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Sachsen und Chemnitz sind seit jeher Ursprungsorte des deutschen Automobilbaus.
Von hier kamen eine Vielzahl an Innovationen und Entwicklungen. Und hier war
auch vor dem Zweiten Weltkrieg eines der bedeutensten deutschen Automobilunternehmen
zu Hause - Die Auto-Union A.G.
Bestandteile
Das Signet der Auto-Union sind die vier ineinander verflochtenen Ringe, von
denen jedes einen "Bestandteil" der "Union" darstellt, denn die Auto-Union
ist keines der selbstgegründeten Automobilhersteller, sondern wurde unter
dem Druck der Weltwirtschaftskrise und unter Betreiben der sächsischen Staatsregierung
1932 aus vier Marken zusammengeschlossen, welche da sind Audi und Horch aus
Zwickau, DKW aus Zschopau und die Automobil-Sparte der Wanderer-Werke aus Chemnitz.
1932 fusionierten unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise die vier sächsischen
Automobilhersteller zur Auto-Union A.G. Bevor wir uns aber der Auto-Union
zuwenden, möchte ich noch kurz auf die einzelnen Marken eingehen.
Gründung
Die Weltwirtschaftskrise zwang zur Rationalisierung, Zusammenarbeit und Fusion.
Um den sächsischen Automobilbau weitestgehend zu retten, wurden viele Unternehmen
wie etwa
Presto oder
Schüttoff verkauft. Bei den wichtigsten vier Marken strebte man aber
von Seiten der sächsischen Regierung die Fusion an. Das war nicht zu verhindern,
denn die Zeit fraß die finanziellen Reserven der Unternehmen auf, die letztlich
ihre Geschäftstätigkeit nur über Kredite der Staatsbank abwickeln konnten.
Zuerst verordnete man den Unternehmen eine radikale Sparkur, die Ausgabenkürzungen
und eine Verflachung der Produktpaletten beinhaltete, jedoch kam man damit
nicht weit genug, denn die Schulden der Unternehmen stiegen von Monat zu Monat
auf beängstigende Weise. Kurz bevor alles in den Abgrund stürzte - bei Horch
beipspielsweise lagen bereits Mahnungen der Krankenkassen vor und die Verluste
betrugen knapp 5 Millionen Reichsmark - verdichteten sich die Gerüchte, daß
es Verhandlungen über den Aufbau eines sächsischen Automobilkonzerns gäbe,
woran ja die Staatsregierung und die Staatsbank großes Interesse hatte, denn
man war sehr stark in den Finanzierungen engagiert, so daß eine Pleite auf
die Staatskasse zurückschlagen musste. Am 7. Januar 1932 begannen die
Vorbereitungen mit der Gründung eines "Zentralbüros" für DKW, Audi und
Horch. Die Kosten für die Mitarbeiter dieses Steuerungsbüros wurden von der
Staatsbank übernommen, die 850 RM Gehalt und 400 RM Aufwandsentschädigungen
zahlte.
Am 1. Februar 1932 billigte der sächsische Landtag die Fusion. Der Freistaat übernahm eine Bürgschaft in Höhe von sechs Millionen Reichsmark für den neuen Konzern. Als Konzernsitz war Chemnitz vorgesehen, jedoch scheiterte dies vorerst an der Forderung der Stadtverordneten vom 1. März 1932, daß bei einer Beteiligung von 1 Million Reichsmark man einen Sitz im Aufsichtsrat anstrebe. So blieb der Sitz vorerst in Zschopau. Am 29. Juni 1932 wurde in der Generalversammlung der DKW-, Horch- und Audiwerke die Gründung vollzogen. Die "aufnehmende Gesellschaft" war das Zschopauer Motorradwerk. Kurz darauf wird die Automobilsparte der Wanderer-Werke in Chemnitz dazu gekauft. Dazu zählen noch weitere Fabrikationsstätten in Berlin-Spandau für den Holzkarosseriebau. Damit entstand mit über 4.100 Mitarbeitern der zweitgrößte deutsche Autokonzern nach Opel. Im Grunde war es ein Staatskonzern, denn die Auto-Union gehörte zu 75 Prozent dem Freistaat Sachsen. Am 12. August wird das legendäre Zeichen der Auto-Union A.G. - die vier ineinander verschlungenen Ringe als Signet in Chemnitz angemeldet.
Alle von den Herstellern genutzten Verkaufsfilialen und Kundendienstwerkstätten
werden zur "Auto Union Filialen GmbH" zusammengefaßt. Die Firmierung Auto-Union
war aber nur die Konzernbezeichnung. Die vier Werke und die darin enthaltenen
Marken wurden aus geschäftspolitischen Gründen beibehalten. Lediglich der
1934 vorgestellte Grand-Prix-Rennwagen, eine Konstruktion, die Auto-Union
von Ferdinand Porsche übernommen hatte, trug den Namen "Auto-Union". Dieser
16-Zylinder-Heckmotorwagen avancierte in der Silberpfeil-Ära (1934-1939) zum
schärfsten Konkurrenten von Mercedes-Benz und siegte mit Bernd Rosemeyer,
Hans Stuck und Tazio Nuvolari in zahlreichen Grand-Prix-Rennen.
