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Die Wanderer-Werke waren einst eines der stolzesten und größten Werke in
Chemnitz und haben deutsche Automobilgeschichte mitgeschrieben. Angefangen
hat alles mit zwei enthusiastischen Menschen, die einen kleinen Handwerksbetrieb
gegründet und zum bedeutenden Firmenimperium aufgebaut haben. Sehen Sie heute
einen Audi auf der Straße steckt ein kleines Stückchen Wanderer mit darin.
Aber lesen Sie selbst...
Wie alles begann
Johann Baptist Winklhofer wird am 23. Juni 1859 in München-Haidhausen
als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Er hat einen Bruder und vier Schwestern.
Bereits als kleiner Junge hat er wohl das "Initialerlebnis":
"Wir wohnten in der Karlstraße gegenüber der damals dort befindlichen Ratgeberschen Waggonfabrik. Einer der kleinen Söhne ... hatte ein genau nach dem Modell des Erfinders Drais gebautes Fahrrad. ... Wir Nachbarskinder hätten das neumodische Ding natürlich auch gerne einmal probiert. Aber ... wir durften nur daneben herlaufen." Als Winklhofer älter wird, soll er nach dem Wunsch der Mutter Fleischer lernen, aber der Junge Johann will unbedingt Mechaniker werden. Und so kommt es dann auch. Winklhofer lernt zwei Jahre in der Münchner Firma Böhm und Wiedemann. Hier lernt er wohl die feine und präzise Arbeit beim Apparatebau wie auch das solide Wirtschaften. Nach dieser zweijährigen Lehre wird ihm vom Lehrherren bescheinigt: "Johann Winklhofer ... besitzt vorzügliche Anlagen, verband mit denselben einen vorzüglichen Fleiß und bildete sich somit in dieser Zeit zu einem wohlgeübten Mechaniker aus..." Allerdings wird dem jungen Winklhofer in seinen Lehrjahren bewußt, daß er wohl seine Liebe nicht im Apparatebau, sondern eher im "feineren" Maschinenbau lag. So arbeitet er zuerst in einer kleinen Werkstatt, die Drehbänke herstellt. Da diese aber eher rückständig ist, wechselt er als Dreher zum "königlichen Hauptlaboratorium", wo zu dieser Zeit Patronen und Gewehre hergestellt werden. über eine weitere Stelle kam er schließlich zur "königlichen Pulverfabrik" bei Ingolstadt und begann dort als Maschinist zu arbeiten. Dort kam er dann erneut mit dem "Fahrrad" in Berührung, denn sein Meister besaß ein selbstgebautes primitives Fahrrad. Da wuchs in Winklhofer wohl der Wunsch, so etwas auch zu besitzen - aber eben ein viel besseres, als das seines Meisters. Fahrräder
Winklhofer hatte das Fahrrad-Fiebver gepackt. Er erfuhr von besagtem Meister,
daß in München englische Räder eingetroffen waren. Da sein geld nicht für
ein neues Rad reichte, kaufte er sich die Ersatzteile zusammen und baute
daraus in mühevoller Kleinarbeit innerhalb eines Jahres sein erstes eigenes
Fahrrad. Er ist ein begeisterter Pedalritter und gründet bald in Ingolstadt
den dort ersten "Bicycle-Klub". Der "Klub" baute bald eine eigene Rennbahn
und Winklhofer fährt dort oft und erfolgreich. Neben seiner Arbeit in der
Geschoßfabrik baute er nebenbei noch einige Hochräder für Privatbestellungen
sowie eine alte Dampfmaschine für eine Ziegelei eigenhändig zusammen.
