Die Auto-Union A.G.
Historisches Chemnitz - Die Auto-Union
Signet der Auto-Union auf einem Horch
Sachsen und Chemnitz sind seit jeher Ursprungsorte des deutschen Automobilbaus. Von hier kamen eine Vielzahl an Innovationen und Entwicklungen. Und hier war auch vor dem Zweiten Weltkrieg eines der bedeutensten deutschen Automobilunternehmen zu Hause - Die Auto-Union A.G.


Bestandteile
Das Signet der Auto-Union sind die vier ineinander verflochtenen Ringe, von denen jedes einen "Bestandteil" der "Union" darstellt, denn die Auto-Union ist keines der selbstgegründeten Automobilhersteller, sondern wurde unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise und unter Betreiben der sächsischen Staatsregierung 1932 aus vier Marken zusammengeschlossen, welche da sind Audi und Horch aus Zwickau, DKW aus Zschopau und die Automobil-Sparte der Wanderer-Werke aus Chemnitz. 1932 fusionierten unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise die vier sächsischen Automobilhersteller zur Auto-Union A.G. Bevor wir uns aber der Auto-Union zuwenden, möchte ich noch kurz auf die einzelnen Marken eingehen.
  1. Horch
    Der 1868 geborene August Horch gründete 1904 die "A. Horch & Cie. Motorwagenwerke AG Zwickau", nachdem er zuvor als Betriebsleiter bei der Abteilung Motorwagenbau der "Rheinischen Gasmotorenfabrik Benz & Co" - der Geburtsstätte des Automobils - gearbeitet hatte. Die Horchautomobile waren vor allem luxeriös ausgestattete Wagen von hohem Qualitätsanspruch und innovativer Technikausführung. So fuhren unter anderem der sächsische König und mehrere Hoheiten Horch-Wagen aus Zwickau. 1909 verließ August Horch das Unternehmen nach starken Auseinandersetzungen mit dem kaufmännischen Direktor Holler. Ob er selbst ging oder entlassen wurde ist bis heute umstritten.

  2. Audi
    Kurz darauf gründete August Horch die "August Horch Automobilwerke GmbH", musste diesen Namen aber im Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber schnell in "Audi Automobilwerke GmbH" umformieren, wobei "Audi" nichts anderes ist, als das lateinische Wort für "horch!". Dort führte er seine Ideen weiter und wuchs zu einem der bedeutenden Autohersteller in Sachsen.

  3. DKW
    1906 erwirbt der 1878 geborene Däne Jörgen Skafte Rasmussen ein Firmenareal in Zschopau und stellt dort neben Haushaltsgeräten Zubehörteile für Automobile her. 1912 gründet Rasmussen mit dem Direktor der Chemnitzer Presto-Werke Günther die Elitewerke A.G. in Brand-Erbisdorf. Nachdem man in Zschopau 1912 mit dem Bau von Spielzeugmotoren beginnt, entwickelt sich darauf 1920 der erste Fahrrad-Hilfsmotor. Der Weg hin zu erstklassigen Motorrädern ist nur ein kurzes Stück weit. Das Unternehmen floriert. Nachdem man 1927 Rickenbacker in den USA kauft, erwirbt man 1928 die Mehrheit an der Schüttoff A.G. in Chemnitz. Bereits 1931 lässt man bei Audi in Zwickau den F1 bauen.

  4. Automobilsparte von Wanderer
    Die 1885 gegründeten Wanderer-Werke in Chemnitz waren vor allem durch Ihre erstklassigen Fräsmaschinen, Ihre Rechen- und Schreibmaschinen (Continental) und auch durch Ihren Fahrrad-, Motorrad- und Automobilbau ("Puppchen") bekannt.



