Henry van de Velde-
Die Villa Esche

Historisches Chemnitz - Die Villa Esche
Ansicht von der Parkstraße um 1905

Chemnitz hat einige architektonische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Eine herausragende Stellung von europäischem Rang darunter nimmt die Villa Esche ein. Der Bauhaus-Künstler Henry van de Velde (1863 - 1957) schuf mit ihr sein erstes Bauwerk in Deutschland, ein Meisterwerk der Moderne von internationalen Rang.

Auftraggeber war der Unternehmer Herbert Esche, Mitinhaber der Textilfirma Moritz Samuel Esche, die 1870 von Limbach nach Chemnitz kam. Van de Velde hatte bereits Möbel für die Privatwohnung Esches in der Kastanienstraße 56, in der Esche mit seiner Frau bis 1903 wohnte, entworfen und bekam nun von Esche den Auftrag für die Villa an der Parkstraße, die er zum Gesamtkunstwerk formte. Dazu gehört neben der Außenansicht auch die Gartenanlage, die Möbel und die Einrichtungsgegenstände, sowie sogar die Kleidung für die Bewohner.

Nachdem der damals 28-jährige Fabrikant Esche van de Velde 1901 kennengelernt hatte, wurden 1902 die Pläne zur Villa entworfen. Van de Velde wohnte damals in Weimar. Der van de Velde-Biograph Karl-Ernst Osthaus schrieb 1920: "Im Hause Esche wird der Wandel, den die Orientreise hervorrief, schon fühlbar. Herr Esche hatte die Einsicht, den Künstler zuzuziehen, bevor er den Bauplatz erwarb. So konnte dieser seine Lage mitbestimmen, der für die Wirkung des Hauses ungemein günstig war. Es liegt hoch und außerhalb der Stadt verhältnismäßig isoliert. Terassen heben es aus der Umgebung hervor. Auch hier ist die Wirkung von ernster Geschlossenheit. Das Innere ist weiträumig, die führenden Linien sind wesentlich beruhigt, die Formen vollkörperlicher. Diesen Fortschritt unterstreichen viele Möbel, die noch aus der Brüsseler Zeit stammen..."

Bemerkenswert ist, daß das Gebäude in seiner Form der Funktion folgt. So wurde das Haus von innen nach außen konzipiert, was zum Beispiel beim Kinderzimmer mit den erhöhten Fenstern deutlich wird. Die Form folgt der Funktion.

1911 wurde das Gebäude nach van de Veldes Entwürfen erweitert.

Historisches Chemnitz - Die Villa Esche
Seitenansicht



Nach 1945
Nach dem Kriege wanderte Herbert Esche aus und verstarb 1962 in der Schweiz. Nach 1945 wurde die Villa zunächst als sowjetische Kommandantur benutzt, später durch die Staatssicherheit. Zu Zeiten der DDR wurde der Rang als Baudenkmal nicht erkannt und in die Nähe ein Garagenkomplex gebaut, der die Gesamtwirkung ungemein beeinträchtigt. Unter Denkmalschutz gestellt diente das Haus später in der DDR als Niederlassung der Handelskammer.

Nach der Wende wurde das Gebäude erst von den Erben Esches erworben, 1998 jedoch leerstehend und sanierungsbedürftig an die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts GmbH (GGG) veräußert.
Zeitlicher Abriss
1901 Kontakt Esche-van de Velde
1902 Entwurf der Villa in Weimar
1903 Baubeginn
1911 Erweiterung
1945 Sitz der Sowj. Militär-
kommandantur
1947 Wohnhaus Hans Herbert Esche
1952 Nutzung durch Stasi
1964 Bezirkshandwerkskammer
1989 Leerstand
1998 Kauf durch GGG
2001 Wiedereröffnung


Herbert Esche
Historisches Chemnitz - Die Villa Esche
1874 Geburt in Chemnitz
1899 Heirat mit Johanna
1911 Tod von Johanna
1962 Tod in der Schweiz


Historisches Chemnitz - Die Villa Esche
Joahnna Esche

Wo finde ich Spuren?
Die Villa Esche ist nach Ihrer Rekonstruktion durch die GGG im neuen alten Glanz erstrahlt. Sie befindet sich an der Parkstraße Ecke Stollberger Straße und kann besichtigt werden.

Van de Velde in Chemnitz
Weitere Architekturleistungen von Henry van de Velde in Chemnitz sind der im Krieg zerstörte Lawn-Tennisclub an der Goethestraße, die Villa Körner für den Schwager Esches, Theodor Koerner an der Beyerstraße, sowie die Villa Quisiana ebenfalls an der Beyerstraße. Der Lawn-Tennisclub wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die wenigen geretteten Stücke befinden sich heute im Kunstgewerbemuseum Schloß Köpenick. Die Beyer-Villa, brannte ebenfalls im Zweiten Weltkrieg aus. Nur im Erdgeschoß ist die ursprüngliche Bausubstanz zu erkennen.

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