Nun fuhr Winklhofer Rennen und das ziemlich erfolgreich. So kam es, daß die Münchner Firma Chr. N. Schad auf ihn aufmerksam wurde, denn dort hatte man gerade erst begonnen, englische Räder zu verkaufen. Dort sollte er als Fahrlehrer und auch Verkäufer arbeiten. Da man wohl mit ihm ganz zufrieden war, wurde er mit einem "Spezialauftrag" betraut. In Zwickau in Sachsen arbeitete für die Firma Schad ein Verkäufer der "zwar ganz gut verkaufte, aber kein Geld dafür hereinbrachte." Die Kunden waren säumig. Nun sollte Winklhofer in Zwickau für Ordnung sorgen. Das Treffen zweier Männer
Und wie es das Schiksal - oder der Zufall - so will, steht auf der Liste der
säumigen Zahler ein gewisser Herr Jaenicke. Nun kommt es zum Treffen zweier
Männer, das die Basis für das Werden der Wandererwerke bildet. Winklhofer
setzte Jaenicke so unter Druck, das dieser wohl die offenen Summe beglich.
Doch dem Herrn jaenicke hatte das offensive Auftreten des Herrn Winklhofer
sehr imponiert. Als die Arbeit Winklhofers in Zwickau endet, spricht Jaenicke
diesen an und unterbreitet ihm das Angebot, sich mit ihm in seiner Vaterstadt
Chemnitz selbstständig zu machen und dort ein Unternehmen zu gründen, ähnlich
dem des Herrn Schad in München.
Jaenicke ist ein weitgereister Mann. Er hatte bei der Union A.G. in Chemnitz gelernt und war als Schlosser und Mechaniker bei Clemens Müller in Dresden, in ganz Deutschland ja sogar in den USA tätig gewesen. Jaenicke verdient damals sein Geld mit dem Verkauf von Nähmaschinen. Winklhofer aber hält Jaenicke auf Distanz und will noch in München den Rat seines Chefs einholen. Als Winklhofer in München dem Herrn Schad senior sein Anliegen vorträgt und ihm um Rat bittet, antwortet dieser ihm: "Was woll'ns denn bei dene Sachsen, bleims doch bei mir, da hams es doch a ganz schön." Damit war für Winklhofer die Sache erledigt und er schrieb an Jaenicke, daß er in München bei Schad bliebe und fuhr in den Urlaub. Doch er hatte nicht mit Jaenickes Hartnäckigkeit gerechnet. Dieser erschien eine Woche später vor der Tür Winklhofers bei dessen Urlaubsort und redete auf ihn ein und versuchte ihn von seiner Idee zu überzeugen. Nun bluffte Jaenicke, denn er teilte Winklhofer mit, daß er im Vertrauen auf dessen Zusage bereits in Chemnitz eine Werksatt gemietet und bereits Werkzeuge und eine Drehbank bestellt habe. Nun dürfe Winklhofer ihn nicht sitzen lassen. Das wirkte! Winklhofer versprach nochmals mit seinem Chef zu sprechen und so trennten sich die beiden wieder. Nun kam es erneut zu einem "Zufall", denn es passierte folgendes: Da der Herr Schad senior ebenfalls im Urlaub weilte, musste Winklhofer sein Anliegen einem von dessen Söhnen vortragen. Dieser reagierte jedoch so barsch und kanzelte Winklhofer derart ab, daß dieser so in rage geriet, daß er am nächsten Morgen sofort nach Chemnitz reiste und dadurch sogar einen Teil seines Geldes einbüßte. Chemnitzer Velociped-Depot
Als Winklhofer nach Chemnitz kam, erlebte er die große Enttäuschung, denn
Jaenicke hatte nur geblufft und noch nichts gemietet oder gekauft. Winklhofer
war deprimiert, aber es gab keinen Rückweg mehr. Am 15.Februar 1885 mieten
beide eine Hinterhofwerkstatt in der Poststraße 38 mit knapp 50 qm und ließen
das neue Unternehmen am 26. Februar 1885 unter dem Namen "Chemnitzer Velociped-Depot
Winklhofer & Jaenicke" in das Handelsregister eintragen. So beginnen große
Geschichten. Und so beginnt die Geschichte der Chemnitzer Wanderer-Werke,
die später zu den renomiertesten, und im Verbund der Auto-Union auch zu den
größten Autoherstellern Deutschlands gehörten. Aber zurück nach 1885.
