Die Burg Blankenau
Das ist eine der am wenigsten bekannten Lokalitäten in Chemnitz. Die Lage und geschweige denn die Geschichte der Burg Blankenau kennen nur wenige historisch interessierte Chemnitzer. Und daher finde ich, daß genau das Internet der rechte Platz ist, die Erinnerung wachzuhalten.


Lage
Die Burg Blankenau befand sich inmitten der Dörfer Furth, Glösa, Borna, Heinersdorf und Draisdorf. Diese Dörfer bildeten bis etwa ins 14. Jahrhundert hinein als sogenannter "Blankenauer Grund" mit eigenem Kirchspiel in Glösa eine eigene Einheit. Damit waren sie im Gegensatz zu den anderen in der Umgebung des Benediktinerklosters liegenden und diesem zugehörigen Dörfern zum Reichslande gehörig. Nicht die Klosteräbte, sondern die deutschen Könige direkt nahmen also Einfluss auf die Entwicklung des Gebietes.

Die Burganlage mit circa 160 Metern Durchmesser selbst hatte eine interessante Lage. Auf der einen Seite war sie vom - damals deutlich anders verlaufenden - Chemnitzfluss geschützt, während die andere Seite von zwei großen Teiche gedeckt wurde. Das Gelände dazwischen war Sumpfgebiet des Bahrebaches und daher für potentielle Feinde nicht zugänglich. Zwischen den Teichen befand sich eine schmale Schneise, auf der sich ein Zugang zum Innenhof mit etwa 60 Metern Durchmesser befand. Um die runde Burganlage verliefen zusätzlich noch zwei weitere Wassergräben und zwei Wälle errichtet.

1840 schrieb ein Pfarrer D.F.Barth: "Geht man von Borna nach Heinersdorf am Flusse hin, so läßt man kurz vor dem letzteren ein kleines Laubwäldchen zur rechten liegen, in welchem ein von zwei kreisrunden, concentrischen, begrasten, einige Ellen tiefen und breiten Gräben und Wällen eingeschlossenes, bewaldetes und in ein Halbdunkel gehülltes Rundtheil mit einigen kleinen Steinmassen und Vertiefungen zu sehen ist, worauf eine Burg, die Blankenburg genannt, gestanden haben soll."

Historisches Chemnitz - Die Burg Blankenburg
Lagebild um 1970 (links) und um 1790 (rechts) (b1)

Besiedelung
Der Gründer der Anlage muß wohl der Reichsministeriale von Gersdorf gewesen sein. Am 12. Mai 1269 (andere Quellen bezeichnen den 3.Mai) taucht die Bezeichnung "Blankenowe" in einer Urkunde in Verbindung mit den Brüdern Albert, Friedrich und Hermann von Blankenau auf. Die Brüder waren sowohl mit dem Chemnitzer Benediktinerkloster wie auch mit dem Burggrafen von Meißen in besitzrechtlichen Verhältnissen verbunden. So gibt es auch einen Hinweis auf einen "Blankenau" in den Namenslisten der Brüder des Chemnitzer Klosters.

Ursprünglich stammte das Geschlecht der Blankenauer aus dem Raum Leisnig und sind als Zweiggeschlecht der Herren von Gersdorf und weiterhin verwand mit den Herren von Hartha anzusehen. So waren die Siegel derer von Leisnig und derer von Blankenau übereinstimment. Vermutlich in der Zeit zwischen 1245 und 1269 siedelten die Herren aus dem Raum Leisnig in den Blankenauer Grund über, was wohl auch zu einem Namenswechsel des Geschlechtes führte. Den Wechsel vom Raum Leisnig belegt auch die Tatsache, daß dort bis 1287 Abgaben und Grund an das Kloster Marienthal bei Sornzig verkauft werden. Der Grund für den Ortswechsel und warum und wie gerade der Blankenauer Grund als neuer Sitz ausgewählt wurde, bleibt spekulativ.

Im Kampf ums Reichsland verwickelt.
1254 verpfändet Kaiser Friedrich II. das Pleißenland an die Wettiner. Damit kommen die Reichsgebiete und so auch das Lehen Blankenau unter markgräfliche Regierung. Im Laufe des 14.Jahrhunderts versuchen die deutschen Könige dieses Reichsgebiet zurückzubekommen, wogegen sich die Meißner Markgrafen jedoch aus verständlichen Interessen wehren. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen kommt es 1307 zur Schlacht bei Lucka, wo die Wettiner Ihre Ansprüche auf das Pleißenland endgültig sichern können. Bei diesen Kämpfen wird auch die Burg Blankenau erwähnt, die dabei teilweise zerstört wird. Wirtschaftlich wohl durch den Krieg geschwächt müssen die Herren von Blankenau nach und nach Ihren Besitz veräußern. Das trifft zuerst 1318 Ihre Besitzungen in Altchemnitz, Streitdorf (Wüstung) und Hilbersdorf. Damit enden die urkundlichen Verweise auf das Geschlecht.

