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Den Roten Turm kann man schlechthin als "das" Chemnitzer Wahrzeichen betrachten.
Neben dem Siegertschen Haus, der Jacobikirche und dem Alten Rathaus gehört
er zu den wenigen Zeitzeugen des alten Chemnitz im engeren Stadtkern.
"curia Richolf"
Seine Geschichte reicht sogar noch über die der Stadt Chemnitz hinaus in die
Vergangenheit zurück. Als in den Jahren nach 1100 die Bauern zur Landbesiedlung
gen Osten zogen, entstanden in der Chemnitzer Region mehrere Siedlungen.
Um diese Siedlungen zu überwachen, zu kontrollieren und zu schützen wurde
ein Bergfried als Herrensitz errichtet. Hier wohnte ein treuer Vasall des
Königs, der mit der Gebietsverwaltung betraut war. Dieser Platz war noch bis
zum Anfang des 13. Jahrhunderts als "curia Richolf" - der "Hof" oder
"Besitz" des Richolf - bekannt und nachweisbar.
Zu damaliger Zeit wurde der Turm 5 Meter tief im Flußschotter auf einer Talsandinsel im Mündungsbereich des Gablenzbaches gegründet. Daher stammen auch die Begriffe "Hoferreite" und "Hoferhaus", die noch bis ins 16. Jahrhundert hinein für die umliegenden Häuser Gültigkeit hatten. Daher auch der Name "Herrengasse" und "Hofereite", die den Weg am Dienstsitz bezeichneten. Etwa um 1140 herum geht die Blutgerichtsbarkeit für den Klosterbezirk an den für das Kloster zuständigen weltlichen Vogt - Markgraf Konrad von Meißen - über. Nach Gründung der Stadt Chemnitz - unmittelbar neben dem bestehenden Dorf Kamenic - geht der Rote Turm im neuen Stadtgebiet auf. Dort wohnt nun ein vom Kaiser beauftragter Stadtvogt der weiterhin für die Stadt und die nähere Umgebung die Gerichtsbarkeit und die Verwaltung ausübte.
Stadtgefängis
Nachdem die Stadt die Gerichtsbarkeit selbst übernommen hatte, veränderte
sich die Funktion des Turmes. Nun wurde er bevorzugt als Gefängnisturm benutzt.
Diese Funktion hielt er bis etwa zum Jahre 1900 inne, wobei etwa 1853 ein
Neubau eines Bezirksgefängnisses angebaut wurde. In dieser Zeit sah er viele
prominente und nichtprominente Zeitgenossen in seinen Mauern. Zu den
bekannteren gehörte unter anderem 1885 August Bebel aber auch
der Sohn der Wälder - Carl Stülpner.
Der einsitzende erste Chefredakteur der "Chemnitzer Freien Presse" Johann Most beschrieb das Gefängnis um 1872: "Aus dem Gemäuer des alten Gefängnisses von Chemnitz ragte ein ungehurer Turm aus rotem Sandstein empor. Er war der Überrest einer mittelalterlichen Fortifikation, wurde später als Schuldturm benutzt, seit vielen Jahren jedoch nur von Tauben und Spatzen bewohnt." Die Funktion als Stadt- und Bezirksgefängnis rettete den Roten Turm wohl aber auch vor dem Abriss, als im 19. Jahrhundert die alte Stadtbefestigung eingeebnet wurde, um Platz für die wachsende Stadt zu schaffen.
Zerstörung und Rettung
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Rote Turm stark in Mitleidenschaft gezogen.
Die Turmhaube brannte ab.
Zwischen 1957 und 1959 erfolgte eine Restaurierung und grundlegende Erhaltung
des Gemäuers. Dies bot die einmalige Gelegenheit zur grundlegenden Untersuchung
des Gebäudes. Die Grabungen und Untersuchungen ergaben die frühere Nutzung
als Wohnturm (wie oben beschrieben) und als Sitz des Stadtvogtes. Dabei
fand man auch einen Rechenpfennig aus dem 15. Jahrhundert in Form eines
Goldguldens. Heute befindet sich im Roten Turm eine Außenstelle des Chemnitzer
Schloßbergmuseums.
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Zeitlicher Abriss
1555 Turmhaube
1853 Gefängnisanbau 1929 Kino 1945 Zerstörung 1957 Restaurierung 1991 Instandsetzung Wo finde ich Spuren?
Der Rote Turm befindet sich heute an der Straße der Nationen neben dem
Einkaufszentrum "Galerie Roter Turm" und der Stadthalle.
Woher der Name?
Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Einerseits geht man neuerdings
wohl davon aus, daß der Turm seinen Namen von der "blutigen" Gerichtsbarkeit
seinen Namen hat. In älteren Publikationen wird allerdings als Quelle das
verwendete rote Porhyrgestein als Namenspatron agegeben.
Quellen/Buchempfehlungen
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