
|
Die Haupt- und Pfarrkirche der Stadt Chemnitz ist die St. Jacobi-Kirche
hinter dem Markt.
Sie hat bereits ein ehrwürdiges Alter - man nannte sie bereits im 12. Jahrhundert.
Ihre heutige Süd- und Ostseite grenzen an das Alte und das neue Rathaus
und werden von ihm verdeckt. Trotz ihrer eher unscheinbaren Außenerscheinung
ist sie eine der geschichtsträchtigsten Kirchen von Chemnitz, hat sie doch
dank ihrer Funktion und ihrer Lage im Stadtzentrum alle Wirren der Zeit
erlebt und überdauert.
Neubau nach 1350
Zwischen 1350 und 1365 erfolgte der Neubau als dreischiffige Hallenkirche
mit hochgotischem Kreuzgewölbe. Durch Stadtbrände 1389 und 1395 teils
stark zerstört, wurde sie neu errichtet, diesmal im spätgotischen Stil
mit dreischiffigem Langhaus. Beim Brand am 5. November 1677 stürzte der
Turm ein, ein neuer kam 1878 bis auf 60 m Höhe zur Ausführung.
Als in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Baufälligkeit des Gotteshauses immer mehr zutage trat, ging man 1877 bis 1880 an eine vollkommene Erneuerung des Baues, die nach den Plänen des Kirchenbaumeisters Altendorff durchgeführt wurde. Die Hauptveränderungen bestanden in dem Wegreißen der entstellenden Anbauten, in der Erneuerung der Stirnseiten in gothischem Geschmack, in der Errichtung eines reichverzierten Westgiebels über der kreuzgewölbten Vorhalle, an dem die von Bildhauer Haendlers Meisterhand geschaffenen Apostelstandbilder angebracht wurden. Der früher freistehende, nicht in gothischem Geschmack gebaute Glockenturm von 60 m Höhe, der auf Pfahlrost steht und schon vor 1333 genannt ist, wurde zu einem Kirchenganzen durch einen 1885 errichteten Schwibbogen mit dem Hauptgebäude verbunden. Die vier Glocken klingen B D F B. Natürlich erfuhr auch das Innere der Kirche manche Umgestaltungen. Alt sind die mächtigen Pfeiler, die in einem rippengezierten Kreuzgewölbe zusammengreifen, alt ist auch das unter den Chorfenstern hinlaufende Maßwerk. Der reichgeschnitzte Hochaltar, aus der Fabrik von Kühn in Altenburg wurde neu geschaffen, gleichfalls der von der Chemnitzer Firma Morgenstern & Schmidt hergestellte und gestiftete Taufstein, endlich die Kirchenfenster.
Ein Gottesacker muss weichen
Zur damaligen Zeit befand sich neben der Jacobikirche der Hauptfriedhof
der Stadt, wogegen die Einwohner der Vorstädte Ihre Toten bei den jeweiligen
Vorstadtkirchen begruben. Allerdings ergaben sich damit im 15 Jahrhundert
recht schnell Probleme, denn der Gottesacker vor der Hauptkirche direkt
neben dem Markt wurde zu eng und lag nun mitten im Zentrum der Stadt. Dies
führte zu relativ pietätslosen Verhalten, so daß sich der Bischof Dietrich
von Meißen im Sommer 1468 dazu gezwungen sah, den Rat der Stadt darum zu
ersuchen, den Anwohnern des Kirchhofs St. Jacob das Ausgießen und Abführen
von Unrat auf denselben zu verbieten. Diese Enge führte dann im Laufe der
Zeit zur Verlagerung des Gottesackers auf den Kirchhof der Johanniskirche,
der dann für viele Jahrhunderte der Hauptfriedhof der Stadt Chemnitz wurde.
(siehe dazu auch die Geschichte der Johanniskirche).
Erneuerung 1900
Die Erneuerung im Jahre 1900 wurde durch die von den Herren Stadtbaurat
Möbius und Oberbaurat Prof. Gottschaldt geleitet. Gestühl und Emporen
erhielten einen tiefrotbraunen Anstrich, reiche Vergoldung wurde an Altar,
Orgel und Kanzel angebracht. Auch die Beleuchtungskörper wurden für
Gasglühlicht eingerichtet, zum größten Teile aber ganz neu beschafft.
Die Orgel, mit 62 klingenden Stimmen, 1888 von Friedrich Ladegast in
Weißenfels neu erbaut, wurde 1903 für 5.000 Mark. mit einer Orgelpneumatik
nach neuesten Grundsätzen und 1905 mit elektrischem Antrieb versehen.
Der Westgiebel erhielt 1911/12 die heutige Gestalt mit Skulpturen der Apostel
Jacobus, Johannes, Paulus und Petrus. Im Inneren verfügt der Sakralbau
über das zwischen 1480 und 1485 geschaffene Heilige Grab und besaß den um
1504 geweihten, 1792 abgebrochenen Hochaltar. Aus der Kreuzigungsgruppe im
Aufsatz des Hochaltars stammt die von Hans Witten 1504 geschnitzte
Schmerzensmutter, eine spätgotische Plastik.
In der Gruft der Kirche wurden beigesetzt: Der Abt Hilarius von Rehburg, Superintendent Fues, Geistliche und Ratspersonen sowie im Dreißigjährigen Krieg und nach dem Siebenjährigen Krieg hier verstorbene Offiziere. Seit 1879 ist die Gruft zugemauert. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Kirchenschiff aus, und das Dach stürzte stellenweise ein. Eine Wand trennt nunmehr den erhaltenen Chor von der Ruine des Kirchenschiffes, um dessen Wiederherstellung Bemühen sichtbar ist. |
Zeitlicher Abriss
938 angeblich erste Kapelle
1254 erste Erwähnung 1877 Neogotischer Umbau 1910 erneuter Umbau Wo finde ich Spuren?
Die Jacobikirche hat die Wirren der zeit überstanden und befindet sich heute
an der Inneren Klosterstraße am Eingang zum
Marktplatz
neben dem Neuen Rathaus
Ein sagenhafter Platz
Um den Grund und Boden rund um die Jakobikirche ranken sich einige Sagen.
Hier eine kurze Auswahl:
Wie die Sage erzählt, habe Kaiser Otto der Große im Jahre 938 da, wo die Jacobikirche steht, eine Kapelle errichten lassen und in den Grundstein eine Münze mit dem Bild des heiligen Jacobus gelegt. In der Kapelle war ein Marienbild aufgestellt, dem man wundertätiges Wirken zusprach. Dadurch bekam dieses Kirchlein großen Zulauf hilfesuchender Christen. Einer anderen Sage ist zu entnehmen, daß der Bauplatz moorig gewesen sei. Das Bauvorhaben erforderte deshalb, starke Pfähle in den Boden zu rammen. Dem Baumeister müssen aber hinsichtlich der Standfestigkeit des Gebäudes vermutlich Zweifel aufgekommen sein. Nach Vollendung des Baues soll er sich von oben herabgestürzt und somit diesen mit seinem Blut versiegelt haben. Ein historisches Detail
In der ältesten erhaltene Urkunde aus Chemnitz aus dem Jahre 1296 bestätigt
König Adolf, daß ein gewisser Gottfried, der an der Mauer wohnt, aus freien
Stücken der Hauptkirche St. Jacobi zwei Mark Silber zur
Vergebung seiner Sünden geschenkt hat. Daraus läßt sich ablesen, daß Chemnitz
zu diesem Zeitpunkt bereits von einer Mauer umgeben war.
Quellen/Buchempfehlungen
|
||||||||