Carl Gottlieb Haubold
Der Vater des Chemnitzer Maschinenbaus
Der Name "Haubold" ist eng mit der großen Tradition Chemnitz als Maschinenbaustandort verbunden. Er war sozusagen der "Erste". Bei ihm arbeiteten Richard Hartmann und Johann Zimmermann, bevor sie ihre eigenen Unternehmen gründeten. Haubold gehört zu den bedeutensten Vätern des Rufes der Stadt als Industriestandort von Weltrang und gilt als der Gründer des Chemnitzer Maschinenbaus.


Die Anfäng
Die Familie Haubold stammt aus dem nahen Auerswalde.1783 wird Carl Gottlieb Haubold in Oberauerswald in der Nähe von Chemnitz geboren. Seine Eltern müssen wohl arme Bauern gewesen sein. Carl Gottlieb ging ab 1797 beim Zimmerermeister Mendel in Chemnitz in die Lehre und arbeitete seit 1807 bei der Maschinenspinnerei der Gebrüder Bernhard in Harthau. Bald darauf konnte er sich als selbstständiger Zimmermeister etablieren. Nach und nach eignete er sich die nötigen Fähigkeiten des technischen Zeichnens an. Nachdem er größtenteils in der Holzbearbeitung tätig war begann er in der Werkstatt in der Brüdergasse (Nr. 339) - in der er nicht nur arbeitete sondern auch wohnte - erste Schritte in Richtung Maschinenbau zu unternehmen und errichtetet 1811 eine mechanische Maschinenbauanstalt.


In der Wöhlerschen Spinnerei
Das Unternehmen florierte und wuchs, so daß genügend Geld für neue Investitionen frei wurde. Von seinem Vetter Carl Gottfried Haubold unterstützt, konnte Carl Gottlieb 1826 die Wöhlersche Spinnerei erwerben. Diese war 1800 erbaut worden und gilt damit als die älteste Spinnerei in ganz Sachsen. Zuerst betrieb Haubold die Spinnerei weiter, verlagerte aber bald darauf seine Abteilung Maschinenbau in das Spinnereigebäude. Später wird man dies als Geburtsstunde des Chemnitzer Maschinenbaus betrachten. Zur damaligen Zeit hatte Haubold bereits 30 Angestellte.

1830 nahm Haubold je 10.000 Taler Kredit beim Sächsischen Staat auf, um das rasante Wachstum seines Unternehmens - unter anderem die Aufnahme der Produktion von Reißwölfen und Halbzeugpressen für die Lumpen- und Papierherstellung - finanzieren zu können. Doch bereits zwei Jahre später - 1832 - kam ein neuer Kredit von wiederum 10.000 Talern dazu.

Der Ruf seiner Arbeit wurde nach und nach auch über die Grenzen von Chemnitz hinweg getragen und das Unternehmen nahm regen Aufschwung. Viele fremde Arbeitskräfte strebten nun danach, bei Haubold zu arbeiten. Unter diesen sind berühmte Namen, wie etwa Richard Hartmann, Johann Zimmermann und auch der Begründer der Lokomotivfabrik "Beyer, Peacock und Comp." aus Manchester.

Das das Gewerbe damals boomte, mag die Tatsache verdeutlichen, daß beispielsweise 1834 nur drei Arbeiter aus Chemnitz selbst kamen, wogegen 26 aus Sachsen, 16 aus dem restlichen Deutschland und 6 aus dem Ausland stammten. Interessanterweise war die Struktur der Arbeiter so beschaffen, daß die "Fremdarbeiter" die am höchsten qualifizierten waren, die weltläufig und gebildet waren, wogegen die untere Qualifizierungsebene sich hauptsächlich aus Arbeitern aus der näheren Region und der Stadt selbst zusammensetzte.


Das erste Kartell in Sachsen
1830 kommt es zu einem interessanten Vorgang, einer Art Monopolbildung und damit die erste bekannte kartellartige Vereinbarung in Sachsen, euphemistisch "Arbeitsteilung" genannt. Über die Hintergründe und Details lesen Sie bitte hier.


Historisches Chemnitz - Carl Gottlieb Haubold
Fabrikgelände um 1840



"...ihm die Arbeit sofort aufgekündigt"
Der 11.Januar 1834 ist ein Samstag und Lohntag. Beim Abholen der Lohntüten ließ Haubold seinen Arbeiter eine Fabrikordnung zur Unterschrift vorlegen. Es war die erste von Chemnitzer Fabrikordnungen. Es kam sofort zum Streik. Über die Hintergründe und Details lesen Sie bitte hier.


Haubold verkauft sein Unternehmen
1836 werden die ersten Rückzahlungen aus den Krediten fällig - und die kann Haubold nicht bedienen. Daher ist er gezwungen, sein Unternehmen zu veräußern. Haubold verkauft sein Unternehmen an die Sächsische Maschinenbau-Compagnie, stand dem Werk aber weiter als technischer Leiter vor. Später, nachdem er diesen Posten aufgibt, errichtet er in der heutigen Hartmannstraße eine eigene Kammgarnspinnerei, während sein Vetter weiter den Maschinenbau betreibt. 1840 übersiedelt er seine Kammgarnspinnerei wieder nach Harthau auf das Gelände der ehemaligen Wieckschen Fabrik. Carl Gottfried Haubold bleibt weiter in der Hartmannstraße.

Am 18.Mai 1856 stirbt der "Vater des Chemnitzer Maschinenbaus" Carl Gottlieb Haubold in Rochlitz.

Historisches Chemnitz - Carl Gottlieb Haubold
Carl Gottlieb Haubold
1783 - 1856



Zeitlicher Abriss
1783 Geburt in Oberauerswalde
1797 Lehre
1811 Mech. Masch.bauanstalt
1822 Baumwollspinnerei
1826 Kauf Wöhlersche Fabrik
1826 1. Kammgarn-Spinnmaschine
1829 1. Krempelmaschine
1830 "Arbeitsteilung"
1834 "Fabrikordnung" und Streik
1836 Verkauf an Sächs. Maschiennbau-Comp.
1856 Tod in Rochlitz


Wo finde ich Spuren?
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www.Historisches-Chemnitz.de