Haubolds
Großleistungs-Zentrifugen

Historisches Chemnitz - C.G. Haubold - Zentrifugenbau
Ganzselbsttätige Großleistungszentrifuge mit 2 Metern Zentrifugen-Durchmesser



"Im Jahr 1840 bauten wir die erste Zentrifuge, und zwar die erste überhaupt, die in Deutschland gebaut wurde." das ließ die Geschäftsleitung in den dreißiger Jahren stolz verlauten. Und damit ist ja auch alles wichtige gesagt.
Im Laufe der Jahre wurde man dabei sehr professionell - zum einen verbreiterte sich die Nachfrage nach den verschiedensten Spezifikationen, zum anderen wurde man natürlich mit den Jahren an Erfahrung immer und immer besser.

Eingesetzt wurden die unterschiedlichsten Zentrifugen unter anderem bei der Aufbereitung von Speisesalz, Bicarbonat, Bittersalz, Feinsoda, Pottasche, Chlorkalium, Zellulose, Nitrozellulose und vielen anderen wichtigen Rohgütern.


Großleistungs-Zentrifugen D.R.P.
Als erster führte man denn dann auch die sogenannten "Großleistungszentrifugen" ein, auf denen man ein Patent des Deutschen Reichspatentamtes hielt. Diese großen Zentrifugen erlaubten es erstmals größere Mengen in kürzerer Zeit zu zentrifugieren und kam damit den gewachsenen Ansprüchen der aufblühenden Wirtschaft nach. So schaffte man beispielsweise mit einer 2-Meter-Zentrifuge je Stunde etwa 3 Tonnen Schleudergut zu bearbeiten. Eine enorma Leistung.


Robust und stark: die Ausführung
Jedoch ist das heute wohl so einfach dahin geschrieben. Damals wurde viel Schaffenskraft und Hirnschmalz in die Entwicklung gesteckt, denn solche groß dimensionierten Anlagen bringen gewisse Schwierigkeiten mit sich. Die Beanspruchungen - zumal bei fast ununterbrochenen Betrieb - sind enorm, deshalb legte man bei Haubold den größten Wert auf die Auswahl der Materialien. Die Lauftrommel beispielsweise wurde entweder aus Stahl, Kupfer oder aus Bronze gefertigt und dann auf Wunsch gelocht oder mit Innenfiltern versehen. Bei Bedarf leiferte man die Trommeln auch mit einem Gummi- oder aber Blei-, Zink- oder Zinnüberzug aus - je nach Verwendungszweck.

Die Trommelachse, also das Bauteil, das wohl alles zusammen halten muß, wurde aus Stahl mit besonders großer Festigkeit und hoher Dehnung gefertigt. Diese Achse lag dann in extrem robusten doppelreihigen Kugellagern und ruhte auf einem gusseisernen schweren Untersatz geschützt mit gusseisernen Wänden und einem starken schmiedeeisernen Mantel. Wegen der Langlebigkeit und der Unempfgindlichkeit besispielsweise gegen säurehaltige Materialien wurde das Gehäuse innen mit Blei, Zink oder Zinn, in besonders wichtigen Fällen auch mit Mauerwerk ausgekleidet.

Um das Bedienpersonal zu schützen, war die gesamte Trommel verkleidet, so daß die Arbeiter an den Zentrifugen weder mit der Trommel selbst wie auch mit dem - eventuell giftigen oder säurehaltigen - Inhalten in Berührung kommen konnten. Auch diente die Verkleidung zum Schutz vor unangenehmen Gerüchen und Gasen, die beim Schleudervorgang auftreten können.


Funktionsweisen
Bei den Großleistungs-Zentrifugen unterschied man nach halbselbsttätig und ganzselbsttätig arbeitenden Zentrifugen. Die Grundarbeitsweisen waren identisch. Über eine Rohrleitung, einen Großtrichter oder eine Zuführschnecke gelangte das Schleudergut in die Zentrifugentrommel. Dabei benutzte man eine besonders ausgeklügelte Technologie: Man drehte kurz vor dem Füllen die Trommel kurz an, so daß sie dann bei kleiner Umdrehungszahl unter Ausnutzung der eigenen Schgwungkraft das Füllgut in die Lauftrommel aufnehmen konnte. Mit diesem energiesparenden Trick gelang es, die eigentliche Schleuderzeit extrem zu verkürzen, da schon allein beim Befüllvorgang das Material angeschleudert - und beispielsweise entfeuchtet - wurde. Auch bleibt das Füllgut bei diesem Vorgehen beim Vordrehen lockerer und verklumpt nur wenig. Nach dem Schleudervorgang bremst man die Zentrifuge nicht ab, sondern lässt sie durch Ihre eigenen Schwungkraft auslaufen. Dabei kann man bereits mittels eines einschiebbaren Schabers das Füllgut von den Zentrifugenwänden lockern und über eine Rinne ableiten. Dabei wirkt der Schaber nach Beendigung seiner Arbeit gelichzeitig als automatische Bremse. Der Schaber arbeitet dabei vollständig automatisch und muß nicht durch einen Arbeiter bedient werden.
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