Gründung
Die Weltwirtschaftskrise zwang zur Rationalisierung, Zusammenarbeit und Fusion. Um den sächsischen Automobilbau weitestgehend zu retten, wurden viele Unternehmen wie etwa Presto oder Schüttoff verkauft. Bei den wichtigsten vier Marken strebte man aber von Seiten der sächsischen Regierung die Fusion an. Das war nicht zu verhindern, denn die Zeit fraß die finanziellen Reserven der Unternehmen auf, die letztlich ihre Geschäftstätigkeit nur über Kredite der Staatsbank abwickeln konnten. Zuerst verordnete man den Unternehmen eine radikale Sparkur, die Ausgabenkürzungen und eine Verflachung der Produktpaletten beinhaltete, jedoch kam man damit nicht weit genug, denn die Schulden der Unternehmen stiegen von Monat zu Monat auf beängstigende Weise. Kurz bevor alles in den Abgrund stürzte - bei Horch beipspielsweise lagen bereits Mahnungen der Krankenkassen vor und die Verluste betrugen knapp 5 Millionen Reichsmark - verdichteten sich die Gerüchte, daß es Verhandlungen über den Aufbau eines sächsischen Automobilkonzerns gäbe, woran ja die Staatsregierung und die Staatsbank großes Interesse hatte, denn man war sehr stark in den Finanzierungen engagiert, so daß eine Pleite auf die Staatskasse zurückschlagen musste. Am 7. Januar 1932 begannen die Vorbereitungen mit der Gründung eines "Zentralbüros" für DKW, Audi und Horch. Die Kosten für die Mitarbeiter dieses Steuerungsbüros wurden von der Staatsbank übernommen, die 850 RM Gehalt und 400 RM Aufwandsentschädigungen zahlte.

Am 1. Februar 1932 billigte der sächsische Landtag die Fusion. Der Freistaat übernahm eine Bürgschaft in Höhe von sechs Millionen Reichsmark für den neuen Konzern. Als Konzernsitz war Chemnitz vorgesehen, jedoch scheiterte dies vorerst an der Forderung der Stadtverordneten vom 1. März 1932, daß bei einer Beteiligung von 1 Million Reichsmark man einen Sitz im Aufsichtsrat anstrebe. So blieb der Sitz vorerst in Zschopau.

Am 29. Juni 1932 wurde in der Generalversammlung der DKW-, Horch- und Audiwerke die Gründung vollzogen. Die "aufnehmende Gesellschaft" war das Zschopauer Motorradwerk. Kurz darauf wird die Automobilsparte der Wanderer-Werke in Chemnitz dazu gekauft. Dazu zählen noch weitere Fabrikationsstätten in Berlin-Spandau für den Holzkarosseriebau. Damit entstand mit über 4.100 Mitarbeitern der zweitgrößte deutsche Autokonzern nach Opel. Im Grunde war es ein Staatskonzern, denn die Auto-Union gehörte zu 75 Prozent dem Freistaat Sachsen. Am 12. August wird das legendäre Zeichen der Auto-Union A.G. - die vier ineinander verschlungenen Ringe als Signet in Chemnitz angemeldet.


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Schild der neuen Werkstattvereinigung



Alle von den Herstellern genutzten Verkaufsfilialen und Kundendienstwerkstätten werden zur "Auto Union Filialen GmbH" zusammengefaßt. Die Firmierung Auto-Union war aber nur die Konzernbezeichnung. Die vier Werke und die darin enthaltenen Marken wurden aus geschäftspolitischen Gründen beibehalten. Lediglich der 1934 vorgestellte Grand-Prix-Rennwagen, eine Konstruktion, die Auto-Union von Ferdinand Porsche übernommen hatte, trug den Namen "Auto-Union". Dieser 16-Zylinder-Heckmotorwagen avancierte in der Silberpfeil-Ära (1934-1939) zum schärfsten Konkurrenten von Mercedes-Benz und siegte mit Bernd Rosemeyer, Hans Stuck und Tazio Nuvolari in zahlreichen Grand-Prix-Rennen.


Umzug nach Chemnitz
Als Sitz des Konzerns wird vorerst Zschopau vorgesehen. Als Vorstandsmitglieder werden der DKW-Chef Jörgen Skafte Rasmussen, Dr. Richard Bruhn von der Sächsischen Staatsbank und C. D. Freiherr von Oertzen von den Wanderer-Werken bestimmt. 1934 kommt es zum Eklat, als Mitgründer Rasmussen per 31. Dezember 1934 fristlos entlassen und damit de facto enteignet wird. Erst 1938 kann er sich eine teilweise Entschädigung von 1,3 Millionen Reichsmark per Schiedspruch erkämpfen. Seinen Platz übernimmt William Werner von den Horch-Werken aus Zwickau. Das neue Unternehmen hingegen wächst und floriert. Bereits 1933 können aufgrund der Belebung des Umsatzes neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Auto Union beschäftigt bald in 12 Werken über 13.000 Arbeiter und Angestellte. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernehmen, wird bald die Auto-Union auch mit einem Großteil ihrer Fertigung in das anlaufende Rüstungsprogramm einbezogen.

