Die St. Nikolaikirche

Historisches Chemnitz - Nikolaikirche
um 1900

"uff sente Niclaus kirchhoff"... "als is von alder ist gewest"
...sollte ab 1331 wieder das Landthing stattfinden, und zwar dreimal im Jahr. So hatten es der Abt Ulrich vom Bergkloster und sein Schirmvoigt Heinrich von Waldenburg in einem offenen Brief festgelegt. Dieser schriftliche Wille ist die erste urkundliche Erwähnung der Nikolaikirche, die heute leider im Chemnitzer Stadtbild fehlt.

Die Rückverlegung des Gerichtstages belegt, daß hier wohl schon länger eine Kirche gestanden haben muss, jedoch lässt sich das nicht belegen.

Die Kirche selbst wird erstmals 1408 als "pfarrekirche sente Nicklaws" erwähnt, und gibt dem ganzen Stadtgebiet "Niklasgasse", später "Nikolaivorstadt", seinen Namen. Diese Ortschaft zog sich unterhalb des Kirchengeländes entlang der heutigen Zwickauer Straße bis zur Kappler Flur hin.


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Der Ort Altchemnitz stand im Filialverhältnis zu St. Nikolai. Da Altchemnitz älter als die Stadt Chemnitz ist, können die Ursprünge dieses Kirchplatzes sehr weit zurückreichen. Möglich ist auch die Namenspatenschaft für den weiter westlich liegenden Stadtteil Kappel, damals ein Dorf. In Verbindung mit St. Nikolai stand eine Kapelle "Zum heiligen Kreuz oder zum Leichnam Christi" ("capella sanctae crucis alias corportis Christi"), die im Zinsregister des Chemnitzer Klosters von 1200 erwähnt wird, deren ehemaliger Standort aber nicht nachweisbar ist.

Zur Parochie der Kirche St. Nikolai gehörte ein weites Gebiet. Dazu gehörten die Ortschaften Niklasgasse, Kappel, Helbersdorf, Schönau und Höckericht. Altchemnitz war Filial und besaß schon im 14. Jahrhundert eine eigene Kirche, die von St. Nikolai aus betreut wurde.

Diese Ortschaften gehörten zum Chemnitzer Benediktinerkloster. Damit besetzte auch der Abt desselben auch die Pfarrstelle von St. Nikolai. Der Pfarrer und der Unterhalt der Kirche wurden vom Zehnten aus einem Steinbruch an der Stollberger Straße sowie dem Zehnten von 13 Ackern Weinland bestritten. Dazu kamen noch Kerzenzins und einige Erbzinsen.

1408 löste die Stadt den Zehnten durch einen "ewigen Zins" von jährlich 15 Groschen Freiberger Münze ab, und erwarb später auch noch den Steinbruch für ihren Häuserbau. Allerdings durfte sich danach auch weiterhin der Nikolaipfarrer für den Eigenbedarf Steine entnehmen.

In alten Urkunden heißt es immer "sente Niklaws kirchen vor Kempnicz", "sente Niklaus ußwendig der Stadt Kempniz". Das bedeutet wohl, das die Kirche damals vor den Mauern der Stadt, also "extra muros" lag. Die eigenständige Rolle der Nikolaikirche belegt, daß sie nicht zu den Kirchen der Stadt zählte und auch nicht als Vorstadtkirche benannt wurde. Das hängt wohl damit zusammen, daß die Kirche sich auf Klosterboden und damit nicht auf Stadtboden befand.


Wechselvolle Zeiten
Als die Hussiten 1430 in die Chemnitzer Region einfielen, hinterließen diese eine zerstörte Nikolaikirche. Begünstigt wurde das durch den Umstand, daß die Kirche ja außerhalb der Stadtmauern und damit wehrlos lag. Viele Jahre vergingen bis 1487 der Wiederaufbau begonnen wurde. Zur Grundsteinlegung soll der spätere Kurfürst Friedrich der Weise zugegen gewesen sein. Um die Sünden der Vorzeit nicht zu wiederholen, baute man die neue Kirche aus Stein statt aus Holz.

Aber bereits 1519 brannte die Kirche mit den Pfarrgebäuden erneut und nach notdürftiger Wiederherstellung abermals um 1532, als sich von der Langen Gasse nach der Aue zu eine gewaltige Feuersbrunst ausbreitete.


