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Hier befinden wir uns nun am Geburtsort der Stadt. Hoch über dem Schloßteich
etwas nordöstlich des Stadtzentrums gelegen thront die Marienkirche über der
Stadt. Den allermeisten Chemnitzern ist sie seit jeher als Schloßkirche bekannt.
Diese Bezeichnung gab dem Teich unter ihr und dem gesamten Stadtteil seinen
Namen. Aber warum "Schloss"-Kirche? werden sich Besucher nun fragen. Hier
gibt es ja gar kein Schloß. Das ist richtig, jedoch befand sich hier früher
ein Schloß und lange davor das Benediktinerkloster. Das ist einer der
Ursprungspunkte der Stadt Chemnitz. Doch der Reihe nach...
Die Gründung
Im Jahre 1136 stiftete Kaiser Lothar "der römischen Kirche zu götttlichem
Dienste" ein Stück Land und schenkte gleichzeitig mit dem Boden auch
alle Rechte des Besitzes auf dem Grund und dem Handel. Mit der Umsetzung der
Stiftung wurde der Benediktinerorden beauftragt. Die ersten Bewohner des
Klosters waren Mönche aus dem Kloster Pegau bei Altenburg. Dieses bestand
bereits seit 1096. Warum das Chemnitzer Kloster gerade an dieser Stelle der
Platz des Klosters gewählt wurde liegt auf der Hand: Der "böhmische Steig"
von Leipzig/Altenburg nach Prag kam in unserer Region einer Handelsstraße
von Franken nach Schlesien sehr nahe und bot daher eine strategisch günstige
Position.
Lothar hatte also 1136 die Gründung veranlasst. Daraufhin müssen die Pegauer Mönche auf den Vorsprung über der Talaue des Chemnitzflusses gezogen sein und ihr Kloster errichtet haben. In mühevoller Arbeit wurde an der ausgewählten Stelle der dichte Wald gerodet und einige kleine Holzhütten errichtet. Ein Gebäude überragte aber alle anderen. Es war wohl sorgfältiger gebaut wurden und trug wohl eine kleine Glockenhaube mit einem winzigen Glöckchen auf dem Dach: Das Gotteshaus der Brüder. Geweiht wurde es der Jungfrau Maria und daher trägt auch heute noch die Schlosskirche den Namen St. Marien. Der öffentliche Markt
1143 bewilligte Kaiser Konrad III. dem Kloster das Recht, einen öffentlichen
Markt zu errichten. In der dazu gehörigen lateinischen Urkunde, die von über
28 Namen bestätigt wurde, heißt es in etwa:
"Wir Konrad, römischer König, bewilligen und ebstimmen kraft unserer
Gewalt, daß die Oberen des Klosters einen öffentlichen mit jeder Freiheit
begabten Markt errichten und daß die Einwohner des locus, d.i. des
Klosterbezirkes Kamenitz, durcha lle Lande unseres Reiches ohne Beschwernis
mit Zoll mit ihrem Kaufgut und ihren Ladungen ein- und ausziehen dürfen,
damit die Oberen bei der unbeschränkten Freiheit umso sorgenfreier Christus
dienen können."
Blüte und Reichtum
Das Kloster zu Chemnitz zählte nach seinem Landbesitz als zweitgrößtes Kloster
im albertinischen Sachsen.
