Das Fritz-Heckert-Kombinat
Historisches Chemnitz - Die Wanderer-Werke / Fritz-Heckert-Kombinat
Maschinensystem FMS 1000
Am 1. Juli 1948 wurde auf Beschluss der Wirtschaftsleitstelle die bisherigen Wanderer-Werke aufgelöst und zwei selbstständige volkseigene Betriebe gegründet, die auch unterschiedlichen Industrieverwaltungen angehörten. Das eine war "Mechanik, Büromaschinenwerk Wanderer-Continental, VEB, Chemnitz", das andere "VEB Wanderer-Fräsmaschinenbau Siegmar-Schönau". Damit endet die "traditionelle" Geschichte der Wanderer-Werke in Chemnitz. Jedoch ging es weiter. Und das sowohl in den Neugründungen in Chemnitz wie auch mit dem Neustart in Bayern. Die Tradition lebt noch heute. Lesen Sie hier über die weitere Entwicklung des Fräsmaschinenbaus in Karl-Marx-Stadt.


Neubeginn mit alten Unterlagen
Im ausgegliederten Betrieb "VEB Wanderer-Fräsmaschinenbau Siegmar-Schönau" der ehemaligen Wanderer-Werke, der nun zur "Vereinigung Volkseigener Betriebe Werkzeugmaschinen udn Werkzeuge" (VVB WMW) gehörte, begann man nach Ende der Demontagen wieder mit dem Bau von Fräsmaschinen. Als Starthilfe nutzte man dazu ebenso wie die "Konkurenz" in Bayern alte originale Konstruktionsunterlagen aus der Vorkriegszeit.


Ende von "Wanderer" in Chemnitz
Am 7. April 1951 jährte sich der 15. Todestag des Chemnitzer Arbeiterführers Fritz Heckert. Anlässlich dieses Tages wurde der "VEB Wanderer-Fräsmaschinenbau Siegmar-Schönau" in "VEB Fritz-Heckert-Werk" umbenannt. Damit gab es nun nach zweiundfünfzig Jahren keine Chemnitzer Fräsmaschinen mit dem legendären Namen "Wanderer" mehr. Wohl "musste" man den Namen auch gezwungenermaßen aufgeben, denn im westlichen Teil Deutschland existierten ja die "Wanderer-Werke" weiter. Mit der Produktion selbst ging es voran und die Absatzzahlen wuchsen ebenso wie die Innovationen. In der Mitte der sechziger Jahre erreichte man sogar die 1.000er-Marke bei der jährlichen Fräsmaschinenproduktion. 1965 stellte man auf der Leipziger Frühjahresmesse erstmals eine numerisch gesteuerte Kreuzschiebetisch-Fräsmaschine vor, die für Aufsehen sorgte und die ära der automatischen Fertigungseinheiten einleitete.


"Werkzeugmaschinenbaukombinat"
Infolge von Reformen innerhalb der zentralistisch gesteuerten DDR-Industrie wurden die "Vereinigungen Volkseigener Betrieb" aufgelöst und durch die "Kombinate" ersetzt. Das Fritz-Heckert-Werk in Karl-Marx-Stadt wurde aufgrund seiner Spitzenstellung als Kombinatsführer für das "Werkzeugmaschinenbaukombinat" bestimmt, daß nun den Namen "Werkzeugmaschinenbaukombinat Fritz-Heckert" trug. Der Karl-Marx-Städter Betrieb erhielt den Namen "Stammbetrieb - Fritz-Heckert-Kombinat". Im Kombinat waren 36 Betriebe zusammengefasst. Infolge der Kombinatsgründung kam es 1969 zum Bau der neuen Firmengebäude in Siegmar.


Historisches Chemnitz - Die Wanderer-Werke / Fritz-Heckert-Kombinat
Der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzender des Staatsrates der DDR Erich Honecker bei einem Besuch des Stammbetriebes des Fritz-Heckert-Kombinates am 15. Oktober 1976.



Der Bau von modernsten Fräsmaschinen ging weiter. über 70% der gefertigten Maschinen wurden in die Sowjetunion geliefert. Auch innovativ war das Unternehmen führend. So wurde 1971 die erste automatisierte Fertigungsstraße unter dem Namen "Prisma 2" in Betrieb genommen, die im Gegenzug zum herkömmlichen Fließband weitestgehend automatisiert und durch einen Zentralcomputer gesteuert wurde. Durch diese und ähnliche innovative Entwicklungen wurde das Fritz-Heckert-Kombinat zum bestausgerüstesten und modernsten Produktionsbetrieb der ganzen DDR. Im Laufe der Entwicklung fertigte man mehr und mehr komplette "Bearbeitungszentren", die die klassische Fräsmaschine ersetzten, so daß diese bald nur noch eine Randerscheinung im Produktionsportfolio inne hatte.


Maschinen
Historisches Chemnitz - Die Wanderer-Werke / Fritz-Heckert-Kombinat
Nach der DDR
1989 kam die Wende und mit der darauffolgenden Währungsunion kamen viele Betriebe ind er ehemaligen DDR arg ins Schlingern, da der komplette osteuropäische Markt wegzubrechen drohte und letztlich auch wegbrach. Das Fritz-Heckert-Kombinat wurde aufgelöst und mit 4.300 Arbeitern (!) startete man als "Heckert Chemnitzer Werkezugmaschinen GmbH" in die Marktwirtschaft. Doch die Probleme nahmen zu. bald mussten viele Mitarbeiter entlassen werden. 1993 erfolgte die Privatisierung mit nur noch knapp 380 Beschäftigten durch die Traub AG in Reichenbach/Fils und 1994 die Gründung einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft.

1996 jedoch musste Traub und bald darauf in Folge dessen auch Heckert in Konkurs gehen. Unter leicht abgeänderten Namen "Heckert Werkzeugmaschinen GmbH" startete man mit einer Auffanggesellschaft für knapp 350 Mitarbeiter und konnte im darauf folgenden Jahr bereits wieder Gewinne erwirtschaften. 1998 erwarb der Schweizer Maschinenbauer Starrag das Chemnitzer Unternehmen. Damit fanden sich zwei Unternehmen mit einer etwa gleichlangen Maschinen- und Fräsmaschinenbautradtition. Die "Starrag-Heckert Group" - seit 2001 "StarragHeckert GmbH" - beschäftigt etwa ein Drittel ihrer knapp 600 Mitarbeiter in Chemnitz und zählt zu den führenden Unternehmen der Branche - wie einst auf dem ursprünglichen Gebiet die Chemnitzer Wanderer-Werke A.G..


Zeitlicher Abriss
1948 Neugründung
1951 VEB Fritz-Heckert Werk
1969 Fritz-Heckert-Kombinat
1990 Heckert Chemnitzer Werkzeugmasch. GmbH
1994 Traub-Heckert
1996 Konkurs
1996 Heckert Werkzeugmaschinen GmbH
1998 Starrag-Heckertz Group
2001 StarragHeckert GmbH


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