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Streit und Trennung der Gemeinde
Im Januar 1882 wurde das Gemäuer untersucht. Dabei findet Baurat Mothes Reste eines romanischen Vorgängerbaues. Dabei waren Teile romantischer Säulen und ein altes Fundament einer Apsis. Rein technisch fiel der Bericht aber verheerend aus und so wurde das Gotteshaus auf Anweisung der Baupolizei der Stadt Chemnitz sofort und ohne Abschiedsgottesdienst der Gemeinde geschlossen. Die Gläubigen fanden gastweise Herberge in der St.Paulikirche und am 24. November 1884 wurde mit dem Abriss der alten Kirche begonnen, welcher bis Jahresende abgeschlossen war.

Nun sollte ein neues Gotteshaus gebaut werden. Die alte Nikolaikirche hatte jedoch einen ungünstigen Standplatz, denn sie befand sich auf einer Seite der Parochie und konnte von den Gemeindemitgliedern der umliegenden Ortschaften nur schwer erreicht werden. Deshalb sprachen sich viele Gemeindemitglieder für einen neuen zentraleren Standplatz des Gotteshauses aus. Auch führten sie das Argument ins Feld, daß die Abtrennung zur St.Pauli-Gemeinde schwer war. Dem widersprachen die Gemeindemitglieder aus Helbersdorf und der Nikolaivorstadt selbst, denn ihnen war an einer Beibehaltung des alten Platzes gelegen. Auch war man seitens der Stadtverwaltung dafür, denn die Kirche bildete einen Fixpunkt des Chemnitzer Stadtbildes.

Das Thema und die Verhandlungen aber auch die Auseinandresetzungen waren schwer und wurden in über hundert Sitzungen ausgetragen. Jedoch kam es zu keiner Einigung. Und so sah sich die oberste Kirchenbehörde genötigt, in einer Festlegung für den alten Platz zu votieren. Daraufhin drängten die verärgerten Gemeindemitglieder auf eine Loslösung von der Muttergemeinde. Und so entstanden 1884 neben der Stammparochie St. Nikolai die Tochterparochien Altendorf, Schönau und Altchemnitz.

Nun war der Weg frei für den Neubau. Bevor dieser jedoch mit dem Hochbau beginnen konnte, waren grundlegende Arbeiten im Bodenbereich notwendig. Dazu gehörten Stützmauern rings um das Fundament und eine Verfestigung des Fundamentes. Auch wurde zu dieser Zeit die heute noch zu sehende Rampe an der Stollberger Straße angelegt.

Am 28. April 1886 konnte dann endlich der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt werden.


Das Ende
Am 5. März 1945 während der Bombenangriffe auf Chemnitz blieb auch die Nikolaikirche nicht verschont. Die Kirche und weitere Nebengebäude brannten nieder und die Pfarrersfamilie Seifert verlor im Luftzschutzkeller ihr Leben. In den Nachkriegswirren verzögerte sich der schnelle Wiederaufbau zusehens. Einzig die drei Stahlglocken wurden aus dem Turm geholt und 1947 an die Gemeinde in Thum im Erzgebirge verkauft. Kurz danach wurde damit begonnen, den Turm nach und nach abzutragen. Ende 1948 wurden der Turmstumpf gesprengt - damit war das Schicksal des Gotteshauses besiegelt.


Heutige Ansichten
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Zeitliche Abriss
1331 erste Erwähnung des Ortes
1408 erste Erwähnung der Kirche
1430 Zerstörung durch Hussiten
1487 Wiederaufbau
1519 Zerstörung durch Brand
1532 Zerstörung durch Brand
1884 Abriss
1886 Grundsteinlegung
1888 Einweihung
1945 Zerstörung


Wo finde ich Spuren?
Stollberger Straße direkt hinter dem Falkeplatz. Gegenüber der Rückfront des Metropol-Theaters. Auf dem Gelände befindet sich heute u.a. eine Hotelanlage. Die Treppenabsätze sind an der Stollberger Straße noch deutlich erkennbar.


Quellen/Buchempfehlungen
"Vom Klosterdorf zur Industrievorstadt"
Verlag Heimatland Sachsen, Hrg. J.Richter, S.Weber

siehe auch: Links und Quellen


www.Historisches-Chemnitz.de