Die Auflösung
Nach dem Tode des Herzogs Georg im Jahre 1539 führt sein Bruder und Nachfolger
Heinrich der Fromme die Reformation ein. Im Zuge dessen kommen am 29. Juli
1539 Visitatoren des Herzogs nach Chemnitz und rufen für den nächsten Tag
eine Verhandlung ein. Dazu werden der Rat der Stadt Chemnitz, der Abt des
Benediktinerklosters, der Guardian der Franziskaner sowie die Geistlichen
der Stadtkirchen geladen. Die Visitatoren erklären in vier Punkten, daß
Winklemessen, der Genuß des Abendmahles unter einer Gestalt, das Klostergelübbde
und die Ehelosigkeit der Geistlichen unstatthaft und abgetan sein.Nach dieser
Versammlung wurden alle Gotteshäuser der Stadt aufgesucht, um die Besitztümer
zu erfassen. Jedoch schien bei der ersten Visitation das Benediktinerkloster
ausgelassen geworden zu sein. Im Jahre 1540 kam es dann zur sogenannten
"zweiten Visitation" in dessen Zuge auch das Benediktinerkloster aufgelöst
wurde. Fast alle der Mönche, darunter auch der letzte
Abt Hilarius sowie ebenfalls der Prokurator Ludowicus Broeck traten zum
evangelischen Glauben über. Nur der Prior Johannes Klawenhagen, der Kantor
Leonardus Brawenstein und die zwei Mönche Thomas Matths und Wolfgangus Awerschwald
beharrten auf ihren Glauben und verließen die Region, um in anderen Klöstern
eine neue Heimat zu finden. Der abt, der Prokurator und die verbleibenden
acht Mönche erhielten lebenslang im Klostergebäude Sommerräume und eine
Winterstube, einen Garten desweiteren Kleidung, freies Essen und Bier.
Sommerresidenz und Jagdsitz
Nachdem nun
Abt Hilarius 1546 die Verwaltung des Klosters ab- und aufgegeben hatte,
erkor sich Herzog Moritz den reizvollen Bau als Sommeresidenz, neben seiner
Hauptresidenz Dresden aus. Das ehemalige Kloster war dazu gut geeignet.
Zum einen lag es sehr zentral in Sachsen, weiterhin bot es gute Jagdmöglichkeiten
- den Rabensteiner Forst, den Küchwald und die nahen erzgebirgischen Wälder.
Und natürlich war es aufgrund seiner Vergangenheit baulich sehr gut in Schuß.
Wahrscheinlich ist aber auch, daß Moritz einfach die Lage hoch über dem
Chemnitzfluss und die Aussicht von dort oben mochte.
So begann man 1548 mit den veränderten Arbeiten, wobei interessanterweise beide Residenzen - die in Dresden und die in Chemnitz - große bauliche Ähnlichkeiten aufzuweisen haben. Im Zuge des Bauverlaufes riss man wegen der ungünstigen Aussicht auch die bisherige steinerne Richtstätte der Stadt Chemnitz ab, ohne dabei auf die Belange der Chemnitzer Bürgerschaft Rücksicht zu nehmen. Im Jahre 1549 muss das Schloss dann erstmalig als Hoflager gedient haben, wobei der kurfüsrt Moritz sich wohl nur etwa fünfzehn Tage im Oktober hier aufgehalten hat. Die Ära als kurfürstliche Sommeresidenz dauerte nur bis 1553, als Kurfürst August nach dem Tode seines älteren Bruders Moritz das Schloß nun vorrangig als Jagdsitz nutzt. 1556 weilte August mit seiner Familie in Chemnitz, um hier ein Vogelschießen auf dem Chemnitzer Kuhanger zu veranstalten. Der Sohn Kurfürst Augusts, Kurfürst Christian I., weilte 1589 fünf Tage im Chemnitzer Schloß. So spärlich ging es weiter, bis das Schloss unter dem 1611 an die Macht gekommenen Kurfürst Johann Georg I. wieder zu neuer Blüte kam. Man nahm an den Gebäuden Reparaturen und Erhaltungsarbeiten vor und richtete es großzügig zur Hofhaltung ein. Johann georg I. weilte nun jedes Jahr zwischen Juli und August für mehrere Tage in Chemnitz zur Jagd. Als 1630 in Dresdn die Pest wütete, floh der Kurfürst für einige Wochen nach Chemnitz, da er sich hier sicherer wähnte und hilet hier Hof. Die politische Unentschlossenheit Johann Georgs I. hatte Sachsen einige Jahre Krieg erspart, aber 1632 holte Chemnitz auch der 30-jährige Krieg ein. Zwischen 1632 und 1634 wechselten nun die Besatzer des Schlosses ständig. Sowohl die kaiserlichen, wie auch die schwedischen und kurfürstlichen Truppen "haußten dergestalt, daß es nicht menschlich war." Fast alle Möbelstücke, Textilien und Bildnisse, sowie Türen und Fenster gingen im Krieg verloren oder wurden beschädigt. Nach dem Krieg war das Schloss denn auch so verwüstet, daß es von den Fürsten nicht mehr benutzt wurde. 1651 schließlich verlegte der Kurfürst seine Verwaltung vom Schloß in die Stadt, indem er seinem Stallmeister dessen Haus am Markt abkaufte. Verfall nach dem Kriege
1668 zieht der Kreishauptmann Wolf Günther von Carlowitz in eine Wohnung im
ehemaligen Schloss. Er holt sich vom Landesherren eine Genehmigung, in dem
seit 1540 nicht mehr als Kirche genutzten Sakralbau wieder Gottesdienste
abhalten lassen zu dürfen und einen Geistlichen einzustellen. So betreut der
neue Pfarrer der Glösaer Pfarrstelle die Marienkirche als Nebenstelle mit.
