Gasthof "Zur Goldenen Sonne"
Namensgeber eines Stadtteils
Historisches Chemnitz - Der Gasthof Goldene Sonne (b1)


Südlich des Hauptbahnhofes liegt der bekannte Chemnitzer Stadtteil mit dem Namen "Sonnenberg". Fragt man heute Chemnitzer nach der Bedeutung dieses Namens bekommt man oft Antworten, die eher auf den "sonnigen Berg" etc. hinweisen. Der echte Namensursprung liegt jedoch ganz anders.


"Einst am kleinen Hügel, ward ein gastlich Haus..."
1713 kauft der damalige Chemnitzer Bürgermeister Daniel Wagner das "Jehnische Vorwerck" um dort eine Schankwirtschaft einzurichten. Damals lag das Gehöft in etwa dort, wo sich heute der Dresdner Platz erstreckt. Ein guter Platz, bedenkt man doch die Lage an der rege befahrenen Straße nach Freiberg. Ein guter Platz, aber gewissermaßen auch riskant, denn das Gebäude befand sich außerhalb der schützenden Stadtmauern und war damit in unruhigen Zeiten für fremde Truppen erreichbar. Die Wahl vor der Stadt war damals etwas Besonderes, da nur noch zwei weitere Schankstätten sich außerhalb der Mauern befanden. Wohl scheint sich der Ort aber besonders lukrativ angenommen zu haben, so daß er für den Betrieb eines Gasthofes gewählt wurde. Sehr warscheinlich erfolgte die Namensgebung als Kontrast zum "Goldenen Stern" im Westen der Stadt.

Damals war es Stadtpolitik, das Recht auf Bewirtung nur einigen Bürgern zu gewähren, aber Bürgermeister Wagner erreichte die Schankerlaubnis, da er die Notwendigkeit gut begründen konnte: "Von Wiesa bis Reichenbrand kein Gasthof, der zum Ausruhn und zum Labsahl einlädt". Wohl mag es den anderen Wirten nicht besonders gefallen haben, noch zusätzliche Konkurenz zu bekommen, aber der Respekt vor dem Amt des Bpürgermeisters und sein Einfluss mögen ihren Beitrag geleistet haben. So erreichte er neben der Schankerlaubnis für Bier auch die Erlaubnis, ein Wappen aufzuhängen und die Erlaubnis Reisende mit Pferd und Wagen aufzunehmen und diese auch zu beköstigen. Einschränken musste er sich dennoch, denn es war ihm untersagt, Gäste von anderen abzuwerben. Außerdem war seine Lizenz nur solange gültig, bis ein stadteigenes Gasthaus in der Gegend errichtet wurde. Das Geschäft aber lief an und wahrscheinlich so gut, daß sich bei der Konkurenz allerorten Sorge breit machte.

Nach Wagners Tod ging der Hof an seinen Schwiegersohn, dem Chirurgen Christian Plattner über, jedoch forderten die anderen Gastwirte die Schließung, da das Schankrecht nur auf Wagner beschränkt war. Plattner überzeugte jedoch gegen die Argumente der Wirte den Rat zu seinen Gunsten von der Existenz des Gasthofes. Die Wirte boten jedoch Paroli und so kam der Zank bis vor den Kurfürsten, was aber keine endgültige Entscheidung brachte. Der Streit währte weitere Jahre und setzte sich nach Plattners Tod 1754 fort, da nun seine Witwe und die Töchter den Gasthof bewirtschafteten. Wiederum ging der Streit bis zum Kurfürsten der diesmal jedoch entschied - und zwar zu ungunsten der "Sonnenwirtin". Da die Entscheidung jedoch nicht konsequent umgesetzt wurde, bestand der Gasthof allerdings weiter.


"Doch es fegte ein Feuer, über das Heim hinweg..."
1758, während des Siebenjährigen Krieges lagerten am 2. Oktober kaiserliche Truppen mit etwa eintausend Mann am Gasthof. Das war, bei bereits erwähnt, eines der großen Nachteile des Standortes - zwar in bester Geschäftslage, aber bedroht.

Und so ging es auch im neuen Jahrhundert weiter. 1807 waren es Gefangene aus Schlesien, 1809 österreichisches Militär, was vor und im Gasthof biwakierte. Im April 1813 brannte der Gasthof dann auch ab, die Ursache blieb ungeklärt.


"Es ziehen die Komöddianten ein..."
Nach dem Wiederaufbau ("Sehr groß und ganz steinern wieder aufgebaut...") begann ein neues Zeitalter für das alte Gasthaus, denn 1828 zog das Chemnitzer Theaterspiel vom verkauften "Hotel de Saxe" vom Roßmarkt in die "Goldene Sonne" ein, wo dafür eine kleine Bühne errichtet wurde. Der Teil der "Sonne" in dem nun die Kultur herrschte, nannte man nun "Sonnentempel", wurde aber von den Chemnitzern mehrheitlich als "Vorstadt-Stall" bezeichnet. Anfangs war man in der Stadt froh, eine Ausweichspielstätte gefunden zu haben, aber nach und nach fand man den kleinen Bau für ein Stadttheater als unwürdig. Nach Bau des Stadttheaters auf dem zugeschütteten, ehenmaligen Stadtgraben (heute Theaterstraße) fand im Oktober 1837 die letzte Vorstellung im Gasthof statt. Der "Sonnentempel" wurde fortan als Schafstall genutzt und brannte 1866 nieder.

Der Gasthof und die Ausspanne bestanden jedoch weiter und florierten so, daß nach und nach erweitert werden musste. Der damalige Besitzer war der Ziegeleieigentümer Friedrich Anton Wechsler, der daneben auch noch die "Kosakenschänke" sein Eigen nannte. Um die Jahrhundertwende nannte man das Etablissement nun Hotel, man war also von der Ausspanne deutlich aufgestiegen. Luxus wird man hier jedoch nicht vorgefunden haben, denn die Ausstattung wurde mit "einfach" benannt.


Historisches Chemnitz - Der Gasthof Goldene Sonne (b2)

Zeitlicher Abriss
1713 Kauf "Jehnisches Vorwerk"
durch Brgm. Wagner
1813 Brand
1828 Chemnitzer Theaterspiels
1837 letzte Aufführung


Wo finde ich Spuren?


Weiterführende Links


Quellen und
Buchempfehlungen
"Leben auf dem Sonnenberg" Autorenkollektiv unter Leitung von Jürgen Eichhorn, Hrg: Chemnitzer Geschichtsverein




www.Historisches-Chemnitz.de


Bildernachweis: b1:"Leben auf dem Sonnenberg", Zur Geschichte und Gegenwart eines Chemnitzer Stadtteils, Autorenkollektiv unter Leitung von Jürgen Eichhorn, Hrsg.: Chemnitzer Geschichtsverein e.V., Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz, Chemnitz 1997, ISBN 3-910 186-16-5, S. 15; b 2: Chemnitzer Roland" 11.Jhrg., Heft 2/04, ISSN 1430-5941, S. 15, dort verwiesen auf Archive des Fördervereins St. Markus Quellennachweis: q1: "Leben auf dem Sonnenberg", Zur Geschichte und Gegenwart eines Chemnitzer Stadtteils, Autorenkollektiv unter Leitung von Jürgen Eichhorn, Hrsg.: Chemnitzer Geschichtsverein e.V., Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz, Chemnitz 1997, ISBN 3-910 186-16-5, S. 14 "Der Gasthof, der dem Sonnenberg seinen Namen gab";