Die Schüttoff A.-G.
Historisches Chemnitz - Schüttoff Schuettoff

Chemnitz war vor 1945 eines der wichtigsten Zentren des deutschen Fahrzeugbau. Neben den "großen" wie etwa Wanderer oder Diamant produzierten auch viele Marken, die damals einen hervorragenden Ruf hatten, heute aber außer bei Liebhabern und Sammlern, nicht mehr ganz so bekannt sind. Neben dem legendären Auto- und Fahrradbauer Presto war es eben die Marke Schüttoff, die zwar heute nicht mehr ganz so bekannt ist, aber den Ruf von Chemnitz als Industriestandort und Wiege des Automobilbaus in Deutschland mitprägte.

Arthur Schüttoff gründet sein Unternehmen
Arthur Schüttoff hatte bei den Wanderer-Werken gearbeitet, bevor er seine eigene Firma ins Leben rief. 1909, also relativ spät, gründete Arthur Schüttoff gemeinsam mit einem Kompagnon an der Rößlerstraße 30 ein Unternehmen unter dem Namen Schüttoff & Bässler. Vorrangig produzierte man Werkzeugmaschinen und Drehbänke. 1918 kam es jedoch zur Trennung der beiden Geschäftsleute, wonach das Unternehmen nun unter dem Namen "Schüttoff A.-G." firmierte. Das Portfolio war ebenfalls gewachsen und umfasste nun auch Fräsmaschinen.

Während der Arbeit bei Wanderer hatte Schüttoff die Motorradproduktion kennen gelernt und war selbst zum begeisterten Fahrer geworden. Zu seinen ehemaligen Mitarbeitern hatte Schüttoff noch einen guten Kontakt, so daß es ihm gelang, zwei Konstrukteure und einige weitere Mitarbeiter von Wanderer in sein Unternehmen zu locken. So ist es nicht verwunderlich, daß man 1923 ebenfalls mit der Produktion von Motorrädern begann. Die erste Modellreihe hieß unprätentiös "A".

Im Gegensatz zur Philosophie der Marke Presto baute man bei Schüttoff gut ausgestattete und solide, aber eben auch teure Maschinen. Ein weitere Pluspunkt bei den Schüttoff-Modellen war die Seitenwagenfestigkeit, was damals ein Top-Verkaufsargument war. Um die Marke zu festigen, musste man in den Motorsport einsteigen und war damit auch schnell erfolgreich. 1925 und 1926 holte man zweimal die Deutsche Meisterschaft in der Klasse bis 350 cm³ nach Altchemnitz.

Historisches Chemnitz - Schüttoff Schuettoff Historisches Chemnitz - Schüttoff Schuettoff
Zwei Abbildungen des Modell "F". Oben aus dem Jahre 1927 und darunter aus dem Jahre 1926.
Mit 350 cm³ Hubraum und 15 PS schaffte sie 115 km/h und nahm an Rennen teil.
Markenzeichen war der geschwungene Schriftzug und die rotbraune Tanklackierung.

Seitenwagen-Erfolge
Auch Seitenwagenmodelle mit Stoye-Seitenwagen bot man damals an. Artur Schüttoff hatte Hans Mittenzwei, den Mitinhaber des Stoye-Fahrzeugbaus aus Leipzig während einer Rennveranstaltung kennengelernt. Stoye war damals ein exklusiver Hersteller von Sport- und Komfortseitenwagen. Hans Mittenzwei übernahm mit seiner Frau im Seitenwagen auch Rennen für die Schüttoff-Sportabteilung und war damit ziemlich erfolgreich, bis er später zu Zündapp wechselte.

Historisches Chemnitz - Schüttoff Schuettoff
Hans Mittenzwei und seine Frau auf einer Schüttoff K500 mit Stoye-Sportseitenwagen beim Naumburger Bergrennen 1927

Schwierigkeiten
Ende der zwanziger Jahre kamen jedoch Schwierigkeiten. Es wurde in Deutschland eine führerscheinfreie Klasse bis 200 cm³ eingeführt, was zu einem Anmstieg der Verkaufszahlen in diesem Bereich sorgte. Schüttoff hatte dafür jedoch kein Modell parat. Aber man behalf sich 1928 mit einem Trick. Von den DKW-Werken in Zschopau wurde das Modell "DKW-Spezial 200" gekauft, umlackiert und unter der Firmierung Schüttoff als Modell "L" vertrieben. Da die Schüttoff A.-G. aber als angeschlagen galt, übernahm im selben Jahr DKW die Aktienmehrheit des Chemnitzer Unternehmens. Das war kein Akt der Nächstenliebe, denn für DKW brachte diese Übernahme eine Erweiterung der eigenen Palette zu den oberen Preissegmenten. So brachten die Modelle unter dem Namen "DKW-Schüttoff" für kurze Zeit Viertaktklänge in das DKW-Programm. Aber das war nur ein kurzes Intermezzo in der langen Zweitakt-Tradition von DKW.

Das Ende
Jedoch kam Schüttoff nicht mehr in Schwung. Selbst Pläne zum Eindringen in neue Märkte misslangen, so daß 1930 Schüttoff wirtschaftlich nicht mehr tragbar war. Das Unternehmen wurde liquidiert und ging damit an die Sächsische Staatsbank.

Die Werkzeugmaschinenfabrikation ging zur Firma Hile nach Dresden. Die restlichen Lagerbestände wurden bis 1933 noch abverkauft, so daß bis dahin die Marke weiterexistierte. Danach erlosch jedoch die Marke Schüttoff als aktiver Akteur des Motorradbaus in Chemnitz. Auf dem Gelände an der Rößlerstraße baute man jedoch weiter Fahrzeuge, denn 1934 zog hier die Auto-Union A.G. ein.

Historisches Chemnitz - Schüttoff Schuettoff

Zeitlicher Abriss
1909 Gründung
1918 Schüttoff A.-G.
1928 DKW-Aktienmehrheit
1930 Liquidation
1933 Ende des Abverkaufs


Wo finde ich Spuren?
Rößlerstraße 30.

Weiterführende Links
(Haftungsausschluss für externe Links - siehe Impressum)

www.stoye-seitenwagen.de
Informationen zum Thema Seitenwagen (u.a. von Schüttoff angeboten)

Buchempfehlungen
"Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech-Standort" Eine Chemnitzer Stadtteilgeschichte zu Altchemnitz und Umgebung, Verlag Heimatland Sachsen, Hrg.: J.Richter

Quellen
"Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech-Standort", darin S. 49-59 zur Geschichte der Schüttoff-Werke, Autor: Herr M.A. Dirk Schmerschneider

Verwendung der Inhalte nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors.
www.Historisches-Chemnitz.de