Umzug nach Chemnitz
Als Sitz des Konzerns wird vorerst Zschopau vorgesehen. Als Vorstandsmitglieder
werden der DKW-Chef Jörgen Skafte Rasmussen, Dr. Richard Bruhn von der Sächsischen
Staatsbank und C. D. Freiherr von Oertzen von den
Wanderer-Werken bestimmt. 1934 kommt es zum Eklat, als Mitgründer
Rasmussen per 31. Dezember 1934 fristlos entlassen und damit de facto enteignet
wird. Erst 1938 kann er sich eine teilweise Entschädigung von 1,3 Millionen
Reichsmark per Schiedspruch erkämpfen. Seinen Platz übernimmt William Werner
von den Horch-Werken aus Zwickau. Das neue Unternehmen hingegen wächst
und floriert. Bereits 1933 können aufgrund der Belebung des Umsatzes neue
Mitarbeiter eingestellt werden. Die Auto Union beschäftigt bald in 12 Werken
über 13.000 Arbeiter und Angestellte. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten
die Macht übernehmen, wird bald die Auto-Union auch mit einem Großteil ihrer
Fertigung in das anlaufende Rüstungsprogramm einbezogen.
Im Jahre 1936 kommt es zum Umzug des Konzernsitzes von Zschopau nach Chemnitz in den Verwaltungsbau an der Scheffelstraße. Im Gebäude war vorher der Sitz der Presto-Werke gewesen. Im gleichen Jahr entstanden in Chemnitz zentrale Einrichtungen für den Gesamtkonzern, für Konstruktion, Entwicklung und Versuch. Hervorzuheben ist hier das Zentrale Konstruktionsbüro (ZKB), von wo aus die Innovationen des Konzerns gesteuert wurden. 1938 stehen bereits über 22.600 Mitarbeiter in Lohn und Brot des Konzerns. 1938 ist es auch, als der legendäre und weit verbreitete solide Mittelklassewqagen W24 zum 50.000 Mal gebaut wird. Zu Ehren dieses Jubiläums trägt der Wagen fortan statt der herkömmlichen Bezeichnung W24 seine neue W50.
Vorläufiges Ende
1945 flüchten die Vorstände der Auto-Union vor den herannahenden Russen aus
Chemnitz in das von Amerikanern besetzte Zwickau. Auf Befehl der Sowjetischen
Militär-Administration in Deutschland sind die sächsischen Werke der Auto
Union als Reparationsgut noch 1945 demontiert worden. In der Folge wurde das
Gesamtvermögen des Unternehmens entschädigungslos enteignet. Am 17. August
1948 wurde die Auto Union A.G., Chemnitz aus dem Handelsregister gelöscht.
Neubeginn und weitere Geschichte im Westen
Mit der Gründung des "Zentraldepot für AUTO-UNION-Ersatzteile GmbH" am 19.
Dezember 1945 begann in einem umgebauten Kornspeicher in Ingolstadt der
Neustart.
1958 wurde die Auto Union von Daimler-Benz aufgekauft und dort wurde ein neuer Viertakt-Wagen entwickelt. Daimler-Benz verlor dann aber das Interesse und verkaufte die Auto Union 1964 an Volkswagen weiter. Bei Volkswagen übernahm man auch den bei Daimler-Benz entwickelten Viertakt-Motor und brachte ihn 1965 auf den Markt. Da aber der Name "DKW" immer mit Zweitakt-Motoren verbunden war, beschloss man, ihn nicht mehr zu verwenden und stattdessen die Vorkriegs-Marke Audi wieder einzuführen. So wurde aus dem 1965 vorgestellten Wagen der erste Nachkriegs-Audi. Die vier Ringe wurden als Firmenzeichen beibehalten. Der letzte Zweitakt-DKW war der noch bis 1968 weiterproduzierte Munga. Mit der Fusion mit NSU wurde das Unternehmen 1969 in "AUDI NSU AutoUnion GmbH" umbenannt. Heute firmiert auch die ehemalige Auto Union A.G. als Audi AG. Heute pflegt Audi Tradition die Firmenhistorie unter anderem mit der dafür gegründeten Tochtergesellschaft Auto Union GmbH. |
Zeitlicher Abriss
1932 Gründung
1936 Umzug nach Chemnitz 1945 Reparation 1948 Löschung in Chemnitz 1949 Neubeginn Ingolstadt 1958 Damiler-Benz 1964 Volkswagen 1965 1.Nachkriegs-Audi 1969 Fusion mit NSU Wo finde ich Spuren?
In der Scheffelstraße 110 ist das Gebäude des ehemaligen
Presto-Werkes
zu sehen. Das Gebäude diente ab 1936 als Sitz der Auto-Union A.G. und zu
DDR-Zeiten als Krankenhaus.
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