Nachdem bei einem Trödler zwei wurmstichige alte Schreibtische gekauft worden
waren, nahmen beide Männer die offizielle Arbeit auf. Das Anfangskapital war
dürftig: Winklhofer hatte einen Schraubstockund 600 Mark mit aus München
gebracht. Jaenicke steuerte einige tausend Mark bei. Aber der Grundstock ist
gelegt: Vom Geld bestreiten beide die Miete, kaufen einen zweiten Schraubstock
eine Fußdrehabnk und ein Schmiedefeuer und beschäftigen mit den Herren Thieme
und Schob zwei Arbeiter. In diesem Jahr erschien im "Chemnitzer Tageblatt"
eine Anzeige des Chemnitzer-Velociped-Depots.
Zuerst handelte man mit englischen "Rudge"-Rädern, die Winklhofer über die ihm bekannte Münchner Firma Heimerl erwarb. Darüber hinaus bot man Reparaturen und Servicearbeiten für alle Fahrradtypen an. Eines jedoch war von Anfang an klar umrissen: Qualität als Unternehmensstrategie. Die Arbeitsteilung war anfangs klar. Jaenicke arbeitete in der Werkstatt und Winklhofer verkaufte die Räder und machte die Schreibarbeiten. Winklhofer und Jaenicke traten dem "1. Chemnitzer Bicycle-Club" bei und verkauften dort ihre ersten Fahrräder. Das Fahrrad wurde immer beliebter. Ganz gleich ob als Sportinstrument, als Freizeitvergnügen oder für den Arbeitsgebrauch - immer mehr Menschen wußten die Vorteile eines solchen Gefährtes zu erkennen. So kam es auch zum Aufschwung des Velociped-Depots, denn bereits nach einem Jahr, am 1. Februar 1886 zog die Firma in größere Räume in die Theaterstraße 14 um. Auch mieten sie einen Saal im "Elysium", um dort Fahrradkurse zu geben. Innerhalb dieses Jahres war die Zahl der Mitarbeiter von 2 auf 22 gewachsen.
Nun kommt es zur ersten eigenen Produktion des Unternehmens. Zuerst baut man Hochräder, die man "Wanderer" nennt. Eine Marke von Weltruf ist geboren. Das erste noch in der Poststraße gebaute Rad wurde an eine "englische" Artistin verkauft, die - wie Winklhofer mutmaßt "daß sie gar nicht in England, sondern in einer kleinen Stadt in Sachsen geboren war." Mit dem Unternehmen gehrt es aufwärts und auch die beiden Teilhaber kommen sich familär näher, denn Winklhofer heiratet Jaenickes Schwester Johanna. Anfang 1887 war man als Unternmehmen so weit, daß der Verkauf von "Rudge"-Rädern beendet werden konnte. Daraufhin änderte man den Firmennamen in "Chemnitzer Velociped-Fabrik Winklhofer & Jaenicke". Kurz danach kommt es zu einem herben Rückschlag. In der Nacht zum 1. April 1887 brennt es in der Firma und dabei gehen fast alle der bereits gefertigte Räder verloren. Aber die beiden geben nicht auf und nehmen bereits am 17. April ihre Arbeit in neugemieteten Räumen in der Hartmannstraße 11 auf. Neue Herausforderungen
1887 ein großer Erfolg. In Mailand werden die Wanderer-Räder mit dem "Diplom
für beste Leistung" ausgezeichnet. Aber auch in Deutschland ist man für seine
Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit bekannt. Selbst die kaiserliche
Familie fährt bald "Wanderer". Doch es gibt bald ernste Probleme. Etwa 1888
- es werden in ganz Deutschland bereits 20.000 Räder gebaut - werden die
bisherigen Hochräder unmodern, denn alle Welt will nun die sogenannten
"Niederräder" oder "Sicherheitsräder" kaufen. Aber Winklhofer & Jaenicke gelingt
die Wende und schon bald können auch sie ein solches Rad anbieten. Sie sind
weiter im Geschäft.
