Chemnitz die Feste
"Leipzig die Beste, Chemnitz die
Feste,
Freiberg die Größte, Annaberg die Liebste"
Herzog Georg

Das Klostertor um 1800 auf einer
kolorierten Zeichnung
|
Die Mauer lief in einer Länge von etwa 1.650 Meter um einen Stadtkern von etwa 500 Metern Durchmesser herum und umschloß damit 19,8 Hektar. Die Hauptmauer war 5,70 Meter hoch, etwa 1,70 Meter dick und hatte einen überdachten Wehrgang. Schutz für das Umland Sehr interessant ist die Beziehung zwischen der Stadt Chemnitz und dem Kloster, was die Schutzfunktion der städischen Mauern betrifft. Da die Bauern der umliegenden Dörfer, die ja dem Kloster untertan waren, völlig ungeschützt waren, schrieb 1331 der Abt Ulrich zum Nutzen seiner Untertanen, der sogenannten Gotteshausleute: "Und so, was Gott verhüten wolle, ein Landgeflüchte würde, so sollen unsere Gotteshausleute, die da helfen die Stadt umzäunen, in die Stadt fliehen. Würde aber die Stadt zu voll Leute, so sollen sie zwischen der Stadtmauer und dem Zaune liegen." Nach diesem Ansinnen ist bis zum Ende des 17.Jahrhunderts verfahren worden. Und dies zum beiderseitigen Nutzen. Die Dorfbewohner halfen beim Bau der Befestigung und bei der Verteidigung, zahlten wohl auch meißt eine Gebühr und konnten dafür in Notzeiten samt Familienmitgleidern und sicher auch ihren Tieren auf den Schutz der Stadt hoffen. Zwei Vorfälle aus dem 30-jährigen Krieg seien angebracht. So steht im Ebersdorfer Kirchenbuche: "Agnita, weiland Valentin Hamels zu Lichtenwalde nachgelassene Wittib ist den 29.April 1639 zu Chemnitz begraben, als man vor dem schwedischen Kriegvolk dahin hat fliehen müssen." Weiter schrieb der Pfarrer von Reichenhain "Den 18.Aprilis 1642 wurde in Chemnitz getauft, dahin wir wegen der marschierenden kaiserlichen Völker fliehen mußten; den 22.Mai wurde abermal daselbst getauft." Nach Angaben des Chemnitzer Rates aus dem Jahre 1655 konnten sich "viele tausend Menschen" in die Stadt retten. Das spricht dafür, das nicht nur Bauern aus dem reinen Klosterumland aufgenommen wurden, sondern wahrscheinlich auch aus anderen Besitzungen, wie zum Beispiel Pfaffenhain, daß im Besitz der Grünhainer Zisterzienser war. Scheinbar gab es hier aber eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft der "schutzberechtigten" Gemeinden, denn es ist zum Beispiel vermerkt, daß sich die Bewohner von Seifersdorf nur mit "guten Willen" der Stadtbürger hinter die Mauern flüchten durften. Die Bewohner von Lichtenau mußten sich andererseits ihre Rettung in die Stadt mit viel Geld erkaufen. ...weiter in der Geschichte... 1376 wurde die Mauer durch eine zweite Mauer erweitert. Der Raum zwischen beiden Mauern hieß "Zwinger". Bis zum Umbau der Stadt nach dem 2. Weltkrieg gab es eine Zwingerstraße, die den Verlauf markierte. An der Stadtmauer existierten insgesamt 25 Türme, von denen heute nur noch der Rote Turm zeugt. Die über den Stadtgraben führenden ursprünglichen Holzbrücken wurden später durch Steinbrücken ersetzt, jedoch als 1683 die Türken ins Land zu brechen drohten, wurden diese wieder abgerissen und durch Zugbrücken ersetzt. Verfall Im Laufe der Zeit nahm die Bedeutung von Mauern, Toren und Türmen als Schutz vor feindlichen Truppen ab. Die Begfestigungsanlagen wurden nur noch sporadisch gewartet und verfielen nach und nach. Der Graben wurde bereits seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr beräumt und verschlammte und verwucherte langsam. Etwa 1800 war das letzte Wasser versickert und große Teile des ehemaligen Grabens wurden nun als Gemüsegärten, Schützenplätze oder Seilerplätze benutzt, wo die Seilmacher ihre langen Bahnen zogen. Auf Grund der königlichen Verfügung vom 24.April 1806 gingen die Festungswerke an die Stadt über und wurden daraufhin abgerissen und der Stadtgraben verfüllt. Er diente noch lange Zeit als Gewerbefläche für die Seiler, als Übungsplatz für die Armbrustschützen und als Gartenanlage, bis er letztendlich 1848 endgültig verfüllt und überbaut wurde.
Als einziger Zeuge der ehemaligen beeindruckenden Maueranlagen ist heute noch der Rote Turm erhalten.
Alle Bilder: Abb. um 1800, Aquarellkopien von A.Gottschaldt nach einem Stich von Wilhelm Flemming |
Zeitlicher Abriss 1805 Abriss Turm Johannistor 1806 Übernahme durch die Stadt Wo finde ich Spuren? Einzig und allein anhand des Pfortensteges über die Chemnitz kann man die Lage der Pforte erahnen. Ansonsten findet man keine Reste oder Spuren der anderen Stadttore mehr im Chemnitzer Stadtbild. Ehemaliger Verlauf Die ehemalige Lage der Stadtmauer läßt sich in ungefähr wie folgt beschreiben: Vom Roten Turm ausgehend bis zur Bahnhofsstraße, dann Richtung Falkeplatz, Pfortensteg, Theaterstraße bis hin zur Rathausstraße zurück zum Roten Turm. |
Weiterverwendung des Inhaltes nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.
www.Historisches-Chemnitz.de