Die Chemnitzer Loktransporte
Historisches Chemnitz - Loktransporte
Der Loktransport mit Pferden - Jedes Mal ein Spektakel.
Ein Kuriosum der Maschinenbautradition. Im Unternehmen Richard Hartmanns baute man seit 1848 Lokomotiven. Seit 1852 war Chemnitz mit einem Bahnanschluß versehen. Aber der größte Lokomotivfabrikant besaß bis 1908 keinen eigenen Gleisanschluss. Doch wie kamen die Fabrikate dorthin, wo sie hingehörten - auf das Gleis? Ganz einfach:

Anfangs - bevor Chemnitz einen Bahnhof hatte - nahm man die Lokomotiven nach der Produktion wieder auseinander und schaffte sie in Teile zerlegt nach Leipzig, wo sie übergeben wurden. Später nach 1852 transportierte man die schweren Loks auf einer Art Kutsche von bis zu 24 Pferden gezogen durch die engen Straßen bis zum Hauptbahnhof. Jedes Mal ergab sich dabei ein Spektakel für Jung und Alt. Um die wöchentlich produzierten zwei bis drei Lokomotiven zu befördern, standen bei Hartmann bis zu dreißig Pferde sowie Kutscher und ein eigener Schirrmeister bereit.

In der Regel begannen die Transporte am frühen Nachmittag gegen 14 Uhr unter Begleitung einer Polizeieskorde, die hauptsächlich für die Sicherheit zuständig war. Wilhelm Ulbrich - damaliger Schirrmeister beschreibt es so: "Unsere Pferde wussten sofort Bescheid. Ich kommandierte - Achtung! Los! Die Kutscher schwangen die Peitschen, und mit einem Ruck legten sich die Pferde ins Geschirr. Zwanzig der schwersten Pferde in Viererreihe vorgespannt und für je zwei Pferde einen besonderenm Kutscher , ging es dann, ich an der Spitze, aber mit den Augen mehr hinten als vorn, durch die Hartmannstraße zur Klosterstraße, zur Theaterstraße und Dresdner Straße nach der Petersstraße hinaus, wo die Lokomotiven auf ihre Räder gestellt und von einer anderen Maschine auf den Gleisen hiansu nach den Eisenbahnwerkstätten zur Probefahrt gezogen wurden. Später wurde dann der Weg durch die Schloßstraße und die Müllerstraße genommen."


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Aber so populär dieses Schauspiel war, so teuer und ineffizient war es auch für Hartmann und die Stadt Chemnitz, da es ständig zu Schleusenbrüchen und Straßenschäden kam. 1869 richtete Hartmann daher eine Petition an die sächsische Regierung mit der Bitte der Errichtung eines Zweiggleises nach Chemnitz-Glösa. Aber die Unternehmung scheiterte an der Weigerung seines Konkurenten, der Schönherrschen Webstuhlfabrik. Um nach Glösa zu gelangen, hätte das Gleis durch das Gelände des Mitwettbewerbers führen müssen. Später wurde diese Auseinandersetzung als der "Eisenbahnkrieg von Chemnitz" bekannt.

Mehr zum Thema "Chemnitzer Eisenbahnkrieg" lesen Sie hier.

Damit war Chemnitz-Glösa tabu. Aber einen Schritt kam man weiter, da man den innerbetrieblichen Transport in einer Art Straßenbahnschienen abwickeln konnte. Aber 1903 kam die große Chance. nach dem Bau der Industriebahn Chemnitz-Altendorf-Wüstenbrand ergab sich die Möglichkeit eines Direktanschlusses der Produktionsstätten. Aber ganz am Ziel war man immer noch nicht. Da erst nur die Giesserei einen Anschluss hatte, musste man nach wie vor die schweren Lokomotiven mittels Schienentransport dorthin bringen, von wo aus sie auf ein Gleis gesetzt wurden. Immerhin aber - kürzer als bis zum Hauptbahnhof.

1908 war es dann endlich soweit. Im Einverständniss mit der Stadt Chemnitz wurden in der Mitte der Matthesstraße Gleise gelegt, die von den Lokbauhallen direkt zum Industriebahnhof Altendorf führten. Damit endete am 5. September 1908 unter reger Teilnahme der Chemnitzer Bevölkerung mit dem letzten Loktransport mit Pferdewagen diese eigenwillige Tradition in Chemnitz.

Am 16.September 2000 wurde anlässlich der Festwoche des Sächsischen Eisenbahnmuseums in Chemnitz ein historischer Loktransport nachgestellt. Wie früher führte der Weg vom ehemaligen Gelände der Sächsischen Maschinenfabrik bis zum Hauptbahnhof. Tausende Chemnitzer und Eisenbahnfreunde aus aller Welt waren damals mit dabei.
Zeitlicher Abriss
1852 Bahnanschluss in Chemnitz
1869 Hartmanns Petition
1908 Letzter Pferdetransport


Danke
Ich danke der Familie Herold aus Ratingen, insbesondere Herrn Herbert Herold, vormals Grüna für die Zurverfügungstellung einiger der abgebildeten Abzüge.


www.Historisches-Chemnitz.de