Die Prestowerke A.-G.

Das Presto-Werk an der Scheffelstraße um 1910
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Chemnitz war vor 1945 eines der wichtigsten Zentren des deutschen Fahrzeugbau.
Eines der wichtigsten Beispiele dafür waren die Presto-Werke in Altchemnitz.
Jedoch steht Presto im Bekanntheitsschatten der "Größen" Wanderer, Diamant etc.
Der Name des Gründers - Georg Günther - ist heute leider weithin unbekannt. Allein mit Wanderer Gegründet wurde das Unternehmen als Presto-Werke Günther & Co. 1895 als Fahrradbauer in Altchemnitz. Damals war man Vorreiter, da außer Presto nur noch eine andere Fahrradfirma - Winklhofer&Jaenicke - in der Stadt ansässig war. Dem allgemeinen Trend folgend bot man ab 1901 nicht nur "normale" Fahrräder sondern auch motorisierte Varianten an. 1907 wagte man einen wichtigen Schritt. Man baute und vertrieb in französischer Lizenz Delahaye-Wagen. Damit war der Einstieg in den Automobilbau vollzogen. Vom Erfolg ermutigt begann man kurz darauf mit der Produktion von eigenen Modellen. 1911 hatte man drei Varianten im Angebot, die nach dem damaligen Besteuerungssystem P6, P8 und P10 genannt wurden. Anders als andere Hersteller war der wichtigste Presto-Grundsatz die Einfachheit. Die Wagen waren recht einfach konstruiert und sollten auch von Laien gefahren und gewartet werden können. Jedoch waren Presto-Wagen keine Sparproduktionen. Ganz im Gegenteil - es galt das Motto: "Das Beste vom Besten". Um die Robustheit und Ausdauer der Fahrzeuge zu untermauern begab man sich auch in sportliche Konkurenz, was von verschiedenen Erfolgen gekrönt wurde. Den Bau von qualitativ hochwertigen Fahrrädern gab man jedoch nicht auf und produzierte diese weiterhin.
Die Weltwirtschaftskrise warf ihre Schatten voraus. Um besser am Markt bestehen zu können, vereinten sich die Presto-Werke nach dem Ersten Weltkrieg mit den Dux-Werken aus Leipzig, Vomag aus Plauen und Magirus zum "Deutschen Automobil-Konzern" kurz D.A.K. Aber die Krise traf auch die Presto-Werke. Nachdem das Unternehmen 1926 die Dux-Werke aus Leipzig übernommen hatte wurde man 1928 an die "Nationale Automobilgesellschaft (NAG) angegliedert. Hinter der NAG stand die Autoabteilung der A.E.G. in Berlin. Das Unternehmen in Chemnitz firmierte nun unter dem Namen "Nationale Automobil-Gesellschaft A.-G. Abteilung Prestowerke, Chemnitz". Die Fahrzeuge wurden als NAG-Presto verkauft. Aber auch die große NAG geriet in Schwierigkeiten. Man verkaufte zuerst das Firmengelände in Altchemnitz an die Auto-Union, was danach bis 1935 geräumt werden musste. Automobile wurden von nun an von Presto nicht mehr produziert. Daraufhin verlagerte man die Produktion der Fahrräder und der Zulieferteile für die Automobile in die Dorfstraße 52/62, auf das Gelände der ehemaligen Pöge Electricitäts A.G. Dieses renomierte Chemnitzer Unternehmen war kurz zuvor der Weltwirtschaftskrise zum Opfer gefallen.
1939 beschäftigte man etwa 950 Arbeiter und Angestellte, aber der Krieg warf seine Schatten voraus. Presto wurde in die Kriegsproduktion einbezogen. Nur die Fahrräder überlebten als einziges ziviles Produkt. Aber am 15.6.1942 war auch das vorbei. Nach einer Anweisung durften nur noch einige wenige Hersteller in Deutschland Fahrräder produzieren, da das Material für kriegswichtige Zwecke benötigt wurde. Presto war davon betroffen, da man relativ klein war. In der Folge versuchte man mit allen Mitteln dies zu verhindern und den traditionsreichen Fahrradbau zu erhalten. Aber es reichte nur für einen kurzen Aufschub. Am 30. April 1943 endete die 48-jährige Geschichte des Fahrradbaus in den Presto-Werken. Am Ende noch eine Schmach: Die übriggebliebenen Materialien mussten an die Elite-Diamant-Werke in Siegmar übergeben werden - lange Zeit einer der größten Konkurrenten der Presto-Werke.
