Moritz Samuel Esche
Historisches Chemnitz - Moritz Samuel Esche
Noch heute zu sehen - Das Gebäude an der Zwickauer Straße

Das Unternehmen und der Name Esche - hier gehen wir weit, weit zurück in die Geschichte, denn wir haben hier wohl das älteste Chemnitzer Unternehmen überhaupt vor uns. Die Erfolgsstory beginnt bereits 1618 und entwickelt sich von einem Kutscher hin zu einem führenden Weltunternehmen.

Der erste sächsische Webstuhl
Doch beginnt unsere Geschichte nicht in Chemnitz, sondern ein Dutzend Kilometer davon entfernt im kleinen Örtchen Köthensdorf. Hier wird 1682 ein Johann Michael Esche geboren. Die Familienlinie lässt sich noch weiter zurück verfolgen, bis 1618 zu Hans Esche aus Rußdorf. Aber bleiben wir bei besagtem Johann Esche. Im Jahr 1700 zog die Familie von Köthensdorf nach Limbach, daß damals etwa 200 Einwohner hatte. In Limbach arbeitete der Vater von Johann als erster Schwarzfärber. Der Sohn jedoch wurde Kutscher beim Rittergutsbesitzer Antonius II. von Schönberg. In dieser Funktion soll er auf einer Reise in Dresden einen französischen Handwerker mit einem Webstuhl gesehen haben. Nach seiner Rückkehr baut er einen solchen aus der Erinnerung nach - die Legende von der Erfindung des ersten sächsischen Webstuhles.

Mit der Unterstützung der Schönberger Herrscher entwickelte sich der kleine Einmannbetrieb enorm, so daß Johann Esche bald als Unternehmer angesehen wurde und als Verleger von Stoffen tätig war. Johann Esche war aber nicht nur der erste unter den Limbacher Stofffabrikanten, er setzte auch Maßstäbe betreffs des sozialen Engagements. Seine Arbeiter mussten hart arbeiten, aber der Firmeninhaber sorgte sich auch um das Wohlergehen der Arbeiter. Er selbst arbeitete hart und gönnte sich fast keinen Luxus. Mit dieser Strategie schaffte er es bald, zu den größeren Unternehmen in der Region Limbach zu gehören.


Aus Limbach in die ganze Welt
1752 übernimmt David Esche - ein Sohn Johann Esches - das Unternehmen und entwickelt es weiter. Er übergibt es später wiederum seinen Sohn - Johann Samuel Esche. Dieser ist es dann auch, der als erster Unternehmer aus Limbach Kontakte zu Händlern in anderen Ländern sucht. Er gilt heute als der Begründer der Exportwirtschaft von Limbach-Oberfrohna.

1834 übernimmt sein Sohn Moritz Samuel gemeinsam mit seinem Bruder Traugott Reinhold die Geschäfte von seinem Vater. Doch scheinbar geht es nicht gemeinsam und so trennt man sich nur zwei Jahre später im Jahre 1836 bereits wieder. Traugott Reinhold baut später sein eigenes Unternehmen auf. Die Traditionslinie der Esches führt nun aber Moritz Samuel allein weiter. Es gibt erstmals Kontakte zu Kunden in den USA. Die Geschäfte laufen gut. Seit ihm nun führt das Unternehmen auch in späteren Generationen den offiziellen Namen "Moritz Samuel Esche" weiter. Der Namenspatron selbst übergibt im Jahre 1843 das Geschäft an seine beiden Söhne Julius und Theodor weiter. Doch Julius Esche kommt frühzeitig ums Leben und so führt Theodor die Geschäfte allein weiter. Er ist es, der das Familienunternehmen nach fast zweihundert Jahren Geschäftstätigkeit in Limbach in das benachbarte Chemnitz führt.


Nach Chemnitz
Aber warum blieb man nicht in Limbach, wo die Tradition des Unternehmens so tiefe Wurzeln hat? Ganz einfach: Man brauchte die Eisenbahn. In dieser Zeit erhielt Chemnitz seinen ersten Gleisanschluss. Eine Tangierung der Strecke mit Limbach war nicht vorgesehen und so entschied sich Theodor Esche pragmatisch, ließ ein neues Firmengebäude errichten und zog samt Unternehmen kurzerhand nach Chemnitz um.

1886 zog man in das neue Gebäude nach Kappel um und im Laufe der Jahrzehnte wurde das Areal ständig erweitert. Um 1911 beschäftigte man etwa 700 Arbeitskräfte in der Firma. Mit hervoragenden Maschinen ausgestattet, fertigte man feinste Wirkwaren. Die Kunden des Unternehmens saßen nicht nur in Deutschland, sondern ebenfalls in Europa und der ganzen Welt.


Historisches Chemnitz - Moritz Samuel Esche
Aufnahme um 1910

Im März 1945 wurde das Gebäude im Bombenhagel schwer beschädigt und wurde nach Kriegsende nur behelfsweise wieder hergestellt. Bis 1953 blieb das Gebäude im Besitz der Familie Esche, bevor diese Chemnitz endgültig den Rücken kehrte. Das Haus wurde nun von unterschiedlichen Unternehmen als Lager- und Produktionsgebäude benutzt.

Nach der Wende konnte man 1990 mit der grundlegenden Sanierung des ehrwürdigen Gebäudes beginnen. Heute ist hier ein Ärztehaus, mehrerer Firmen und das Sozialamt untergebracht.


Moritz Samuel Esche
(1785-1854)

Zeitlicher Abriss 
1682 Geburt Johann Esches
1700 Umzug nach Limbach
18. Jhr. erster Webstuhl
1752 David Esche
1785 Moritz Saml. Esche geboren
1834 Übernahme der Firma
1843 Weitergabe an die Söhne
1870 Umzug nach Chemnitz
1886 Umzug nach Kappel
1945 Beschädigung
1990 Sanierung

Wo finde ich Spuren?
An der Ecke der Zwickauer Straße zur Goethestraße befindet sich noch heute das Hauptgebäude. Es beherbergt heute neben Firmen u.a. das Sozialamt.(Goethestraße 5)

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