1890 baut man bei Wanderer bereits knapp 470 Räder. Doch die beiden Teilhaber sind weitsichtig und wollen nicht noch einmal so kämpfen müssen wie 1888. Auch will man sich vom schwankenden Saisongeschäft abkoppeln. Also beginnt man mit dem Aufbau einer zweiten Sparte - dem Bau von Werkzeugmaschinen nicht nur für eigene Zwecke sondern auch für den Verkauf. Das Unternehmen heißt nun "Maschinen- und Fahrräderfabrik Winklhofer und Jaenicke". Nach und nach werden auch die alten Räume zu eng und man bezieht am 1. Oktober 1895 mit 19.000 qm die neuen Hallen in Schönau bei Chemnitz. Dort gibt es neben den Werkhallen auch ein Bürogebäude, Nutzgebäude sowie gegenüber an der Limbacher Straße ein Wohnhaus für die beiden Chefs. Man baut nun schon das 10.000. Fahrrad. 1896 vollzieht man mit Hilfe der Dresdner Bank den Wechsel zur Aktiengesellschaft und startet mit 1,1 Millionen Reichsmark als "Wanderer-Fahrradwerke, vorm. Winklhofer & Jaenicke A.G.". Dort arbeiten nun 375 Mitarbeiter, während Winklhofer und Jaenicke das Unternehmen als Direktoren leiten. Das es gut läuft, zeigen die Zahlen: 13 Prozent Rendite kann man 1896 erwirtschaften. Bereits ein Jahr später wird das Grundkapital um weitere 300.000 Mark aufgestockt. 1897 zieht sich Jaenicke nach 12 Jahren im Alter von 39 Jahren in den Ruhestand nach Dresden zurück und überlässt Winklhofer das Unternehmen. Aber auch der Fahrradmarkt bewegt sich, denn die Rollenkette am Rad ersetzt die bisherige Blockkette. Soll man da mitziehen? Winklhofer will es testen und unternimmt mit dem späteren Direktor Schneider eine 6-Tages-600-Kilometer-Tour durch Sachsen und Thüringen, um die neuartige Rollenkette ausgiebig zu testen. 1899 beginnt das Unternehmen mit der serienmößigen Produktion von Fräsmaschinen, die man bereits seit einigen Jahren in kleinen Stückzahlen fertigt. Bald ist man damit ebenso erfolgreich wie mit Fahrrädern, denn man beliefert eine Großzahl aller deutschen Unternehmen mit Fräsmaschinen. Aber damit nicht genug. Winklhofer ist ein rastloser Chef. Zum einen plant er seine Fahrräder auch mit kleinen Hilsmotoren auszustatten, zum anderen sieht er im Bau von Schreibmaschinen einen Zukunftsmarkt und eine weitere Absicherung des Unternehmens gegen zyklische Risiken. So übersteht man auch das Krisenjahr 1900 recht gut. 1902 kommt es zum Wechsel im Unternehmen. Winklhofer gibt am 4. Oktober 1902 seinen Posten als Direktor auf und zieht in eine Villa im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Von dort aus übernimmt er die Rolle des vom Aufsichtsrat delegierten technsichen Beraters der neuen Leitung des Unternehmens. Diese Position übt Kommerzienrat Winklhofer bis zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1929 aus. Im Unternehmen geht es weiter. 1901 kam die unter der Nummer D.R.P. 131486 geschützte Erfindung der Wandererwerke auf den Markt, die in den nächsten Jahren bis zum heutigen Tage die Entwicklung der weltweiten Fahrradindustrie prägen sollte: die Doppelübersetzungsnabe mit Freilauf und Rücktrittbremse. 1902 baut man das erste Motorrad. 1903 nimmt man die Serienproduktion von Schreibmaschinen und 1909 die von Addier- und Subtrahiermaschinen auf. Mit den Schreibmaschinen hat man es anfangs nicht leicht, denn hier existieren vielfältige Patente amerikanischer Unternehmen, die den Markt auch in Deutschland beherrschen. Also beißt man in diesen suren Apfel und entwickelt eine völlig neue Schreibmaschine. Heraus kommt die weltberühmte "Continental". Dies ist die erste Schreibmaschine, die sichtbar schreibt und Typenhebel besitzt. Die "Continental"-Schreibmaschine gilt als die "vollkommenste der Neuzeit". Darauf hält Wanderer nun sechzig Patente.