Im Jahre 1936 kommt es zum Umzug des Konzernsitzes von Zschopau nach Chemnitz in den Verwaltungsbau an der Scheffelstraße. Im Gebäude war vorher der Sitz der Presto-Werke gewesen. Im gleichen Jahr entstanden in Chemnitz zentrale Einrichtungen für den Gesamtkonzern, für Konstruktion, Entwicklung und Versuch. Hervorzuheben ist hier das Zentrale Konstruktionsbüro (ZKB), von wo aus die Innovationen des Konzerns gesteuert wurden. 1938 stehen bereits über 22.600 Mitarbeiter in Lohn und Brot des Konzerns. 1938 ist es auch, als der legendäre und weit verbreitete solide Mittelklassewqagen W24 zum 50.000 Mal gebaut wird. Zu Ehren dieses Jubiläums trägt der Wagen fortan statt der herkömmlichen Bezeichnung W24 seine neue W50.


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Der W24 geht in die 50.000 Stück und trägt daher fortan den Namen W50.

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Das Presto-Werk an der Scheffelstraße um 1910



Vorläufiges Ende
1945 flüchten die Vorstände der Auto-Union vor den herannahenden Russen aus Chemnitz in das von Amerikanern besetzte Zwickau. Auf Befehl der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland sind die sächsischen Werke der Auto Union als Reparationsgut noch 1945 demontiert worden. In der Folge wurde das Gesamtvermögen des Unternehmens entschädigungslos enteignet. Am 17. August 1948 wurde die Auto Union A.G., Chemnitz aus dem Handelsregister gelöscht.


Neubeginn und weitere Geschichte im Westen
Mit der Gründung des "Zentraldepot für AUTO-UNION-Ersatzteile GmbH" am 19. Dezember 1945 begann in einem umgebauten Kornspeicher in Ingolstadt der Neustart.

1958 wurde die Auto Union von Daimler-Benz aufgekauft und dort wurde ein neuer Viertakt-Wagen entwickelt. Daimler-Benz verlor dann aber das Interesse und verkaufte die Auto Union 1964 an Volkswagen weiter. Bei Volkswagen übernahm man auch den bei Daimler-Benz entwickelten Viertakt-Motor und brachte ihn 1965 auf den Markt. Da aber der Name "DKW" immer mit Zweitakt-Motoren verbunden war, beschloss man, ihn nicht mehr zu verwenden und stattdessen die Vorkriegs-Marke Audi wieder einzuführen. So wurde aus dem 1965 vorgestellten Wagen der erste Nachkriegs-Audi. Die vier Ringe wurden als Firmenzeichen beibehalten. Der letzte Zweitakt-DKW war der noch bis 1968 weiterproduzierte Munga. Mit der Fusion mit NSU wurde das Unternehmen 1969 in "AUDI NSU AutoUnion GmbH" umbenannt. Heute firmiert auch die ehemalige Auto Union A.G. als Audi AG.

Heute pflegt Audi Tradition die Firmenhistorie unter anderem mit der dafür gegründeten Tochtergesellschaft Auto Union GmbH.


Zeitlicher Abriss
1932 Gründung
1936 Umzug nach Chemnitz
1945 Reparation
1948 Löschung in Chemnitz
1949 Neubeginn Ingolstadt
1958 Damiler-Benz
1964 Volkswagen
1965 1.Nachkriegs-Audi
1969 Fusion mit NSU


Wo finde ich Spuren?
In der Scheffelstraße 110 ist das Gebäude des ehemaligen Presto-Werkes zu sehen. Das Gebäude diente ab 1936 als Sitz der Auto-Union A.G. und zu DDR-Zeiten als Krankenhaus.


www.Historisches-Chemnitz.de