Der Hauptbahnhof
Historisches Chemnitz - Der Hauptbahnhof
um 1910

Chemnitz besaß seit 1852 Anbindung an das Schienennetz. Aber die Anfänge der vorhergehenden Bemühungen sind bereits viel früher zu erkennen. Hier lesen Sie mehr über die Anfänge der Anbindung von Chemnitz an das Schienennetz.

Ein Schuppen als Anfang
Als Standort für einen möglichen Bahnhof wurden die sogenannten Stadtfelder im Nordosten des Stadtzentrums ausgewählt, da sie sowohl einfaches Bauen ermöglichten, wie auch relative Nähe zum Stadtzentrum aufwiesen. Als die Strecke Riese-Chemnitz am 1. September 1852 eröffnet wurde, war dies auch die Geburtsstunde des ersten Chemnitzer Bahnhofes. Anfangs war es wohl eher mehr ein Schuppen, der sowohl die "Güterexpedition", wie auch die Personenabfertigung beherbergte. Der Wartesaal war jedoch standesgemäß in drei Klassen unterteilt, die jeweils nur beengte Möglichkeiten boten. Mit einem "heutigen" Bahnhof hat das wenig gemein.

Der Chemnitzer Hauptbahnhof
Skizze von der Einweihung der Strecke und des Chemnitzer Bahnhofes am 1.September 1852
Rechts erkennbar das erste Bahnhofsgebäude mit der "Güter-Expedition" an der Vorderseite.

Eine feste Halle
Nun funktionierte erste einmal alles, jedoch war das genutzte Gebäude besonders zukunftsweisend noch war es besonders repräsentativ. Also musste schnell der bisherige Schuppen weichen und man begann 1854 mit dem Bau eines größeren und vor allem repräsentativeren Gebäudes. Das neue Haus war nun zweigeschossig und enthielt nun neben den Verwaltungseinheiten der Euisenbahndirektion auch Wohnungen und eine kleine Küche für die Bahnhofswirtschaft. Neben diesem knapp 55 Meter langen Haus befand sich als Verbindung zu den Gleisen ein etwa 120 Meter langes Vorgebäude. Dort gab es neben einer "Restauration" auch ein "Damenzimmer", sowie weitere funktionale Räume, wie etwa die verschiedenen "Expeditionen", also die Gepäck- und die Postaufgabe sowie den Fahrkartenschalter. Um das Gebäude herum befanden sich die repräsentativ gestalteten Außen- und Grünanlagen.

Der Chemnitzer Hauptbahnhof
Abbildung des 1854 errichteten festen Gebäudes.
Im Hintergrund das Hauptgebäude und vorn das Vorgebäude mit dem säulengestützten Perron.

"Haupt"- und Durchgangsbahnhof
Am 15.November 1858 wird eine weitere Strecke eröffnet - die nach Zwickau. Das bringt zwei Neuerungen. Zum einen wird aus dem bisherigen Kopf- und Endbahnhof nun ein Durchgangsbahnhof, zum anderen erhält der bisher einzige Bahnhof nun den Namen "Hauptbahnhof", da ein weiterer Haltepunkt in der Nikolaivorstadt an der neuen Strecke nach Zwickau eröffnet wird. Der bisher alleinige Bahnhof hat sich jedoch selbst in den letzten vier Jahren beträchtlich weiter entwickelt. Zum einen gibt es nun eine eigene Werkstättennlage, die Direktion war in einem separaten Gebäude untergebracht und eine eigene Wagenremise für die Reisenden stand zur Aufnahme der Kutschen bereit. Daran lässt sich leicht erkennen, daß das Fahren mit der Eisenbahn immer wichtiger wurde und sich die Bahn nach und nach als Hauptverkehrsmittel begann durchzusetzen.

Der Platz reicht nicht aus
Jedoch wuchs die Stadt stetig und damit auch die Anforderungen an eine moderne Bahnhofsanlage - besonders in Hinblick auf die Abfertigung der Güter und Waren. Da die Unternehmen in Chemnitz wie Pilze aus dem Boden schossen, wurden bald die Forderung nach einem zweiten Bahnhofe laut, da bisher alle Wirtschaftstreibenden - vor allem die florierende Industrie in der Nikolaivorstadt - mit ihren Waren die ganze Stadt auf dem Weg zum Gleisanschluss durchqueren mussten. 1864 kam es zu einer Petition an das Sächsische Königliche Finanziministerium zur "Verkehrsteilung", die u.a. auch von Richard Hartmann unterzeichnet wurde. In Folge dieses Drucks wurden die Anlagen des Hauptbahnhofes erweitert und die Güterabfertigung verlängert. Dies war auch nötig, da doch 1866 eine neue Verbindung nach Annaberg-Buchholz eingeweiht wurde, auf die 1869 die Strecke nach Dresden über Hainichen und 1872 nach Leipzig über Limbach folgten.

Da neben dem explodierenden Mengen an Gütern auch mehr und mehr Personen zu befördern waren, stieß die Anlage bald in jeder Hinsicht an ihre Grenzen. Es blieb also nichts anderes übrig, als den Bahnhof erneut von Grund auf umzugestalten, was zwischen 1868 und 1872 geschah. Im Zuge dessen entstand auch das wunderschöne neue Empfangsgebäude nach Entwürfen des Dresdner Architekten Professor Eck. Nun war man auf der Höhe der Zeit und konnte die anfallenden Personen- und Warenströme zeitgemäß abwickeln. Abgesehen von einem zusätzlichen Bahnsteig für die neue Strecke nach Altchemnitz, blieb dieser Status bis zum Umbau zu Beginn des 20.Jahrhunderts aktuell.

Innenansichten
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Schlendert man heute durch den schönen Lichhof kommt es einem schon komisch vor. Die modernen Schalteranlagen und das Bahn-Outfit passt doch so gar nicht zu dem altehrwürdigen Gebäude mit seinen Stahlträgern und seinen Verzierungen aus alten Zeiten.
Zeitlicher Abriss
1837 Beschluss zum Bau
1852 Eröffnung Strecke Riesa
1854 neues Gebäude
1858 "Haupt"-Bahnhof
1872 heutiges Gebäude

Wo finde ich Spuren?
Der Hauptbahnhof hat die Zeiten fast schadlos überstanden. Er befindet sich am Ende der Bahnhofsstraße und ist bequem per Straßenbahn und Bus erreichbar.

Quellen/Buchempfehlungen
"Eisenbahnknoten Chemnitz" alba Verlag, K.Kaiß, M.Hengst

siehe auch: Links und Quellen

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