Doch das währte nur eine kurze Zeit, denn nach Carlowitz Tod wird der
Gottesdienst bis 1703 wieder eingestellt und in den knapp 150 Jahren danach
nur sporadisch auf Drängen der ansässigen Bürger wieder aufgenommen.
In den vergangenen Jahren seit 1700 sind die Gebäude des ehemaligen Klosters und Schlosses stark verfallen. Neben den ab und zu statt findenden Gottesdiensten dienten die Gebäude auch als Wohnungen, Restaurants, Theater und Konzert- sowie ebenfalls als Lagerräume, Ställe und Schuppen sowie als Militärmagazin. Viele Gebäude verfielen denn auch zusehends und wurden nach und nach abgerissen. In den Jahren der Napoleonischen Kriege wurde im Kirchengebäude neben einem Militärmagazin auch ein Lazarett eingerichtet. Der Bauzustand verschlechterte sich weiterhin dramatisch. Zwischen 1820 bis 1828 diente die Kirche als Simultankirche für beide Religionen. 1858 schließlich wurde die Gemeinde Schloßchemnitz wieder als eigenständige Parochie hergesttellt, jedoch war der Kirchenbau einsturzgefährdet.
Schloßkirche
1859 entsteht die Gemeinde Schloßchemnitz als eigenständige Parochie und 1884
geht das ehemalige Schloß - ohne die Kirche - in den Besitz der Stadt über.
In den weltlichen Räumen eröffnete 1931 das Schloßbergmuseum. Die Kirche selbst
wurde in den Jahren zwischen 1864 und 1875 nach und nach mit vielen Unterbrechungen
nach den Plänen des Oberlandbaumeisters Hänel rekonstuiert und konnte 1875
wieder eröffnet werden.
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Zeitlicher Abriss
1136 Gründungsbeschluss
1540 Visitaion 1548 Schloß 1553 Jagdschloß 1632 30-jähriger Krieg 1668 Gottesdienst 1703 Einstellung Gottesdienst 1813 Lazarettnutzung 1820 Simulatnkirche 1858 Schloßgemeinde 1895 Turm 1945 Beschädigung Turm 1946 Wiederaufbau Turm Wo finde ich Spuren?
Auf dem ehemaligen Klostergelände befindet sich heute das Schlossbergmuseum.
Die Marienkirche hat ebenfalls die Wirren der Zeit unbeschadtet überstanden.
Der Benediktinerorden
![]() Der heilige Benedikt Der Orden geht auf Benedikt von Nursia zurück, der 529 im Kloster bei Montecassino die nach ihm benannte Regel (Regula Benedicti) aufstellte. Die Regel verlangt Gehorsam, Schweigsamkeit, Beständigkeit und Demut. Der Orden verbreitete sich im Frühmittelalter und war bald der größte Orden. Diese Stellung verlor er erst im 13. Jahrhundert an die neuen Bettelorden. Durch die Säkularisierung wurden fast alle Benediktinerklöster aufgelöst. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es jedoch zu Neugründungen. Benediktinerabteien sind eigenständige Gemeinschaften, die in Kongregationen und diese in der Benediktinischen Konföderation zusammenfinden. Weiterführende Links
Quellen/Buchempfehlungen
"Das Kellerhaus und der Chemnitzer Schloßberg"
Hrg. J.Kassner, G.Viertel u. S.Weingart siehe auch: Links und Quellen |
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