Das automobile Zeitalter
1904 geht es weiter steil nach oben. Es ist soweit. Das Unternehmen beginnt
probeweise mit dem Bau von kleinen zweisitzigen Automobilen. Diese haben
zwei Zylinder, vier Takte, zwölf PS und einen Hubraum von satten 1,8 Litern.
Aber auch sonst steigen die Zahlen. Man erwirbt weiter tausend Quadratmeter
in Schönau um das Werk zu erweitern und erhöht das Stammkapital auf 1,6 Millionen
Mark. Die Schreibmaschinenproduktion verdoppelt sich und 1907 kann Wanderer
ein Motorrad präsentieren, daß 100 km/h und 20%ige Steigungen schafft. Auch
Rennen ist man erfolgreich. beim spektakulären Motorradrennen Moskau-St.Petersburg
kommt nur ein Teilnehmer ins Ziel - auf einem Wanderer-4PS-Rad. Um dem breit
gefächerten Portfolio gerecht zu werden ist der bisherige Name nicht mehr
zeitgemäß genug. Man firmiert um und heißt ab nun "Wanderer-Werke, vormals
Winklhofer & Jaenicke A.G.". 1910 wurde das Stammkapital auf 2 Millionen
Mark weiter erhöht.Neu und beispielgebend damals war auch die Einrichtung
einer "Speiseanstalt" für die Mitarbeiter.
Obwohl man bereits seit mehreren Jahren an einem kleinen Automobil baut,
verschläft man fast dem Start des automobilen Zeitalters. Erst als in
Deutschland bereits 58 Unternehmen etwa 10.300 Automobile gefertigt und
ausgeliefert haben, präsentiert Wanderer 1912 den Kleinwagen, der von nun
an den Namen "Puppchen" trägt. Winklhofer will es selbst testen, um sicher
zu gehen, daß eine solch wichtiges Produkt auch seinen und damit den
Qualitätsansprüchen des Unternehmens gerecht wird. Also macht er damit eine
Autotour über 2.065 Kilometer von Chemnitz bis nach Tirol und durch die
Dolomiten. Das ganze entwickelt sichzu einer erstklassigen Promotionsfahrt
und so kann 1913 die Automobilproduktion bei Wanderer beginnen.
Kriegszeiten
1914 beginnt der erste Weltkrieg. 3.000 Arbeiter arbeiten für Wanderer in
Schönau, doch kommen von ihnen 186 Mann während des Krieges um. Bei Wanderer
spürt man den Krieg, denn nun arbeiten erstmals mehr Frauen als Männer im
Unternehmen. Aber Wanderer verdient auch gut am Krieg, denn man liefert
unter anderem "Puppchen", aber auch Fahrräder und Motorräder für das Militär.
Aber auch neue Entwicklungen bringen diese Jahre. So stellt man 1914 beispielsweise ein Motorrad mit Kickstarter vor. Das Aktienkapital erhöht sich 1916 auf über fünf Millionen Mark. Auch kann man die ersten Grundstücke in der benachbarten Stadt Siegmar (heute ebenso wie Schönau zu Chemnitz gehörend) erwerben. Mit dabei ist auch der legendäre "Wintergarten" in Schönau. Leider erlebt der Gründer der Wanderer-Werke Richard Adolf Jaenicke die Zeit nach dem Krieg nicht mehr. Er stirbt am 22. Oktober 1917. Winklhofer, der zweite Gründer der Wanderer-Werke jedoch verdiente doppelt am Krieg, denn neben seinen Bezügen aus Chemnitz hatte er 1916 noch nach Zustimmung der Wanderer-Direktoren ein Munitionsunternehmen in Bayern gegründet, daß sich in den Kriegsjahren sehr rentierte. Nach-Kriegszeiten
Nach dem Krieg geht es in Chemnitz weiter, aber die Inflation steigt.