Der Krieg neigte sich dem Ende und damit kamen die Bombenangriffe. Auch die Presto-Werke wurden stark zerstört. Nach dem Einmarsch der Russen erfolgte die Demontage und am 3.Oktober 1945 die Bestätigung über die "Herrenlosigkeit" des Werkes. Die Presto-Werke hörten damit auf zu bestehen. Zwar war kurzzeitig geplant mit etwa 30 Mitarbeitern die Fahrradproduktion wieder aufzunehmen, aber dazu kam es nicht. Die von der Demontage übriggebliebenen Anlagen wurden dem VEB Fahrzeugelektrik zugeteilt. Hier lebte eine kleine Komponente des traditionsreichen Chemnitzer Fahrrad- und Automobilbaus bei Presto bis zur Wende weiter. |
Zeitlicher Abriss 1895 Gründung 1901 Motorräder 1907 Automobile 1907 Delahaye-Produktion 1926 Übernahme der Dux-Werke 1928 Übernahme durch die NAG 1935 Produktionsstandort Dorfstraße 1943 Einstellung der Fahrradprod. Wo finde ich Spuren? In der Scheffelstraße 110 ist heute das Gebäude des ehemaligen Presto-Werkes zu sehen. Das Gebäude diente später auch als Sitz der Auto-Union AG und zu DDR-Zeiten als Krankenhaus. Logovariationen
In einer frühen Firmenwerbung ist ein Lobbrief eines Herrn Rasmussen abgedruckt, der darin seinen P8 lobt. Wenig später wird dieser Herr Rasmussen als Direktor der DKW-Werke in Zschopau ebenfalls Automobilgeschichte schreiben. Eine Episode am Rande So ändern sich Zeiten und Sichtweisen: Um die zivile Fahrradproduktion zu erhalten, berief man sich 1943 auf einen "hohen" Rüstungsanteil von 90%. Um 1945 nach dem Einmarsch der Russen der anstehenden Demonatge zu entgehen, wurde der Rüstungsanteil auf 75% heruntergerechnet. Ein Bild mit Geschichte Das Bild entstand 1922 und wurde mir freundlicherweise von Herrn Booy aus den Niederlanden zur Verfügung gestellt. Er erhielt es von einem 86-jährigen Mann - die Originalperson, die auf dem Bild neben dem Fahrer sitzt. Der Mann erinnerte sich sehr gut an das wunderbare Gefühl beim Fahren mit dem Presto-Wagen. Sein Onkel hatte die maximale Geschwindigkeit auf 45 km/h begrenzt, da er dachte, daß sonst die Tante zu schnell fahren könnte. Das Bild wurde 1922 für eine Lokalzeitung geschossen. Die originale Aufnahme ging bei der Bombardierung Den Haags im II. Weltkreig leider verloren und nur diese Kopie blieb erhalten. Wahrscheinlich stellt es einen Presto 12/15 dar, der zwischen 1913 und 1921 produziert wurde. Die altmodischen Carbid-Scheinwerfer und die Petroleum-Lichter lassen darauf schließen, daß dieses Auto bis maximal 1917 gebaut wurde. Das das Bild aber nach 1920 geschossen wurde, laesst sich vom modernen Hut des Onkels ableiten. Eine schöne Geschichte, finde ich... Weiterführende Links (Haftungsausschluss für externe Links - siehe Impressum) http://rutgerbooy.nl Die Seite mit der Geschichte zum Bild www.oldsachsmotor.de Die Seite zu alten Fichtel&Sachs-Motoren, die u.a. auch bei Presto verwendet wurden. www.hobby-freizeitseite.de Buchempfehlungen "Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech-Standort" Eine Chemnitzer Stadtteilgeschichte zu Altchemnitz und Umgebung, Verlag Heimatland Sachsen, Hrg.: J.Richter Quellen "Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech-Standort", darin S. 49-59 zur Geschichte der Presto-Werke, Autor: Herr M.A. Dirk Schmerschneider |
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