen 600 Taler die Ratsherren und den Schreiber freizulassen. Das Geld wird gezahlt, aber die Geiseln vorerst nicht frei gelassen - im Gegenzug wird Stadtrichter Zacharias Neefe entführt und für ihn 800 Taler gefordert.

So ging es noch lange weiter, bis der Kurfürst Johann Georg I. nach einem Sieg des Kaisers 1634 bei Nördlingen erneut die Seiten wechselte und sich wieder dem Kaiser anschloß, nachdem er in Prag einen Separatfrieden geschlossen hatte.


Erneute Besetzung durch die Schweden
Nun ging es weiter hin und her, bis sich nach und nach die kaiserlichen Truppen durchsetzten. Ständig musste die Stadt Einquartierungen über sich ergehen lassen. Allein die Schweden waren 1637, 1639, 1640 und 1642 bis 1644 mehrmals in der Stadt. Am 25. Februar 1639 standen Truppen unter dem Kommando von Hans Wachtmeister vor der Stadt, die zum Heer des Hauptmann Banér gehörten. Die Stadt war ohne Soldaten und nicht in der Lage Widerstand zu leisten. So kam es zur Übergabe an die Schweden am nächsten Tage. 5.000 Taler forderten die neuen Herrscher, aber auch "nach ihrer Gewohnheit" die Auslieferung der Glocken. Da nach de3n vielen Kriegsjahren das Geld nicht mehr in dieser Menge zu beschaffen war, leisteten die Bewohner den Gegenwert in Naturalien. Nur 500 Taler wurden beschafft, um die Glocken in der Stadt behalten zu können.

Bald tauchten feindliche Truppen in der Region auf und die Schweden unter Banér waren gezwungen abzuziehen, kamen aber jedesmal wieder zurück. Nachdem es am 4. April bei Lungwitz und Hohenstein zu einer für die Schweden siegreichen Schlacht gegen Sachsen und Österreicher gekommen war, trafen beide Kriegsparteien bei einem Rückzugsgefecht der Kaiserlichen auf der Freiberger Straße und im Zeißigwald blutig zusammen. Auch hier bleiben die Schweden Sieger und etwa 1.500 Gefangene sowie die gesamte Kriegsbeute wurde nach Chemnitz gebracht. Von Neuem wütete die Besatzung in der Stadt und auf dem Schloß und wieder floss Blut und brannten Häuser.

Auch 1643 suchten die Schweden unter Torstensen Chemnitz heim und rissen auch notdürftig wieder errichtete Gebäude nieder. Auch kam es zu einem verheerenden Brand in der Stadt, wohl verursacht durch ein Soldtenweib der Schweden, dem unter anderem die Gebäude des Franziskanerklosters zum Opfer fielen. Schließlich wandte sich langsam das Kriegsglück zugunsten der kaiserlichen Truppen und der mit ihnen verbündeten Sachsen. Als letzte Stadt in Sachsen war nun nur noch Chemnitz von den Schweden unter dem Kommando des Oberst Muhl besetzt, bis am 21. Juni 1644 der Kurfürst von Dresden mit einer "wohlgefaßten Artellerie" aufbrach, um Chemnitz zu "befreien".


Belagerung
Am 24. juni 1644 erschien der Kurfürst mit seinem starken Heer vor Chemnitz. Er selbst bezog auf dme Schloß Quartier, während die Stadt mit 2.000 Soldaten belagert und mit 12 Kartaunen - schweren Geschützen - beschossen wurde. Dabei wurde auch der Turm des Johannistores schwer beschädigt und einige neugierige "Späher" auf dem Turm der Jakobikirche wurden heruntergeschossen. Nun ließ der Kurfürst die Schweden in der Stadt zur Kapitulation auffordern. "Er solle in vier Wochen wieder nachfragen lassen." gabe man ihm zu Bescheid. Oberst Muhl war trotz des Beschwörens durch den Rat nicht zur Übergabe bereit. Nach längerdauernder Belagerung mit vielen Toten in der Stadt, ordnete der Kurfürst den Sturm an. Am 18. Juli früh 3 Uhr schossen die Belagerungsgeschütze über 300 Kanonengkugeln in die Stadt. Nachdem "Minen" mit Schwarzpulver unter den unterminierten Mauerbereichen beim Nicklastor und beim Johannistor explodiert waren, fiel an mehren Stellen die Mauer zusammen und der Turm des Niklastors brach auseinander und stürzte in den Stadtgraben. Im Turm des Johannistores war "ein ziemlich großes Loch darein gemacht."

Das war das Ende. Am 20. Juli gab der schwedische Oberst Muhl auf und hißte die weiße Fahne. Die 200 Schweden durften mit gesenkten Fahnen und unter Zurücklassung von 70 Pferden die Stadt in Richtung Erfurt verlassen. Drei sächsische Überläufer aber wurden gehenkt. Ein sehr interessanter Fakt, bedenkt man doch die Politik des Kurfüsrten selbst. Mit dem schwedischen Befehlshaber wurde ein sechsmonatiger Waffenstillstand geschlossen und Chemnitz bekam eine kurfürstliche Besatzung.


Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Flugblatt zum Westfälischem Frieden - gedruckt 1648

Nachspiel und Resümee
Damit waren alle Städte in Sachsen "befreit", der Kampf gegen die Schweden in Sachsen dauerte jedoch noch bis 1645, bis bei Kätzschenbroda ein endgültiger Waffenstillstand geschlossen wurde. In den folgenden Jahren hatten sich die "Truppen" in marodierende, räuberische Haufen verwandelt, die noch lange viel Elend unter der Bevölkerung verursachten. Es dauerte weitere vier Jahre bis am 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück der Friedensvertrag unterzeichnet werden konnte, der das Ende des dreißigjährigen Krieges besiegelte. Aber erst zwei Jahre später 1650 verließen die Schweden endgültig Sachsen, nachdem sie noch 267.107 Taler Kriegsentschädigung mitnahmen.

In der Chemnitzer Innenstadt hatten vor 1632 488 Häuser gestanden. Davon waren bei Kriegsende 288 zerstört. Insgesamt standen von 960 Häusern noch 270. Das bedeutet zwei Drittel zertörte Wohnfläche in Chemnitz. Die Zahl der Einwohner war von 5.500 auf 3.000 gesunken.


Zeitlicher Abriss
1618 Fenstersturz
1632 Besetzung
1648 Westfälischer Friede
1650 Schweden verlassen Stadt

Die Protagonisten

Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Albrecht von Wallenstein, Herzog von Friedland

Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Feldmarschall Heinrich Holck

Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Gustav II. Adolf
(1594-1632)

Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Bernhard von Sachsen-Weimar
(1604-1639)

Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Johan Banér
(1596-1641)

Historisches Chemnitz - Chemnitz im dreißigjährigen Krieg
Lennart Torstensson
(1603-1651)