Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Fabrikbau an der Ecke Hartmannstraße/Reichsstraße, gebaut 1917, erweitert 1921-1923, später ERMAFA, heute Ermafa-Passage



Der Name "Haubold" ist eng mit der großen Tradition Chemnitz als Maschinenbaustandort verbunden. Carl Gottlieb Haubold war sozusagen der "Erste", sein Vetter Carl Gottfried Haubold - über den wir hier sprechen - hat diese Tradition fortgeführt und ausgebaut.


Herkunft
Die Familie Haubold stammt aus Oberauerswalde in der Nähe von Chemnitz. 1783 wird dort Carl Gottlieb Haubold als Sohn von armen Bauern geboren. 1792 folgt sein Vetter Carl Gottfried. Carl Gottlieb nahm 1826 in der ehemaligen Wöhlerschen Spinnerei mit seiner Webstuhlfabrik die Fabrikation von Webmaschinen auf und baute in den 20er Jahren des 19.Jahrhunderts die erste Kammgarnspinnmaschine. Er gilt als der "Vater des Chemnitzer Maschinenbaus". Nach Verkauf seines Unternehmens an die Sächsische Maschinenbau-Compagnie und der Aufgabe der Firmenleitung errichtete er 1839 an der Hartmannstraße eine Kammgarnspinnerei, während Carl Gottfried im hinteren Gebäudeteil den Maschinenbau betrieb und dort sein Unternehmen gründete. Das war die Geburtsstunde des Unternehmens "C.G.Haubold jr."


Aufschwung
Am 8.Oktober 1837 wurde also das des Unternehmens "C.G. Haubold jr." begründet. Zwei Jahre später im jahre 1839 übersiedelte Carl Gottlieb Haubold mit seiner Kammgarnspinnerei nach Harthau und überließ damit seinem Vetter Carl Gottfried das Gelände an der Hartmannstraße. In diesen Jahren wurden bei Haubold "bahnbrechende" Produkte entwickelt, die sich weltweit durchsetzen konnten. Zu nennen ist hier die Produktion des europaweit ersten Kalanders zur Papierglättung und 1841 der Bau der ersten deutschen Zentrifuge. 1885 baute man das erste walzwerk für die gummiverarbeitende Industrie.

Mehr zum Thema "Bau von Großleistungs-Zentrifugen bei Haubold" erfahren Sie hier.


Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Baumwollkrempel zum einmaligen Krempeln der Wolle.



Nach dessen Tode übernahm sein Sohn Friedrich Hermann Haubold das Unternehmen und führte es in bester Tradition weiter. Ihm folgte dann sein Sohn Carl Herrmann Haubold nach. Unter seiner Leitung nahm das Unternehmen einen erheblichen Aufschwung. Dafür und für seine sonstigen Leistungen wurde ihm 1899 vom König von Sachsen das Ritterkreuz zum Albrechtsorden 1.Klasse verliehen und wenig später zum Kommerzienrat ernannt. Beispielsweise trieb er die Vergrößerung des Unternehmens voran, indem er das an das Firmengelände angrenzende Uhlische Stadtgut (daher der Name Uhlichstraße) kaufte. 1905 verstarb Carl Hermann Haubold nach einer schweren Krankheit.


Das Unternehmen als G.m.b.H.
Nach Carl Hermann Haubolds Tod wurde das Unternehmen auf Grundlage des Testamentes in eine "G.m.b.H." umgewandelt. Als Geschäftsführer führte es ab 1914 der Neffe des Verstorbenen, Dr.-Ing. h.c. Carl Hermann Haubold weiter. Unter dessen Leitung nahm das Unternehmen einen rasanten Aufschwung. So wurde beispielsweise das heute noch erhaltene Gebäude an der Hartmannstraße errichtet und später das Unternehmen in die Aktiengesellschaft "C.G.Haubold A.G." umgewandelt.

Von einer Studeinreise nach Südamerika brachte Dr.Haubold Erfahrungen in Gießereitechniken mit. Das Unternehmen erwarb im Stadtteil Borna ein großes Gelände an der Wittgensdorfer Straße, wo 1913/14 eine großflächige Giesserei entstand.


Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Blick in die Granatendreherei.



Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Montage beider Firmengelände auf einem Briefkopf von 1919.



Das Firmengelände
Historisches Chemnitz - C.G. Haubold Historisches Chemnitz - C.G. Haubold


VEB Erste Maschinenfabrik Karl-Marx-Stadt
Im Zweiten Weltkrieg nahm man auch Torpedos in das Produktionsprogramm auf. Während der Bombardierung Chemnitzes 1945 wurden die Haubold-Werke zu etwa 80% zerstört.

Nach dem Kriege wurde ein Großteil der Anlagen demontiert und nach Russland verbracht. Aber es ging weiter. Die Demontagen wurden am 15.Dezember 1945 beendet und danach das Werk den Deutschen überlassen. Der Wiederanfang war sehr schwer. Zuerst wurden die Kriegsschäden beseitigt. Diese Aufräumarbeiten dauerten bis 1946 im Maschinenbau sogar bis 1947 an. In Borna erfolgte der erste Ofenabstich am 17.Juli 1946. Im Maschinenbau startete man 1947 mit Reparaturleistungen für andere Betriebe.

Aufgrund des Befehls Nr.76 der sowjetischen Militäradministration vom 23.April 1948 erhielt das Unternehmen einen neuen Namen: "Erste Chemnitzer Maschinenfabrik VEB", der 1953 in "VEB Erste Maschinenfabrik Karl-Marx-Stadt" modifiziert wurde. Die ehemaligen Haubold-Werke waren damit volkseigener Betrieb. Im Volksmund bürgerte sich sehr schnell die Abkürzung "Ermafa" ein.

In den Zeiten der DDR-Volkswirtschaft veränderte sich das Unternehmen vom "reinen" Maschinenbauer hin zum Multi-Anbieter. Neben Maschinen für die Reifenindustrie, Walzwerken für die Gummiverarbeitung und anderen Maschinen stellte man seit 1953 auch Haushalts-Wäscheschleudern für die Konsumgüterproduktion her, die durchgehend bis 1991 gefertigt wurden. In Borna unterhielt man in der Ernst-Schneller-Oberschule (ehemalige Hindenburgschule) auch ein sogenanntes "PA-Kabinett", wobei "PA" für das Unterrichtsfach "Praktische Arbeit" steht. Hier wurden von Schülern Wäscheschleudern repariert, aber auch LKW-Rücklichter und Unterbrecherplatten für den Trabant hergestellt.


Neuanfang nach 1990
Mit der Wende 1990 lösten sich die Kombinatsstrukturen und auch die osteuropäischen Märkte auf, was für das Unternehmen fatale Folgen hatte. Aus dem "VEB Erste Maschinenfabrik" ging die "Ermafa-Kunststofftechnik Chemnitz GmbH & Co.KG" hervor, während von den bisherigen 1.000 Mitarbeitern nur etwa 100 ihren Arbeitsplatz behielten. Die Giesserei in Borna wurde ein selbstständiges Unternehmen, das noch heute Gussstücke in alle Welt liefert.

Im Jahre 2000 erfolgte bei der Ermafa-Kunststofftechnik ein Gesellschafterwechsel durch Management-Buy-Out - die belegschaft übernahm das Ruder - und das Unternehmen vollzog den Umzug von den Bornaer Gefilden in ein Gewerbegebiet in Chemnitz-Siegmar.

Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Carl Gottfried Haubold
1792 - 1862

Historisches Chemnitz - C.G. Haubold
Carl Hermann Haubold
1845 - 1905



Zeitlicher Abriss
1792 Geburt
1837 Gründung
1862 Tod C.G.Haubold
1945 Demontage
1946/47 Neubeginn
1948 Ermafa


Wo finde ich Spuren?
Hartmannstraße/Ecke Reichsstraße: Ehemals großer Fabrikbau Haubolds, beherbergt heute die "ERMAFA-Passage" und ein Möbelhaus


Trendsetter
  • Erster Kalander zur Papierglättung in Europa
  • Erste Zentrifuge in Deutschland
  • Erstes Walzwerk für die gummiverarbeitende Industrie


www.Historisches-Chemnitz.de