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Wanderer ist bekannt, Hartmann ist bekannt, Haubold und Heckert sind bekannt.
Aber wer kennt heute schon noch das Werkzeugmaschinenbau-Unternehmen "Mossdorf & Mehnert"?
Genau diese Art von Unternehmen macht dieses Projekt so interessant, denn
zu Ihrer Zeit prägten sich neben den "Großen" maßgeblich das Image und das
Bild des boomenden Industriezentrums Chemnitz. Von vielen Unternehmen dieser
Art und Größe existieren heute nur noch stumme Zeugen, und haben doch den
Ruf Chemnitz als sächsisches Manchester zur damaligen Zeit mit- und ausgeprägt.
Unglaubliches Wachstums
"Mossdorf & Mehnert" wurde am 15.Mai 1888 gegründet. Die
Gründungsväter waren - wie häufig in der damaligen Zeit - ein Ingenieur
und ein Kaufmann - Richard Mossdorf und Paul Mehnert. Der
Geschäftszweck war die Herstellung von Fräsmaschinen. Der Geschäftsbetrieb
von "Mossdorf & Mehnert" begann in einem gemieteten Parterre-Etablissement in der Hainstraße 19. Dort
wo sich früher das Gebäude befand, führt heute der Schienenstrang
der Eisenbahn aus und in Richtung Zwickau. Das Gebäude wurde
also im Zuge der Erweiterung der Eisenbahnstrecke später abgerissen.
Bereits wenige Monate nach der Betriebsgründung musste "Mossdorf & Mehnert" erweitert werden, was durch Hinzunahme eines weitern Betriebssaales geschah. Doch das Unternehmen boomte, so daß bereits 1889 der Umzug auf die Dresdner Straße 57 erfolgte. Dort befand sich ein Wohnhaus und daran angrenzend das Fabrikgelände. Damals war man stolz auf die Unterteilung in Parterresaal im Erdgeschoß, der Galerie im Oberbereich und einem separaten Modellraum. Dazu gehörten das Kesselhaus, das Gebäude für die Dampfmaschine sowie einige Lagerschuppen.
1894 kam es zum Ausscheiden von Paul Mehnert, so daß Richard Mossdorf ab sofort das Unternehmen als alleiniger Inhaber weiterführte. 1900 bereits musste bei "Mossdorf & Mehnert" erneut - ein heute schier unglaubliches Unternehmenswachstum - angebaut werden. Es entstand eine große Montagehalle und dazu ein zweites Kesselhaus auf dem zugekauften Nachbargrundstück. Nachdem auch dieser dazugewonnene Platz nicht mehrausreichte, stockte man bei "Mossdorf & Mehnert" das alte Industriegebäude um ein zweites zusätzliches Stockwerk auf - auch dies aus heutiger Sicht schier unglaublich. Der untere Montagesaal konnte nun als ganzheitlicher Arbeitssaal genutzt werden, wogegen das neuentstandene Obergeschoß als Modellraum genutzt wurde, da es mit großen Oberlichtfenstern dafür bestens geeignet war. 1906 verlegte man das Schreib- und Zeichenbüro in die Palmstraße 5, wovon aus man auch in das Fabrikgelände kam. Um 1910 herum hatte man etwa 150 Mitarbeiter, 150 Werkzeugmaschinen in Besitz, dazu eine 80-PS-Dampfmaschine (entgegen der alten 7-PS-Maschine von 1888) sowie 70 Apparate und drei große Laufkräne - wovon zwei sogar elektrisch betrieben wurden. Einfache Produkte
Warum ging "Mossdorf & Mehnert" unter?
Das was "Mossdorf & Mehnert" groß gemacht hatte, waren die Fräsmaschinen gewesen.
Doch entgegen anderer Chemnitzer Größen wie etwa
Wanderer blieb der Fräsmaschinenbau über all die Jahre die alleinige
Produktgruppe des Unternehmens. Dabei spezialisierte man sich darüber hinaus
noch auf einfache, Universal- und Doppeöfräsmaschinen sowie größerer Planfräsmaschinen.
Diese Ausrichtung auf ein so spezielles und eingegrenztes Portfolio und das
Fehlen von "innovativen" Produkten war es - rein spekulativ - wohl letztlich
auch, was zum Untergang des Unternehmens geführt haben mag.
"Mossdorf & Mehnert" wurde am 1. Juli 1918 von den Wotan-Werken A.G. übernommen.
Somit sind noch heute kleine Spuren von "Mossdorf & Mehnert"
in der heutigen Werkzeugmaschinenfabrik Glauchau GmbH vorhanden.
(siehe Geschichte der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik vorm. Joh. Zimmermann)
Neues Leben in alten Maschinen
Aber Totgesagte leben länger. Vor einiger Zeit erhielt ich die unten stehenden
Bilder, die mir Herr
Werner Roden aus Vettweiß freundlicherweise zur Verfügung stellte. Herr
Roden fand diese alte Fräsmaschine von "Mossdorf & Mehnert" in einem Stall und
ist nun dabei, diese liebevoll zu erhalten um der alten "Dame" wieder Leben
und neue Betriebsamkeit einzuhauchen.
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Zeitlicher Abriss
1888 Gründung
1889 Umzug 1894 Mossdorf alleinier Inh. 1900 Anbau 1906 Erweiterung Wo finde ich Spuren?
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Weiterführende Links
Homepage des
Herrn Roden aus Vettweiß, der mir freundlicherweise die nebenstehenden
Bilder der "alten" Fräsmaschine von "Mossdorf & Mehnert" zur Verfügung
gestellt hat.
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