Der Rote Turm
"beym Rothen thorm"
Historisches Chemnitz - Der Rote Turm
Abbildung um 1840 - der Turm und die Stadtfronfeste
Den Roten Turm kann man schlechthin als "das" Chemnitzer Wahrzeichen betrachten. Neben dem Siegertschen Haus, der Jacobikirche und dem Alten Rathaus gehört er zu den wenigen Zeitzeugen des alten Chemnitz im engeren Stadtkern.


"curia Richolf"
Seine Geschichte reicht sogar noch über die der Stadt Chemnitz hinaus in die Vergangenheit zurück. Als in den Jahren nach 1100 die Bauern zur Landbesiedlung gen Osten zogen, entstanden in der Chemnitzer Region mehrere Siedlungen. Um diese Siedlungen zu überwachen, zu kontrollieren und zu schützen wurde ein Bergfried als Herrensitz errichtet. Hier wohnte ein treuer Vasall des Königs, der mit der Gebietsverwaltung betraut war. Dieser Platz war noch bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts als "curia Richolf" - der "Hof" oder "Besitz" des Richolf - bekannt und nachweisbar.

Zu damaliger Zeit wurde der Turm 5 Meter tief im Flußschotter auf einer Talsandinsel im Mündungsbereich des Gablenzbaches gegründet.

Daher stammen auch die Begriffe "Hoferreite" und "Hoferhaus", die noch bis ins 16. Jahrhundert hinein für die umliegenden Häuser Gültigkeit hatten. Daher auch der Name "Herrengasse" und "Hofereite", die den Weg am Dienstsitz bezeichneten.

Etwa um 1140 herum geht die Blutgerichtsbarkeit für den Klosterbezirk an den für das Kloster zuständigen weltlichen Vogt - Markgraf Konrad von Meißen - über.

Nach Gründung der Stadt Chemnitz - unmittelbar neben dem bestehenden Dorf Kamenic - geht der Rote Turm im neuen Stadtgebiet auf. Dort wohnt nun ein vom Kaiser beauftragter Stadtvogt der weiterhin für die Stadt und die nähere Umgebung die Gerichtsbarkeit und die Verwaltung ausübte.


Historisches Chemnitz - Der Rote Turm
Der Rote Turm mit Wehrgang als Teil der Stadtbefestigung



Stadtgefängis
Nachdem die Stadt die Gerichtsbarkeit selbst übernommen hatte, veränderte sich die Funktion des Turmes. Nun wurde er bevorzugt als Gefängnisturm benutzt. Diese Funktion hielt er bis etwa zum Jahre 1900 inne, wobei etwa 1853 ein Neubau eines Bezirksgefängnisses angebaut wurde. In dieser Zeit sah er viele prominente und nichtprominente Zeitgenossen in seinen Mauern. Zu den bekannteren gehörte unter anderem 1885 August Bebel aber auch der Sohn der Wälder - Carl Stülpner.

Der einsitzende erste Chefredakteur der "Chemnitzer Freien Presse" Johann Most beschrieb das Gefängnis um 1872: "Aus dem Gemäuer des alten Gefängnisses von Chemnitz ragte ein ungehurer Turm aus rotem Sandstein empor. Er war der Überrest einer mittelalterlichen Fortifikation, wurde später als Schuldturm benutzt, seit vielen Jahren jedoch nur von Tauben und Spatzen bewohnt."

Die Funktion als Stadt- und Bezirksgefängnis rettete den Roten Turm wohl aber auch vor dem Abriss, als im 19. Jahrhundert die alte Stadtbefestigung eingeebnet wurde, um Platz für die wachsende Stadt zu schaffen.


Historisches Chemnitz - Der Rote Turm
Ein Blick in das Innere des Obergeschosses mit den Gefängniszellen



Zerstörung und Rettung
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Rote Turm stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Turmhaube brannte ab.


Historisches Chemnitz - Der Rote Turm
Blick vom Rathaus in Richtung Theaterplatz um 1951. Das Dach des Roten Turmes ist zerstört.



Zwischen 1957 und 1959 erfolgte eine Restaurierung und grundlegende Erhaltung des Gemäuers. Dies bot die einmalige Gelegenheit zur grundlegenden Untersuchung des Gebäudes. Die Grabungen und Untersuchungen ergaben die frühere Nutzung als Wohnturm (wie oben beschrieben) und als Sitz des Stadtvogtes. Dabei fand man auch einen Rechenpfennig aus dem 15. Jahrhundert in Form eines Goldguldens. Heute befindet sich im Roten Turm eine Außenstelle des Chemnitzer Schloßbergmuseums.


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Zeitlicher Abriss
1555 Turmhaube
1853 Gefängnisanbau
1929 Kino
1945 Zerstörung
1957 Restaurierung
1991 Instandsetzung


Wo finde ich Spuren?
Der Rote Turm befindet sich heute an der Straße der Nationen neben dem Einkaufszentrum "Galerie Roter Turm" und der Stadthalle.


Woher der Name?
Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Einerseits geht man neuerdings wohl davon aus, daß der Turm seinen Namen von der "blutigen" Gerichtsbarkeit seinen Namen hat. In älteren Publikationen wird allerdings als Quelle das verwendete rote Porhyrgestein als Namenspatron agegeben.


Quellen/Buchempfehlungen
  • "Roter Turm" zur Ausstellung Die Flucht in den Turm des Schloßbergmuseums Chemnitz
  • "Johann Most, Ein Sozialist in Deutschland", Hrg: D.Kühn
  • "Karl-Marx-Stadt Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme im Gebiet Karl-Marx-Stadt, Autorenkollektiv, Hrg: Akademie der Wissenschaften der DDR
  • "Chemnitz und seine Umgebung" E.Weinhold
siehe: Links und Quellen


www.Historisches-Chemnitz.de