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Der Arbeiter-Samariter-Bund e.V. ist heute in Deutschland allgegenwärtig,
wenn es um Unfallrettung, Betreuung und Pflege geht. Das die Wurzeln dieses
bekannten Vereins bis nach Chemnitz und speziell auf den Sonnenberg zurückreichen,
ist aber nur den allerwenigsten bekannt.
Das Entstehen des Arbeiter-Samariter-Bundes
Die Geschichte beginnt allerdings in Berlin und zwar im Jahre 1888.
Damals war die Arbeit in den Fabriken und an den Maschinen teilweise sehr
gefährlich, da keine Unfallvorschriften existierten. Dagegen kämpften sechs
Berliner Zimmerleute an und setzten gegen viele Widerstände einen
"Lehrkursus über die Erste-Hilfe bei Unglücksfällen" durch. Damit
war der Grundstein des ASB gelegt. Aus dieser Gründung heraus entstanden
sogenannte "Kolonnen", die anfänglich der Ersten-Hilfe bei Arbeitsunfällen
dienten, später jedoch nach und nach auch bei der Unfallrettung und
Katastrophenhilfe auftraten.
Anfangs waren die Kolonnen eigenständige Trupps, bis auf einer Versammlung 1909 in Magdeburg der Zusammenschluss von elf damals agierenden Kolonnen und damit die Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes mit Sitz in Berlin beschlossen wurde. Der ASB kommt nach Chemnitz
In Chemnitz traten die Samariter seit 1908 auf. Nachdem bereits 1897 die
2. Sächsische Landesversammlung hier tagte, wurde 1908 die erste Chemnitzer
Kolonne gegeründet. Da Chemnitz für die Arbeiter-Samariter wegen der hohen
Anzahl an Beschäftigten in der Region prädistiniert war, trat die Chemnitzer
Kolonne sehr aktiv auf. So war es nicht verwunderlich, daß 1923 zwei Chemnitzer,
nämlich Theodor Kretzschmar und Eugen Richter zum Bundesvorsitzenden und
Bundesschatzmeister gewählt wurden.
In dieser Folge wurde der Sitz des ASB nach Chemnitz verlegt, wo er zuerst im Kellergeschoß unter den Räumen der "Volksstimme" in der Dresdner Straße 38 unterkam. Wenig später wechselte man in die Hausnummer 40 in ein Hinterhaus. Da in den folgenden Jahren der Mitgliederzustrom stetig zunahm und bald darauf die 42.000-er Marke erreichte, war ein Neubau des Bundessitzes unumgänglich.
Das neue Bundeshaus
Um den zukünftigen Sitz des ASB bewarben sich mehrere Städte, darunter auch
Berlin und Chemnitz. Den Zuschlag erhielt dann Chermnitz, wohl weil es damals
eine der größten Arbeiteransammlungen in Deutschland darstellte. Man erwarb
das Grundstück in der Alexanderstraße 28 (heute Ludwig-Kirch-Straße 23).
Die veranschlagte Summe von 240.000 Mark wurde durch einen einmaligen Obulus
von zwei Mark je Mitglied eingetrieben und somit konnte der Bau des neuen
Bundeshauses des Arbeiter-Samariter-Bundes beginnen.
Der Bau dauerte von 1927 bis 1928 und danach konnte das Haus am 16.September 1928 feierlich und unter großer Teilnahme von Prominenz aus Politik und Gesellschaft eingeweiht werden. Es beinhaltete neben Büroräumen und Schulräumen auch einen Laden für Sanitärartikel, einen großen Saal im ersten Obergeschoß und einen Ausstellungsraum. Die beiden Chemnitzer Vorsitzenden wohnten im dritten unvierten Geschoß über den Bundesräumen. Dort befanden sich noch Unterkünfte für Seminarteilnehmer sowie Lager- und Werkstatträume. Dort wurde auch die "Chemnitz-Tasche", die braune Sanitätertasche aus Leder hergestellt.
Der Chemnitzer ASB in der NS-Zeit
1933 übernahm Adolf Hitler und seine NSDAP die Macht in Deutschland. Damals
hatte der ASB mit 50.000 Mitgliedern seine stärkste Phase erreicht. Um den
Bund "gleichzuschalten", wurde er unter NS-Führung gestellt. Dafür wurde ein
Kommisar für den ASB eingesetzt. Mit einem Trupp des SA-Sanitätssturmes
stürmte man das Chemnitzer Bundeshaus und schlug vieles darin kurz und klein.
Der Sohn des Bundesvorsitzenden Kretzschmar wurde verprügelt. Um die neue
Macht zu demonstrieren, stempelte man die Mitgliederausweise ab.
Aber die Mitglieder wollten sich nicht gleichschalten lassen und traten demonstrativ aus dem ASB aus. Daraufhin kam es am 1.August 1933 zum Verbot des Arbeiter-Samariter-Bundes in Deutschland. Der ASB nach dem Krieg
1945 endete der Zweite Weltkrieg und Chemnitz war weitestgehend zerstört.
Aber die Menschen waren nicht demotiviert, sondern begannen schnell wieder
mit dem Aufbau. Unabhängig voneinander gab es in vielen Städten Bestrebungen,
die Arbeit des Bundes wieder aufzunehmen. Aber die neue Macht, die Kommunisten
und die sowjetischen Besatzer sahen derartige "Vereinigungen" von Menschen
nicht gern, da damit ja ein Gegengewicht zur verordneten Einheit bestand.
Somit blieb der ASB in der sowjetischen Besatzungszone und später in der
DDR verboten. In den westlichen Sektoren jedoch erstand der Bund neu und
nahm seinen neuen Sitz in Köln, wo auch ein neues Bundeshaus bezogen wurde.
In den neuen Bundesländern erstand er ASB nach der Wende neu. In Chemnitz wurde 1990 ein neuer Ortsverband gegründet. |
Zeitlicher Abriss
1888 erstes Auftreten
1908 erste Chemnitzer Kolonne 1923 Sitz in Chemnitz 1928 Neues Bundeshaus 1933 Verbot Wo finde ich Spuren?
Das Gebäude hat den Krieg überstanden und befindet sich heute in der
Ludwig-Kirch-Straße 23 auf dem Sonnenberg.
Die "Chemnitz-Tasche"
Das Banner des ASB
Mit der Weihe des neuen Bundeshauses 1928 in Chemnitz wurde auch ein neues
Banner des ASB eingeführt und übergeben. Es hing bis zum Verbot des ASB
1933 im Bundeshaus in der Alexanderstraße. Nach dem Verbot wurde es von dem
"ehemaligen" Bundesvorsitzenden Kretzschmar entfernt und vor den
Nationalsozialisten versteckt. Da nach 1945 der ASB in der sowjetischen
Besatzungszone verboten blieb, wurde das Banner nach Westen geschafft, wo
es im neuen Bundeshaus in Köln seinen Platz fand.
Weiterführende Links
Quellen und
Buchempfehlungen
"Leben auf dem Sonnenberg" Autorenkollektiv unter Leitung von
Jürgen Eichhorn, Hrg: Chemnitzer Geschichtsverein
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