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In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand aufgrund der Ausdehnung der
Stadt in Richtung Osten die sogenannte Neustadt. Eines der ersten
Vergnügungsetablissements in diesem neuen Stadtteil war das Tanzlokal
"Stadt London", das 1863/64 in der Elisenstraße 2 entstand. Da das
"Stadt London" rege frequentiert wurde, wurde schnell ein Erweiterungsbau
des Saales notwendig.
Damals wurden die Räume des Hauses nicht nur zu Tanzveranstaltungen und
zur Vergnügung genutzt, sondern boten auch politischen Veranstaltungen Raum.
Das "Stadt London" wurde dabei besonders zu einem Begriff, da hier sowohl
"gewerkschaftliche" Veranstaltungen, wie etwa Belegschaftsversammlungen
der
Chemnitzer Werkzeugmaschinenfanbrik (vorm. Johann Zimmermann)
oder der "Sächsischen Webstuhlfabrik (vorm. Louis Schönherr)" wie auch
sozialdemokratische Großveranstaltungen stattfanden. Berühmteste Redner
waren hier August Bebel und Johann Most, die vor mehreren tausend Leuten
auftraten. Aber auch als Musterungsstützpunkt dienten die Räume dieses
Etablissements.

Das Haus, als es noch "Stadt London" hieß
Namenswechsel
1895 kam ein neuer Eigentümer und damit ein neuer Name. In deutscher
Gesinnung wurde das "Stadt London" nun in Konzert- und Ballhaus
"Zum Hohenzollern" umbenannt. Diesen Namen trug das Gebäude bis nach dem
Zweiten Weltkrieg.
Eine interessante Einrichtung während der Tanzveranstaltungen war die
sogenannte "Post d' Amour". Von den Tischen aus liesen sich Postkarten
an andere Tische schicken, um den Damen (oder Herren) die Aufwartung zu
machen. Ebenso sorgte ein Stehgeiger für die nötigen Emotionen an den
Tischen.
Aber trotz des Namenswechsels blieb die politische Bedeutung des Hauses
bestehen. Bis in die Zeit der Weimarer Rebuplik blieb das "Hohenzollern"
die Hauptversammlungsstätte der Chemnitzer Sozialdemokraten.

Postkartenansicht um 1902

Innenansicht etwa um 1910
Wechselvolle Geschichte nach dem Krieg
Im Krieg leicht beschädigt zog nach 1946 hier ein Kino ("Stadtlichtspiele")
ein. Ab 1950 unter dem Namen "Zentral-Lichtspiele" bot es 650 Besuchern
Platz.
Aber dabei sollte es nicht bleiben. 1968 wurde das Kino geschlossen.
Danach nutze man den Saal als Hörsaal der Technischen Hochschule bis etwa
1988. Danach zogen die Musiker der Robert-Schuhmann-Philharmonie in das
Gebäude ein, die es als Proberaum benutzten.
Mit der Wende stand das Gebäude leer und begann langsam zu verfallen. Aber
die Rettung kam rechtzeitig. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde
zu einem Wohn- und Gesdchäftshaus umgestaltet, wobei die äußere Erscheinung
der Fassade weitestgehend erhalten blieb. Der Saalanbau wurde jedoch abgerissen.
Heute findet man ein französisches Restaurant in dem alten Gemäuer.
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Zeitlicher Abriss
1863/64 "Stadt London"
1895 Umbenennung
1946 Kino
1968 Hörsaal
1988 Proberaum
1991 Leerstand
1998 Wohn- und Geschäftshaus
Wo finde ich Spuren?
Elisenstraße 2
Quellen/Buchempfehlungen
"Der Chemnitzer Brühl. Ein Stadtteil im Wandel der Zeiten" Autorenkollektiv
unter Leitung von J.Eichhorn und U.Krieger, Hrg: Chemnitzer Geschichtsverein e.V.
"Einmal kommt die Zeit" Karlheinz Schaller, Verlag für Regionalgeschichte.
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