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Seit 1896 gab es in Chemnitz den "Chemnitzer Verein für Luftfahrt". Er war
der erste seiner Art in ganz Deutschland.
Der Anfang mit Ballons
Luftfahrzeuge nach dem Prinzip "leichter als Luft", also Ballons und
Luftschiffe, berührten Chemnitz schon vor dem ersten Weltkrieg. So gab es
einige rührige Ballonsportclubs mit eigenen Gasballons, wie zum Beispiel in
Limbach. Amtlich wurde damit keine Post befördert, es sind aber
verschiedentlich "Abwürfe" bekannt. Die Finder dieser Karten wurden
gebeten, diese in den Briefkasten einzuwerfen. Meist ist daher der Abwurfort
identisch mit dem Ort des Poststempels.
Ein Luftschiff überfuhr unseren Raum erstmals 1909, es war LZ 6 (auch als Z III bekannt) auf der Fernfahrt München-Berlin am 28. August 1909. Die erste Landung führte das Luftschiff P 5 in der halbstarren Bauart nach August von Parseval auf dem Sportplatz Chemnitz-Altendorf durch. Das Großluftschiff LZ 11 "Viktoria Luise" nach der starren Bauart des Grafen Zeppelin landete am 21. August 1912 von Gotha kommend in Chemnitz. Die damals vertriebene Postkarte mit dem Luftschiff über Zwickau weist mit dem 20.8.1912 eine falsche Datumsangabe aus. Die meisten Fahrten führten dann vom Heimathafen Leipzig aus das LZ 17, die "Sachsen", in unseren Raum. So wurde im Juli 1913 Zwickau, im August 1913 Plauen und das obere Vogtland und Chemnitz, im September Limbach und im Oktober 1913 das obere Erzgebirge mit Landungen in Schwarzenberg berührt. 1911 - Der Erste Flugtag
Der Erste Flugtag in Chemnitz und damit die erste Luftfahrt-Veranstaltung
nach dem Bauprinzip "schwerer als Luft" fand am 21./23. und am 29. Mai
1911 auf dem alten Flugplatz an der Zschopauer Straße statt.
Mehr informationen dazu finden Sie hier.
Der Neue Flughafen an der Stollberger Straße
Am Sonntag, dem 2.Mai 1926 wurde bei wolkenverhangenen Himmel der Chemnitzer
Flughafen an der Stollberger Straße eingeweiht. Das "Chemnitzer Tageblatt"
berichtete: "Man schritt zur Rechten und Linken der Chausee zu vieren,
sechsen und achten dahin, so daß die zahllosen Auto-, Motorrad- und Radfahrer
mitunter Mühe hatten, sich einen Weg durch die hinausströmende Völkerwanderung
zu bahnen" Ein Extra-Autoomnibus-Verkehr war für diesen Tag vom Falkeplatz
aus eingerichtet worden.
Nach feierlichen Reden des Bürgermeisters Walter Arlart als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Chemnitzer Flughafengesellschaft und der Honoratioren - "konnte man infolge des Brummens der Motore und des auf- und abflutenden Verkehrs oft nicht verstehen" taufte der Chemnitzer Verein für Luftfahrt und Flugwesen e.V. mit einen Glas Sekt ein eigenes Flugzeug auf den Namen "Chemnitz". Bürgermeister Arlart sagte: "Von morgen an wird Chemnitz an das Flugnetz und damit an den Weltflugverkehr angeschlossen sein." Danach zeigten die Piloten bei Loopings, Postsachzielabwurf und Hinternislandungen ihr Können. Der Höhepunkt war ein Flugzeugrennen über 100 km, daß der Pilot von Manteuffel auf einer Heinkel gewann. Am 3.Mai 1926 wurde der reguläre Flugverkehr aufgenommen. Die ersten Linien waren:
Auf Grund der Beschaffenheit der Start- und Landebahn war der Flugverkehr
zunächst nur in der schneefreien Zeit möglich. Im September 1926 waren 216
Starts und Landungen zu verzeichnen. 1930 hatte der Flugverkehr in Chemnitz
mit 4.806 Starts und Landungen, der Beförderung von 9.783 Fluggästen und etwa
90.000 Kilogramm Post-, Fracht- und Zollgut dann seinen Höhepunkt erreicht.
Auf dem Höhepunkt
Die erste Direktverbindung ins Ausland fand erst im April 1927 statt. Die
mit diesem Flug beförderten Karten und Briefe erhielten in Chemnitz einen
amtlichen roten rechteckigen Sonderstempel. Der erste Rückflug war erst
zwei Wochen später am 2. Mai, wurde aber nicht durch besondere postalische
Stempel gewürdigt.
