Das Kaufhaus Schocken
"Solange wir an Gründungen denken, und das ist seit 1903,
haben wir an Chemnitz gedacht"
Salman Schocken
 

Blick aus der Ziegelstraße auf die Fassade
 

"...ernste Sorgen, ...  wegen des für Chemnitz projektierten Baus."
Chemnitz war das dritte und größte Kaufhausprojekt, daß die Gebrüder Schocken planten, nachdem die Häuser in Nürnberg und Stuttgart sehr gut florierten. Die Industriemetropole Chemnitz hatte damals circa 350.000 Einwohner und war daher äußerst attraktiv für die beiden Gründer des Handelskonzerns.

Erich Mendelsohn war sozusagen der "Haus- und Hofarchitekt" der Brüder, der bereits alle Bauten für die beiden realisiert hatte. Jedoch kam es beim Baufortschritt und bei den Kosten des Stuttgarter Baus zu Auseinandersetzungen zwischen Bauherren und Architekt, die sowohl das Stuttgarter Gebäude, wie auch den geplanten Chemnitzer Neubau gefährdeten. Die harten verhandlungen waren besonders für Mendelsohn heikel, da dieser gern in der damaligen Industriemetropole bauen wollte und das Projekt als "mein Kind" bezeichnete. Und wie Mendelsohn befürchtete, verknüpften die Auftraggeber auch beide Projekte. "Der für den Stuttgarter Bau sich ergebende Kubikmeterpreis macht uns ernste Sorgen, insbesondere auch wegen des für Chemnitz projektierten Baus." Allerdings "Wir wollen die Chemnitzer Angelegenheit mit Stuttgart nicht verquicken."
Man wurde sich einig, und so konnte am 30. Dezember 1927 der Vertrag zwischen den Brüdern Schocken und Mendelsohn unterzeichnet werden.

"Chemnitz, vertrackte Arbeit, die kaum vom Fleck kommt."
Für den gigantischen Neubau mussten einige alte Chemnitzer Gebäude weichen. So u.a. das Chemnitzer Versorghaus, daß seit 1811 auf dem Grundstück stand. Der Eigentümer des Grundstück war eine Firma, die zum großen Teil im Besitz der Schocken KG war.


Chemnitzer Versorghaus. Gebaut 1811, seit 1868 Kinderversorghaus, seit 1916 "Vereinigung der Frauenkriegshilfe".

 

Die Planungsarbeiten gingen voran und Pläne wurden gezeichnet. Aber wohl nicht so, wie von Mendelsohn gedacht, denn im januar 1929 schrieb er von einem Chemnitzbesuch an seine Frau Luise: "Chemnitz, vertrackte Arbeit, die kaum vom Fleck kommt." Jedoch konnte schon am 11.April 1929 das Baugesuch bei den Chemnitzer Behörden eingereicht werden. Aber ein neues Ungemach zog am Himmel auf. Es kam zum Streit zwischen Architekt und Bauherren, in dessen Folge die Bauherren dem Architekten den Vertrag noch im April kündigten. Mendelsohn meldete sich daraufhin sofort bei Stzadtbaurat Fred Otto, der seine Enttäuschung nicht verbergen konnte, wollte er doch einen "echten Mendelsohn" in Chemnitz haben "...daß mir damit jede Freude an dem großen Bau genommen ist. Was nunmehr aus Ihren Entwurf gemacht wird, kann ich mir lebhaft vorstellen." Aber die Wogen glättetetn sich wieder, wohl wussten die Brüder schocken, was sie an Mendelsohn hatten. Im Mai einigte man sich übner eine weitere Zusammenarbeit und bereits im Juni startete man zusammen weitere Projekte für die Schocken KG. In Chemnitz ging die Arbeit unterdessen weiter, wobei sich die Bauherren jedoch mit einem Schreiben an den Stadtbaurat Otto für dessen Äußerungen revanchierten, dessen Kernaussage "...und so kann Ihnen naturgemäß die Baugesinnung und die Formgebung nicht bekannt sein, die für unsere Bauten charakteristisch sind." ist. Am 17. Juli 1929 wurden die Planungen von der Stadt genehmigt. Die veränderten Grundrisse kamen jedoch erst im April 1930 zur Genehmigung, nur wenige Wochen vor Eröffnung.

Skizzen

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Baufortschritt

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In Chemnitz wurde der Bau jedoch nicht von Mendelsohn, sondern vom konzerneigenen Baubüro geleitet.
 



Auch von Mendelsohn entworfen: Das Schocken-Logo. Die Vorentwürfe stammen von 1926. Das rechte Logo entspricht der entgültigen Variante und vervollständigte das damals vorbildliche Gesamtdesign. Heute sagt man dazu Corporate Idendity.

Innenleben

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Zeitlicher Abriss
1927 Vertrag über den Chemnitzer Bau
1929 Baubeginn

Erich Mendelsohn

Aufnahme aus dem Jahr 1931

1887 Geburt in Allenstein
1910 Architekturstudium in München
1914 Umzug nach Berlin
1914 Erster Kontakt mit Chemnitz
1935 Büro in Jerusalem
1939 Ende der Arbeit in London
1941 Auswanderung in die USA
1953 Tod Mendelsohns

Mendelsohn Werke
Einsteinturm Potsdam

Gebrüder Schocken

Wo finde ich das Gebäude?
Brückenstraße Ecke Bahnhofstraße