Unter Klosterherrschaft
Sehr wahrscheinlich ist aber der Verkauf der Burg an das Benediktinerkloster. Bereits 1330 oblagen dem Kloster die Patronatsrechte für die St. Jodokus-Pfarrkirche zu Glösa. Damit endet schon in der zweiten Generation unter Otto und Johannes von Blankenau die Herrschaft derer von Blankenau über den Blankenauer Grund.

Der bei der Burg befindliche Wirtschaftshof - "alle das gut, das ist zu Blankynaw" - war 1337 an den Burggrafen von Leisnig gekommen, der diesen im Jahr darauf 1338 an Johannes von Landsberg weiterverlehnt. Es wird angenommen, daß Johannes von Landsberg seinen Sitz in Glösa hatte. Doch bereits im selben Jahr gelangt auch dieser Teil der Anlage an das Kloster. Dies hat vwohl auch damit zu tun, daß im selben Jahr 1338, Kaiser Ludwig der Bayer dem Kloster den Besitz der fünf Dörfer (Glösa, Furth, Draisdorf, Borna und Heinersdorf "uff Blanckenawe" bestätigt. Als letzten Schritt erwirbt das Kloster 1378 den dritten Teil des Gerichts "uf Blankenau". Das ist die letzte urkundliche Erwähnung der Burganlage für längere Zeit. Ob die Burganlage in dieser Zeit oder später verfallen ist, ob sie nach der Zerstörung überhaupt wieder vollständig aufgebaut wurde liegt im Dunkeln der Geschichte.

Niedergang
1469 wird noch einmal ein Gut und Vorwerk Glösa im Besitz eines Johann von Döhlen erwähnt, was als Hinweis auf den ehemaligen Wirtschaftshof gedeutet werden könnte. Dieses Gut wurde im Laufe des 16. Jahrhunderts gesplittet und in mehrere bäuerliche Freigüter aufgeteilt. Was bekannt ist, ist das 1548 im Zuge der Säkularisation der gesamte Klosterbesitz an das Amt Chemnitz überging.

1579 wird die als "Wahl zu Heinersdorf" bezeichnete Anlage als "gar verwüstet" bezeichnet, was wohl mehr als die heutige Wortbedeutung meinte. 1590 und 1620 wurden die ehemaligen Wassergräben zur Fischzucht benutzt. 1691 wurden die Herren von Taube - Eigentümer des Neukirchener Schlosses - als Besitzer verzeichnet. Der Name der Anlage war nun als "Taubischer Wahl" bezeichnet.

Historisches Chemnitz - Die Blankenburg
Die Burganlage auf einer Karte um 1790 (b2)

1790 wurde der Grundriss der Burg in Karten weiterverwendet. 1840 waren nur noch Ruinen zu sehen. Eine Zerstörung oder ein Brand muß in den dazwischenliegenden Jahren stattgefunden haben, denn die Mauern wurden als "von Feuerglut verglaste Backsteintrümmer" bezeichnet. 1874 ließ der damalige Besitzer die Mauerreste der Ruine abreißen. Nur im sächsischen Meßtischblatt 96 von 1886 ist die Burganlage noch verzeichnet.

1924 wurden auf Geheiß des damaligen Besitzers des Grundes die Mauerreste eingeebnet. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden die Spuren weiter durch den Autobahnbau in den 1930er Jahren sowie die landwirtschaftliche Nutzung verwischt. Heute ist der Umriß der Anlage nur noch durch sanfte Unebenheiten des Bodens auf Luftbildaufnahmen ersichtlich. Der ehemalige Grund und Standort der Burganlage steht heute unter Bodendenkmalschutz.
Zeitlicher Abriss
ab 1245 Übersiedlung Blankenauer Herren
1269 erste Erwähnung
1307 Zerstörung
um 1330 Verkauf an Kloster
1337 Wirtschaftshof an Herren von Leisnig
1338 Wirtschaftshof an Johannes von Landsberg
1338 Bestätigung Klosterbesitz durch Kaiser
1469 Erwähnung Gut
1548 Besitz geht an Amt Chemnitz
1579 Erwähnung Verwüstung
1691 Wechsel zu den Herren von Taube
um 1840 Erwähnung der Ruinen
1874 Abtragung der Ruine
1924 Einebnung

Wo finde ich Spuren?
Auf jeden Fall nicht mehr viele. Wenn man die Heinersdorfer Straße landwärts fährt, sieht man etwa 100 Meter vor der Autobahnbrücke über die A4 rechts auf der Wiese einige Bodenunebenheiten und Erhebungen. Das sind die Reste der Burg Blankenau.Der Standort steht heute unter Bodendenkmalschutz

Quellen/Buchempfehlungen
"Werte unserer Heimat Band 33 - Karl-Marx-Stadt", Akademie-Verlag Berlin 1979
siehe auch: Links und Quellen



www.Historisches-Chemnitz.de


Bildernachweis: b1 b2