Wanderer-Automobile erhalten elektrische Beleuchtungen und elektrische Anlasser.
1920 erhöht man das Aktienkapital auf das Doppelte - 10,5 Millionen Mark -
und bebaut 1921 satte 240.000 Quadratmeter des Firmengeländes in Schönau.
In Folge der Inflation kommt es zu stark überhöhter Nachfrage und zu einer
weiteren inflationsbedingten Aktienkapitalerhöhung auf 160 Millionen Mark.
Bei Wanderer beginnt man damit, eigenes Notgeld in Höhe von 119 Milliarden
heraus zu geben.
1925 kommt das Unternehmen in ruhigere Fahrwässer, aber die Innovationen gehen weiter. So setztman auf eine neue Produktionstechnologie - das Fließband. Damit schafft man 1927 bereits den Bau von 27 Automobilen am Tage. Das neue Werk in Siegmar geht in Betrieb und eine Kleinschreibmaschine wird entwickelt.
Weltwirtschaftskrise
In den späten 20er und frühen 30er Jahren erreichte die Weltwirtschaftskrise
auch die deutsche Automobilwirtschaft. Wanderer blieb davon nicht
verschont. Die Automobilsparte der Wanderer-Werke wurde ausgegliedert und
von der am 29. Juni 1932 in Chemnitz gegründeten Auto-Union AG käuflich
übernommen. Damit waren die Wanderer-Werke (explitzit dessen Automobilbau) der vierte
"Ring" der Auto-Union AG. Aus dem Zusammenschluss von DKW, Audi, Horch und
Wanderer entstand einer der größten Autoproduzenten Europas. Jedoch hatten
seit diesem Moment Wanderer-Automobile nichts mehr mit dem Wanderer-Werken
in Chemnitz zu tun.
Mehr über die Auto-Union in Chemnitz lesen Sie HIER. Wanderer im und nach dem zweiten Weltkrieg
Mit Beginn des zweiten Weltkrieges begann die Produktion von Rüstungsgütern
für die deutsche Armee. Dabei gelang es den Betriebsführern, weitestgehend
die bestehende Produktion beizubehalten. So fertigte man Fahrräder und
Schreibmaschinen für den Heeresbedarf, sowie besondere Fräsmaschinen für
den Bau von Panzermotoren. Doch dabei blieb es nicht. Im Neubau wurde später
auch die Produktion von Kreiselkompassen für die U-Boot-Flotte, die von
Chiffriergeräten sowie die Montage von Maschinenpistolen aufgenommen. Diese
Rüstungsproduktion deckte etwa zehn Prozent des gesamten Produktionsvolumens
ab. Damit waren die Wandererwerke wichtiger Kriegslieferant. Da das mit eigenen
Kräften nicht zu bewältigen war, wurden auch verstärkt Fremdarbeiter in der
Produktion eingesetzt. Die Beschäftigtenzahl stieg damit auf etwa 9.300 an.
