Das Körnerdenkmal
Historisches Chemnitz - Körnerdenkmal
Das Körnerdenkmal auf dem Körnerplatz
Eigentlich war der Stadtteil Sonnenberg ein Stadtteil einfacher Leute. Denkmäler waren da nicht vorgesehen. Aber wie so oft im Leben kommt alles ganz anders. Im Zuge der um 1890 aufschwellenden patriotischen Grundstimmung in Deutschland besinnt man sich auch wieder mehr auf seine Helden, darunter auch Theodor Körner.


Körner in Chemnitz
Theodor Körner war Dichter und Freiheitskämpfer in den Napoleonischen Kriegen. Er war von Wien zu den Jägern des Majors Lützow gekommen. 1813 war er schwer verwundet in Chemnitz eingetroffen. Dazu schreibt 1863 der Buchhändler Wilhelm Starke in der "Gartenlaube":

"...von einem Freunde in Leipzig ein preußischer Offizier namens Körner, der in dem Überfall bei Kitzen verwundet worden war, empfohlen wäre, um ihn sicher nach Karlsbad zu bringen.... Obgleich bis eine Reise an die Grenze nicht ohne Gefahr war, ... so entschloß ich mich doch, ihn durch meine Begleitung sicher bis nach Annaberg zu bringen... und dort das Erforderliche für seine weitere Reise zu besorgen. Im Nebenzimmer fand ich einen großen, schlanken Mann ... in dunkler Kleidung, der von einem geschickten Wundarzt aus der Nachbarschaft verbunden wurde. Er hatte bei dem Überfall drei Hiebwunden an der linken Seite des Kopfes bekommen, wovon eine ziemlich tief war. Er war mit einer Perücke versehen, teils zum Schutz der Wunden, teils um sich unkenntlich zu machen. Er war von Leipzig über Frohburg in einem offenen unscheinbaren Wagen bis vor Borna, einem Dorfe eine Stunde vor Chemnitz, gefahren dort abgestiegen und zu Fuß in die Stadt gegangen. ... Nach Tische, nachdem er zu mir gekommen, der Postwagen vorgefahren war, fuhren wir ab. Unterwegs unterhielten wir uns sehr angenehm. ... Körner dankte mir in herzlichen Worten für alles, was ich für ihn getan hätte; wir schüttelten und drückten uns die Hände und nach einigen Wünschen...stieg er in den Wagen ein und fuhr davon."

Das Haus, in dem Körner in Chemnitz Unterschlupf fand, war das Haus Lohstraße Nr. 8. Nachdem Körner dann in Karlsbad genesen war, kehrte er zu seinen Truppen zurück, wo er nur zwei Monate nach seinem Aufenthalt in Chemnitz starb.


Historisches Chemnitz - Körnerdenkmal


Chemnitzer Gedenken
Um an ihn zu gedenken, pflanzten die Chemnitzer bereits 1863 eine Eiche auf dem nach ihm benannten Platz. 1891 wird der "Körner-Tisch" gegründet, ein Verein, der unter anderem damit beginnt, für ein Denkmal zu Ehren Körners zu sammeln. Nach aufwendiger Sammelarbeit war es am 18. Oktober 1901, dem Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig, dann soweit. Das Denkmal wurde feierlich eingeweiht. Es sollte allerdings das einzige Denkmal auf dem Sonnenberg bleiben.

Das Körnerdenkmal war eine drei Meter hohe Bronzestatuette des Dresdner Kunstprofessors Epler, der es in Anlehnung an das gleichnamige Dresdner Denkmal schuf.


Das Ende
So stand das Denkmal viele Jahre bis nach dem zweiten Weltkrieg als Zierte des Sonnenberges und der ganzen Stadt auf dem Körnerplatz. Nach dem Kriege sollten die "dem früheren preußisch-deutschen Militarismus gewidmeten Wahrzeichen" verschwinden. Das war sicher bei reinen nationalsozialistischen Denkmälern kein Problem, traf aber bei Denkmälern, wie dem Kriegerdenkmal oder etwa dem Körnerdenkmal auf Widerstand. So gab es deutliche Differenzen zwischen der von der sowjetischen Administration angefertigten Liste mit 36 betreffenden Objekten und der Liste der Stadtverwaltung mit nur 19 Objekten. Das Körnderdenkmal befand sich eben mit auf der sowjetischen Liste. Das Körnerdenkmal verschwand dann plötzlich und ist seitdem verschollen.


Historisches Chemnitz - Körnerdenkmal
Postkartenansicht von 1914

Historisches Chemnitz - Körnerdenkmal
Das Körnerdenkmal einmal in ganzer Schönheit auf einer Ansichtskarte zur Denkmalsweihe.
Zeitlicher Abriss
1813 Körner in Chemnitz
1863 "Körnereiche"
1891 Gründung Körnertisch
1901 Denkmalsweihe
1946 Verschwinden


Wo finde ich Spuren?
Der Körnerplatz befindet sich auf dem Sonnenberg


Theodor Körner

Historisches Chemnitz - Körnerdenkmal

1791 Geburt in Dresden
1808 Studium in Freiberg
1810 Gedichtesammlung
1810 Studium in Leipzig
1811 Flucht nach Berlin
1811 Studium in Wien
1813 Dichter am Burgtheater
1813 Eintritt in Freikorps
1813 Tod in Rosenow b. Gadebusch


www.Historisches-Chemnitz.de