Im Oktober 1932 führte das damals größte Landflugzeug der Welt, die viermotorige Junkers G 38 einen Werbeflug in 20 Städte des damaligen Reiches durch. Am 15. Oktober landete das Flugzeug, von dessen Typ nur zwei Maschinen gebaut wurden, in Chemnitz. Nach 4-tägigem Aufenthalt mit Rundflügen und einem Flug nach Zwickau startete die G 38 weiter nach Berlin. Die Postsendungen erhielten an Bord einen zusätzlichen roten Bordstempel zur Bestätigung der Beförderung mit der G 38. Von Leipzig nach Chemnitz wurden allerdings lediglich 30 Briefe befördert.
Landung eines Zeppelins
Am 16. November 1930 landete das erste und zugleich letzte Mal ein Großluftschiff
in Chemnitz (siehe Bilder). Es war das legendäre "Graf Zeppelin" mit der Kennung D-LZ 127 - das damals erfolgreichste
Luftschiff der Welt (siehe Links), das unter anderem durch die Arktisfahrt oder die Weltfahrt bekannt und
berühmt wurde.
Die Bilder 2 - 9 wurden mir freundlicherweise aus einer Privatsammlung zur Verfügung gestellt. Dafür meinen herzlichen Dank!
Der Niedergang
In den 30er Jahren wurden die Flugzeuge schneller und größer, die Flughöhen
ebenfalls größer. Daher lohnte es nicht mehr, solche Kurzstrecken wie zwischen
Plauen und Zwickau oder Zwickau und Chemnitz zu befliegen. So wurden die
Linienflüge wieder eingestellt, wobei es noch für einige Jahre spezielle
Verbindungen nach Leipzig während der Frühjahrs- und Herbstmesse gab. Die
Flugplätze wurden mehr und mehr nur noch für sportliche Veranstaltungen und
für Rundflüge genutzt.
Das Ende
Mit Beginn des 2.Weltkrieges wurde der zivile Flugverkehr in Deutschland
eingestellt. In den Jahren der DDR blieb der Inlandsflugverkehr zwischen
1958 und 1961 eine Episode. Der Flugplatz und die technischen Anlagen dienten
zeitweilig der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) zur vormilitärischen
Ausbildung. In den siebziger Jahren wurde der inzwischen der GST gehörende
Flugplatz nach Jahnsdorf im Landkreis Stollberg verlegt. Das Flughafengebäude
an der Stollberger Straße wurde dann zu DDR-Zeiten als Restaurant und Diskothek
genutzt (den Chemnitzern wird die Bezeichnung "Ikarus" noch geläufig sein).
Nach der Wende wird es nun mehrheitlich als Gewerbeobjekt und Spielhalle genutzt.
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Zeitlicher Abriss
1896 Verein für Luftschifffahrt
1911 Erster Flugtag 1926 Neuer Flughafen 1927 Direktverbindungen ins Ausland 1930 Zeppelinlandung 1958 Inlandsverkehr DDR 1961 Ende regulärer Flugverkehr, Nutzung als GST-Ausbildungsplatz 1970? Verlagerung nach Jahnsdorf Wo finde ich Spuren?
Das Flughafengebäude ist erhalten und befindet sich heute an der Stollberger
Straße landwärts auf der rechten Seite mitten im Neubaugebiet "Fritz Heckert".
Es wird heute als Gewerbeobjekt genutzt.
Der Flugplatz Chemnitz-Jahnsdorf (EDCJ) ist weiterhin als kleinerer Verkehrslandeplatz in Betrieb. Luftfahrtpioniere aus Chemnitz
In den Werdejahren der deutschen Fliegerei, zwischen 1909 und 1912 mischten
Chemnitzer Luftfahrtpioniere kräftig mit.
Weitere Informationen dazu finden Sie hier.
Interessante Fakten
Es ist erwähnenswert, daß es einen regulären Poststempel "Chemnitz-Flughafen"
gab, der aber nur an bestimmten Tagen im Einsatz war, da das Postamt nicht
ständig besetzt war. Für die eingehende Post gab es Bestätigungsstempel, meißt
in roter Farbe, so in Chemnitz 1 (2 verschiedene Typen), Zwickau 2 (am Bahnhof)
sowie Plauen 1 und Plauen 4. Da die kleinen Maschinen oft nicht starten konnten,
wurde außerdem mehrfach in Chemnitz ein "Verzögerungsstempel" benutzt, um
den Postkunden eine Erklärung für verspätete Zuleitung zu geben.
Weiterführende Links
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