Doch schon bald wendete sich das Blatt des Krieges. 1942 stellte man die Produktion von Schreibmaschinen ein. Die Rüsrtungsproduktionen gerieten mehr und mehr in das Ziel der angloamerikanischen Bomberflotte. Am 11. September 1944 wurde das Fräsmaschinenwerk an der Jagdschänkenstraße bombardiert. Das war erfolgreich, denn nach dem Angriff der das Werk zu sechzig Prozent zerstörte, wurde die Fräsmaschinenproduktion dort eingestellt und verlagert. Bei den verheerenden Angriffen im März 1945 kam das Werk jedoch weitestgehend unbeschadet davon, so daß letztlich die Kriegsproduktion bis April 1945 weitergeführt werden konnte. Erst durch den Beschuss durch anrückende amerikanische Truppen kam die Produktion zum Erliegen. Der Krieg war zu Ende. Nun besetzten in den ersten Maitagen 1945 sowjetische Truppen von Osten her die Stadt. Am 5. Mai kam ein Vertreter des Stadtkommandanten in die Werke und ordnete die Umrüstung der Schreibmaschinenproduktion auf kyrillische Buchstaben an. Am 14. mai wurde der bisherige Betriebsführer Klee abgesetzt und ein antifaschistischer Betriebsausschuss gebildet. Doch das war nur eine Farce, denn bereits am 25. Juni wurde durch die Militärverwaltung mitgeteilt, das die gesamte Fräsmaschinenproduktion demontiert und in die UdSSR verlagert werden sollte. Dies geschah dann auch bis zum 30. September. Hier sei noch eine kurze Bemerkung angebracht. Man erzählt, daß ehemalige Arbeiter bei Wanderer als deutsche Kriegsgefangene ihre Maschinen wiederentdeckten, als diese auf den äckern neben der Eisenbahn lagen und vor sich hin rosteten. Bei Wanderers begann man dann mit nur etwa 500 Mitarbeitern mit der Herstellung von Nachkriegsartikeln, wie etwa Kartoffelschälern, Feuerzeugen, Schuhschonern, Haarwickeln, Scharnieren und dergleichen. Auch setzte man alte Flugzeugmotoren zusammen. Ende 1945 konnte man dann mit der behelfsmäßigen Reparatur von Fahrrädern, Fräsmaschinen, Schreib- und Buchungsmaschinen beginnen. Der Neuanfang war gemacht. 1946 konnte man bereits wieder die ersten fünfzig Schreibmaschinen und auch die ersten 38 Fräsmaschinen ausliefern. Nun arbeiteten bereits wieder knapp 1.000 Menschen bei Wanderers. Da die Demontage dem Ende zuging, stellte der Betriebsausschuss an die Landesverwaltung Sachsen den Antrag, das unter treuhänderischer Verwaltung stehende Unternehmen in "Wanderer-Betriebe" umzubenennen und zu verstaatlichen. Am 1. Juli 1948 wurden daraufhin auf Beschluss der Wirtschaftsleitstelle zwei selbstständige volkseigene Betriebe gegründet, die auch unterschiedlichen Industrieverwaltungen angehörten. Das eine war "Mechanik, Büromaschinenwerk Wanderer-Continental, VEB, Chemnitz", das andere "VEB Wanderer-Fräsmaschinenbau Siegmar-Schönau". Damit endet die "traditionelle" Geschichte der Wanderer-Werke in Chemnitz. Jedoch ging es weiter. Und das sowohl in den Neugründungen in Chemnitz wie auch mit dem Neustart in Bayern. Die Tradition lebt noch heute. Lesen Sie dazu mehr... Getrennt in Ost und West
Mehr über den Neuaufbau der Wanderer-Werke in Bayern lesen Sie HIER.
Mehr über VEB Büromaschinenwerk und VEB Industrietechnik lesen Sie HIER. Mehr über das Fritz-Heckert-Kombinat lesen Sie HIER. |
![]() Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf Jaenicke (b6) Zeitlicher Ablauf
1859 Geburt Winklhofers
1885 Gründung Velociped-Depot 1886 Theaterstraße 14 1887 Großbrand 1890 Werkzeugmaschinen 1897 Jaenicke hört auf 1902 Winklhofer hört auf 1903 Schreibmaschinen 1909 Addiermaschinen 1929 Winklhofer scheidet aus 1944 Bombenangriff 1945 Demontage 1946 Gröschler nach Westen 1948 Sitz München 2003 Chemnitz-Arena Wo finde ich Spuren?
An der Zwickauer Straße im Stadtteil Schönau ist noch das großflächige Areal
der ehemaligen Wanderer-Werke zu sehen. Vor dem Eingang der 2003 neu eröffneten
"Chemnitz-Arena" stehen noch zwei von ursprünglich vier Prüftürmen, die früher
zum Test von Flugzeugmotoren verwendet wurden.
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